# taz.de -- Medienpolitik in Sachsen-Anhalt: Ende einer komplizierten Beziehung
       
       > Der Medienpolitiker Rainer Robra hat zehn Jahre den
       > öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Sachsen-Anhalt geprägt. Zeit zu
       > feiern, dass er weg ist.
       
 (IMG) Bild: Der demnächst Ex-sachsen-anhaltische Kulturstaatsminister Rainer Robra, eine streitbare Stimme
       
       Eigentlich wäre jetzt Zeit für ’ne schöne Party, am besten aus
       Beitragsmitteln. Immerhin tritt hier einer ab, der den
       öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie kaum ein anderer geprägt hat. Und das
       über fast ein Vierteljahrhundert.
       
       Es geht hier nicht um Intendant*innen, Klaus J. Behrendt oder Florian
       Silbereisen. Rainer Robra, Chef der Magdeburger Staatskanzlei und als
       solcher auch oberster Medienpolitiker von Sachsen-Anhalt, hat am Montag
       Schluss gemacht. Bis zur Regierungsbildung von AfD-Gnaden übernimmt jetzt
       der parteilose Wirtschaftsstaatssekretär Gert Zender.
       
       Die Party wäre übrigens nicht zum Dank für seine Verdienste, sondern dafür,
       dass er weg ist. Denn hier geht eine der kompliziertesten Liebesbeziehungen
       zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und einem seiner größten Fans
       zu Ende. Ja, der CDU-Mann Robra war grundsätzlich natürlich großer
       Verfechter von ARD, ZDF und Co. Im Alltag tarnte er sich aber immer höchst
       geschickt und (ver-)kämpfte sich in der öffentlichen Wahrnehmung eher mal
       gegen sie.
       
       „Dann kann er die Party mal schön selbst zahlen und uns alle einladen, denn
       Geld ist ja da“, sagt die Mitbewohnerin. Schon deshalb, weil Robra ja an
       der Seite von Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff gegen
       eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags in die Schlacht zog. Komme, was da
       wolle. Was kam, war [1][die AfD, die sich die Hände rieb] und in die diese
       Politik spielte. Und auch sonst war Robra immer der große Grantler, wenn es
       um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sein Angebot und vor allem seine
       Reformfähigkeit und den Reformwillen ging.
       
       ## In die Hände der AfD gespielt
       
       [2][Leidtragender war vor allem der MDR], der sich meist stoisch ins
       Schicksal schickte, jetzt aber Tacheles redet. Denn es sei schließlich 2020
       nicht die AfD, sondern die von der CDU geführte Landesregierung in
       Sachsen-Anhalt gewesen, die verfassungswidrig die Erhöhung des
       Rundfunkbeitrages abgelehnt habe, sagt MDR-Justiziar Jens-Ole Schröder
       heute. „Dabei hatte man sich offenbar einen politischen Vorteil erhofft.
       Wenn wir das Wahlergebnis anschauen, kann man feststellen, die Leute haben
       (…) offenbar das Original gewählt und nicht die Kopie.“
       
       Robra hat das immer abgestritten. Jetzt steht die AfD in „seinem“
       Bundesland kurz davor, mit ihrer sogenannten Medienpolitik Ernst zu machen.
       Wie es dabei um Robras eigene Partei und die Treueschwüre zur Brandmauer
       bestellt ist, zeigte schon am Dienstag [3][die Wahl von Tobias Rausch (AfD)
       zum Landtagspräsidenten].
       
       Rainer Robra hat damit nichts mehr zu tun. Dass er den
       öffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich zu Reformen und damit zur
       eigenen Zukunftsfähigkeit antreiben wollte, ist unbestritten. Doch der
       tragische Held aus Hannover wurde mit seiner Strategie zum kleinen
       ÖRR-Tierfreund, der aufs falsche Pferd setzte und sich und dem System so
       einen Bärendienst erwies.
       
       Eigentlich ist der bald 75-Jährige unvermittelbar. Ob er das selbst auch so
       sieht? „Mach bloß nie wieder was mit Medien“, meint die Mitbewohnerin.
       
       7 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /AfD-Landtagspraesident/!6211917
 (DIR) [2] /MDR-vor-den-Landtagswahlen/!6204657
 (DIR) [3] /Landtagspraesidentenwahl-in-Magdeburg/!6219557
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
 (DIR) Sachsen-Anhalt
 (DIR) Rundfunkbeitrag
 (DIR) Sachsen-Anhalt
 (DIR) CDU/CSU
 (DIR) CDU
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ende des „ZDF Magazin Royale“: Die royale Lücke
       
       Jan Böhmermanns Sendung geht zu Ende. Dutzende verlieren dadurch ihre Jobs
       – und der Investigativjournalismus seine Verbindung zur Satire.
       
 (DIR) Weimers Pläne für den ÖRR: Weimers wilde Privatisierungsträume
       
       Medienstaatsminister Weimer schlägt vor, den öffentlich-rechtlichen
       Rundfunk zu privatisieren. Das ist weder seine Aufgabe noch eine gute Idee.
       
 (DIR) MDR vor den Landtagswahlen: Ruckelnde Talfahrt
       
       Die AfD Sachsen-Anhalt will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abbauen.
       Doch der MDR steht schon jetzt unter massivem Druck. Was wird aus dem
       Sender?