# taz.de -- Weimers Pläne für den ÖRR: Weimers wilde Privatisierungsträume
> Medienstaatsminister Weimer schlägt vor, den öffentlich-rechtlichen
> Rundfunk zu privatisieren. Das ist weder seine Aufgabe noch eine gute
> Idee.
(IMG) Bild: Weimers Aufgaben wachsen ihm wohl über den Kopf
Unser Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer denkt mal eben über
die Privatisierung des ZDF nach. Und das passenderweise kurz vor der Woche
des internationalen Tags der Demokratie, an dem rund 150 Medienhäuser und
Verbände die Aktion „Demokratie braucht viele Stimmen“ starten. ARD, ZDF,
RTL, ProSiebenSat.1, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, private Radios –
also viele Medien, die sich sonst ziemlich gern gegenseitig Konkurrenz
machen – stellen gemeinsam die Frage, was eine vielfältige Öffentlichkeit
eigentlich wert ist. Antwort: viel.
Laut KNA sagte Weimer bei einer internen Rede in einer Konferenz der
Konrad-Adenauer-Stiftung am vergangenen Donnerstag, man müsse überlegen,
„ob es das bisherige System aus ARD und ZDF in der aktuellen Form weiter
brauche“. Möglich sei auch, das ZDF zu privatisieren und ARD-Anstalten
zusammenzulegen. Am Ende könne es nur noch vier oder fünf Rundfunkanstalten
geben. Auch wenn die beiden Aufhänger nicht im direkten Zusammenhang
stehen, ist das schon eine bemerkenswerte Abfolge der Dinge.
Während sich die Medienbranche gerade gemeinsam hinstellt und sagt: Wir
brauchen viele unterschiedliche Stimmen, sagt der Bundesmedienminister,
dass weniger auch reichen würden. Natürlich kann man über Reformen bei ARD
und ZDF diskutieren. Auch Weimer kann sich wünschen, dass Doppelstrukturen
und Kosten abgebaut und Kooperationen ausgebaut werden. Nur gibt es ein
kleines Problem: Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist der Bund gar
nicht zuständig.
Rundfunkpolitik ist Ländersache, die Länder handeln die entsprechenden
Staatsverträge aus. Und damit stellt sich eine interessante Frage: Warum
spricht der Kultur- und Medienstaatsminister auf Bundesebene so ausführlich
über etwas, das er selbst nicht entscheiden kann? Man muss ihm dabei keine
Motive unterstellen. Vielleicht will er tatsächlich eine Grundsatzdebatte
anstoßen. Vielleicht hält er die derzeitige Struktur für ineffizient. Das
kann man vertreten.
## Nicht sein Zuständigkeitsbereich
Aber dann sollte man auch über die Dinge sprechen, bei denen dieser
Minister tatsächlich Handlungsmöglichkeiten hat. Big Tech zum Beispiel.
Weimer selbst hat immer wieder auf die Macht der Plattformkonzerne
hingewiesen. Und er hat eine Digitalabgabe für große Plattformen
angekündigt, deren Einnahmen dem Medien- und Kreativsektor zugutekommen
sollen. Im Oktober 2025 hieß es von der Bundesregierung, sein Haus arbeite
an Eckpunkten.
Im Januar 2026 lag der Vorschlag laut Finanzministerium weiterhin bei
Weimer und wurde beraten. Und jetzt, im September, ist die Frage weiter
ungeklärt: Wo bleibt der Gesetzentwurf? Werbeerlöse klassischer Medien
wandern zu Plattformen. Inhalte werden über Google, Youtube, Meta und
andere Plattformen verteilt. Und künstliche Intelligenz wirft noch mal
alles durcheinander.
Weimer selbst sagt dazu, die [1][„KI-Revolution“ verändere die
Medienlandschaft grundsätzlich]. Das Problem ist also erkannt. Aber Weimer
scheint wohl etwas abgelenkt und fragt lieber, ob Radio Bremen als
eigenständiger Sender erhalten bleiben soll. Dabei sollte uns sein Vorstoß
nicht völlig überraschen. Schon 2017 sprach er von mehr als acht Milliarden
Euro „Zwangsbeiträgen“, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk erhalte.
Stefan Niggemeier kommentiert dazu aktuell in der Süddeutschen Zeitung: „Am
Z-Wort erkennt man die besonders fundamentalen Kritiker von ARD und ZDF.“
Damals war Weimer allerdings noch nicht Medienstaatsminister. In einem
Welt-Interview von Anfang 2025 sprach er dann vom „Akzeptanzproblem“ des
öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sagte aber gleichzeitig, das System sei
ein „großer Gewinn für die politische und journalistische Kultur“ und solle
in seinen Grundsätzen nicht infrage gestellt werden. Er regte den ÖRR zu
Reformen an.
## Öffentlich-rechtlicher Rundfunk unter Beschuss
Heute ist aus „Reformiert euch“ offenbar „Privatisiert euch“ geworden.
Womit der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur wenige Tage nach der
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD 43,8 Prozent holte, wieder
zum politischen Schlachtfeld wurde. Die AfD hatte schon vor der Wahl
angekündigt, [2][im Fall einer Regierungsübernahme die
Rundfunkstaatsverträge kündigen zu wollen.]
So weit ist Weimer zwar nicht. Aber dass ihm die Argumente gegen den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerade auf dem Silbertablett serviert
werden und er sich gern davon bedient, lässt sich zumindest schwer
übersehen. Und vielleicht sollte er deshalb noch einmal in seine
Jobbeschreibung schauen. Denn er könnte tatsächlich viel bewegen.
Die Medien stehen unter Druck. KI, Plattformmacht und der Kampf um
Aufmerksamkeit verändern die Bedingungen, unter denen Journalismus
überhaupt noch finanziert werden kann. Genau hier müsste ein
Medienstaatsminister ansetzen: bei fairen Wettbewerbsbedingungen, bei der
Macht von Big Tech, [3][bei der Finanzierung von Journalismus] und bei der
Frage, wie Medienvielfalt in Zukunft überhaupt noch möglich sein soll. Er
könnte dafür sorgen, dass Medienhäuser wirtschaftlich mehr Luft bekommen,
die angekündigte Plattformabgabe vorantreiben oder sich um die Bedingungen
für privaten Journalismus kümmern.
Stattdessen diskutiert er lieber über das ZDF. Das ist auch etwas faul,
denn man kann sich selbst immer am besten als großer Reformer inszenieren,
wenn man nicht für die Reform zuständig ist. Und wenn Weimer das mit seinem
eigenen Aufgabenbereich nicht hinbekommt, dann sollte er vielleicht nicht
mehr darüber nachdenken, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu
privatisieren – sondern sich selbst.
16 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
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