# taz.de -- Ende des „ZDF Magazin Royale“: Die royale Lücke
> Jan Böhmermanns Sendung geht zu Ende. Dutzende verlieren dadurch ihre
> Jobs – und der Investigativjournalismus seine Verbindung zur Satire.
Ein 21-Jähriger, der Schildkröten und Züge liebt, und sein Vater, der
täglich mehrere Biere trinkt und bei Banalitäten weint: [1][Das sind keine
realen Personen], sondern Schauspieler:innen, eingeschleust in RTLs
Reality-Format „Schwiegertochter gesucht“. So deckte das „Neo Magazin
Royale“ auf, wie die Show ihre Protagonist:innen ausbeutet und
bloßstellt. Dafür braucht es investigativen Journalismus. Jan Böhmermann
hat das getan. Besonders ab 2020, als das „Neo Magazin Royale“ zum „ZDF
Magazin Royale“ wurde und das neue Team mehr Fokus auf Recherche legte.
[2][Doch nun ist Schluss mit der Sendung] von der Produktionsfirma
Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld UE GmbH: Am 18. Dezember wird nach rund
sechs Jahren auf dem Hauptsender die 187. und letzte Folge ausgestrahlt.
Einige Medien vermuten dahinter sich häufende Programmbeschwerden. Andere
legen nahe, dass Investigativjournalismus und Satire nicht mehr gut
zusammen funktionieren würden. Dabei war es eigentlich sehr klar, berichten
Insider gegenüber der taz: Böhmermann, nicht das ZDF, wolle die Sendung
beenden. Böhmermann hat bis Redaktionsschluss nicht auf die Anfrage der taz
reagiert. Das ZDF lässt lediglich verlauten, dass es sich aktuell in „guten
Gesprächen mit Jan Böhmermann zu einem möglichen neuen Show-Konzept“
befinde. Böhmermann selbst erklärt in einer Pressemitteilung: „Ich möchte
noch mal eine andere Sendung machen!“
## Fast alle müssen gehen
Doch mit welchem Personal? Von den aktuell rund 80 Mitarbeiter:innen
verlieren laut dem Betriebsrat der Produktionsfirma fast alle zum Ende des
Jahres ihren Job. 2027 sollen maximal 3 Menschen beschäftigt bleiben.
Einige Mitarbeiter:innen – von der Redakteur:in bis hin zur
Personalmanager:in – hoffen wohl nicht mehr auf eine weitere
Beschäftigung durch die Produktionsfirma. Auf Linkedin zeigen sie sich
„offen für Jobangebote“.
Alexander Hesse, Geschäftsführer der Produktionsfirma UE GmbH, weist darauf
hin, dass der überwiegende Teil der betroffenen Arbeitsverhältnisse
„branchenüblich auf Produktionsdauer befristet“ sei und mit „Ablauf der
jeweils vereinbarten Vertragslaufzeit“ ende. Alle Mitarbeitenden hätten die
„Laufzeit des ZDF-Produktionsvertrags von einem Jahr“ gekannt. Und: „Nach
aktuellem Stand werden maximal 4 betriebsbedingte Kündigungen
ausgesprochen.“
„Die Belegschaft und der Betriebsrat sind am Freitag, 18.09.26, um 15.00
Uhr mündlich durch Jan Böhmermann und den Geschäftsführer über die
Entscheidung informiert worden, dass der Betrieb der Unterhaltungsfernsehen
Ehrenfeld UE GmbH ab 2027 fast vollständig eingestellt wird“, teilt der
Betriebsrat der taz mit. Eine Stunde später berichtete die
Onlinezeitschrift DWDL. Hesse sagt: „Die Belegschaft wurde zeitnah
informiert, nachdem Jan Böhmermann der ZDF-Geschäftsleitung mitgeteilt
hatte, etwas Neues beginnen zu wollen und die daraus resultierenden
Auswirkungen auf den Betrieb hinreichend absehbar waren.“
Des Weiteren sind laut Hesse die Mitarbeitenden gemeinsam über die
„aktuelle Situation und die weiteren, derzeit leider noch unklaren
Perspektiven“ informiert worden. „Der Betriebsrat wurde vorab in Kenntnis
gesetzt.“ Über das mögliche Szenario, dass die befristeten Arbeitsverträge
nicht verlängert werden könnten, sei die Belegschaft bereits im Juli und
nochmals in der Betriebsversammlung am 18.9.2026 unterrichtet worden.
Eine Show, die auf einem einzelnen Mann aufbaut, wird beendet und Dutzende
Menschen verlieren ihre Jobs. Gleichzeitig ist genau diese personelle
Zuspitzung von Anfang an das Konzept der Sendung gewesen und hat sie von
Formaten wie „[3][extra3]“ unterschieden.
Ganz überraschend kam das Aus der Sendung nicht. Denn sie hatte diesmal nur
einen Einjahresvertrag erhalten und nicht wie vorher Mehrjahresverträge.
Auch die Zahl der Folgen pro Jahr wurde von 33 auf 22 reduziert. Könnte das
auch mit wiederholten Programmbeschwerden zu tun haben? So beschwerte sich
etwa 2025 die deutsche Bundespolizeigewerkschaft DPolG gemeinsam mit dem
Gewerkschafter Manuel Ostermann über eine Sendung, in der es um die
Aufnahme afghanischer Geflüchteter und mögliche Sicherheitsprobleme bei der
Bundespolizei in Pakistan ging. Diese und viele weitere Programmbeschwerden
blieben erfolglos. Nicht jedoch eine Beschwerde der Unabhängigen Kommission
zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs zu einer Sendung über
angebliche rituelle Gewalt. Sie führte dazu, dass die entsprechende Sendung
aus der Mediathek entfernt wurde.
„Dass sich das ZDF so lange hinter die Sendung gestellt hatte, hat mich
schon länger gewundert“, sagt Katharina Kleinen-von Königslöw. Sie ist
Professorin für Kommunikationswissenschaften an der Universität Hamburg.
„Kein Satireformat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat es so lange
ausgehalten und so massiven Attacken widerstanden.“ Man müsse bedenken,
dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Bezug auf Satire „sehr lange
sehr feige“ war. Viele Jahre lang hätte es kaum politische Satire gegeben,
und die wenigen Versuche seien in der Regel relativ schnell eingestellt
worden, weil die Sendungen immer wieder Empörung ausgelöst haben.
Doch Böhmermann schaute jahrelang ein Millionenpublikum dabei zu, wie er
und sein Team Briefkastenfirmen aufdeckten oder schlechte
Arbeitsbedingungen in Werkstätten für behinderte Menschen thematisierten –
und das, während die Journalismusbranche eigentlich kriselte. Denn das „ZDF
Magazin Royale“ verbindet die Recherche wirkungsvoll mit Satire.
Gerade weil klassische Medien unter anderem durch soziale Medien an
Reichweite verloren hätten, seien Formate wie jenes von Böhmermann
besonders relevant, sagt Kleinen-von Königslöw. Sie verschafften
investigativen Recherchen die nötige öffentliche Aufmerksamkeit. „Nur so
geraten politische oder wirtschaftliche Akteure tatsächlich unter Druck,
ihr Verhalten zu ändern“, sagt Kleinen-von Königslöw. „Ohne politische
Satire sehe ich nicht, wie der investigative Journalismus in nächster Zeit
wieder die entsprechende Bedeutung bekommen soll.“ Als Gesellschaft täte es
uns gut, mit Humor auf Politik, Wirtschaft und Macht zu schauen. „Denn
Satire verhilft auch zur Verständigung, was gesellschaftliche Normen sind.“
Umso größer ist die Hoffnung, dass ein neues Programm, oder noch besser
mehrere Programme, die royale Lücke wieder schließen werden. Nicht nur für
die vielen Mitarbeitenden, sondern auch für die demokratischen
Öffentlichkeit.
25 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Rahel Bueb
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