# taz.de -- Mietenkampf in Spanien: Vom Frust zum Generalstreik
> Nach dem Scheitern des Mietreformpakets kommt es zum Massenprotest.
> Parallel dazu gibt es Streikpläne und Spekulationen über vorgezogene
> Neuwahlen.
(IMG) Bild: Ein Mietenaktivist bei Regen im Protestcamp für das Recht auf Wohnen auf dem Platz Puerta del Sol in Madrid
Die Enttäuschung ist groß. Nachdem am Freitag die beiden Gesetzentwürfe,
die den Wohnungsmarkt und die Mieten neu regeln sollten, [1][von einer
rechten Mehrheit im spanischen Parlament abgelehnt wurden], sind am Samstag
in über 50 spanischen Städten Zehntausende Menschen auf die Straße
gegangen. „Hin zum Generalstreik“, stand in Madrid auf Transparenten, die
die vier Demonstrationszüge eines Sternmarsches anführten. Rund eine halbe
Million Teilnehmer waren es nach Angaben der Mieterinnengewerkschaft –
70.000 laut Regierung.
Der Protest in Madrid war die größte Demonstration von allen. In Spaniens
zweitgrößter Stadt, Barcelona, musste die Protestveranstaltung abgesagt
werden, nachdem der Wetterdienst Starkregen mit Orkanböen angekündigt
hatte.
Die Teilnehmenden skandierten Parolen gegen die sogenannten Geierfonds, die
mit Wohnraum spekulieren, und forderten lautstark eine Senkung der Mieten,
die vielen kaum Geld fürs Leben übrig lassen. „Wäre zumindest das Gesetz
mit den Sofortmaßnahmen durchgekommen, hätte das vielen geholfen“, erklärt
Sandra Mora, eine Sprecherin der Mieterinnengewerkschaft und deren
Koordinatorin im armen Süden Madrids, gegenüber der taz.
Zwangsräumungen, wie die der 87-jährigen Rentnerin Maricarmen, deren Fall
kürzlich die Massenproteste auslöste, wären damit nicht länger möglich
gewesen. Die Fonds hätten dann in den nächsten Jahren keine Wohnungen
kaufen können und bestehende Mietverträge, die alle auf fünf oder sieben
Jahre begrenzt sind, wären automatisch ohne Mieterhöhung um zwei Jahre
verlängert worden.
## Katalanische Nationalisten stimmen gegen Reformpaket
All das schien bis vergangenen Donnerstag sicher. Doch dann änderte die
katalanische Unabhängigkeitspartei Junts des im Exil lebenden katalanischen
Ex-Präsidenten Carles Puigdemont ihre Position und stimmte gemeinsam mit
der rechten Partido Popular (PP) und der rechtsextremen VOX gegen das
Gesetz.
„Die Zeit für die Politik ist damit zu Ende“, erklären Sprecherinnen der
Mieterinnengewerkschaft immer wieder. Hinter den Kulissen laufen Gespräche
mit den großen Gewerkschaften über einen Generalstreik für ein besseres
Mietgesetz. Der Druck der Straße ist so groß, dass sich die Gewerkschaften
wohl kaum verweigern können, den Streik anzumelden.
Umfragen zeigen, dass zwei Drittel der SpanierInnen für einen Eingriff in
den Wohnungsmarkt sind. Selbst bei denen, die PP oder VOX gewählt haben,
ist über die Hälfte für einen Stopp der Zwangsräumungen und für Maßnahmen
gegen spekulative Immobilienfonds.
Derweil hat sich die Mieterinnengewerkschaft aus dem Protestcamp auf dem
zentralen Platz Puerta del Sol in Madrid zurückgezogen. Es wird wohl in den
kommenden Tagen abgebaut. Das Motto: Zurück in die Stadtteile, um von dort
aus ebendiesen Streik vorzubereiten. Zuletzt wurden über 1.200 Zelte
gezählt. In zahlreichen kleineren Städten wurden ebenfalls Protestcamps
errichtet, die jetzt auch über ihre Zukunft entscheiden müssen.
## Spekulationen über vorgezogene Neuwahlen
Derweil wird weiter über vorgezogenen Neuwahlen nach der
Abstimmungsniederlage der Regierung des Sozialisten Pedro Sánchez
spekuliert. Die Entscheidung dürfte bis Montag fallen. Die Wahlen müssen
spätestes bis zum Frühsommer 2027 stattfinden. Sollte sie Sánchez auf den
29. November vorziehen – so die Gerüchte –, könnte er versuchen, die
Mietermobilisierung in Stimmen für die Linke umzuwandeln.
Doch es gibt ein Problem. Der linksalternative Koalitionspartner, das
Wahlbündnis Sumar, wird in dieser Form nicht erneut antreten. Auf der
Linken links der Sozialisten wird seit Monaten über ein neues Wahlbündnis
und einen neuen Spitzenkandidaten verhandelt. Jetzt kommt die Linke unter
Zeitdruck. Denn ohne eine starke Linke ist es nicht möglich, einen Wahlsieg
von PP/VOX zu verhindern.
4 Oct 2026
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(DIR) Reiner Wandler
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