# taz.de -- Mietproteste in Spanien: Sánchez unter Mietdruck
       
       > In Madrid campieren Tausende für bezahlbaren Wohnraum. Vor den Neuwahlen
       > hoffen sie, mehr als den Wohnungsmarkt zu verändern.
       
 (IMG) Bild: Zelte gegen hohe Mieten: das Protestcamp an der Puerta del Sol in Madrid
       
       So sieht also eine aus, die mithalf, dass ganz Spanien
       durcheinandergekommen und gar die Regierung zurückgetreten ist. Sandra Mora
       ist eher zierlich und wirkt doch irgendwie stark und resolut. Die
       30-Jährige ist eine der SprecherInnen des Sindicato de Inquilinas, der
       MieterInnengewerkschaft. Sie koordiniert deren Aktionen in einem der 21
       Stadtbezirke Madrids. Mora spricht ruhig, aber bestimmt. „Dass es so weit
       kommt, das hätten wir nicht gedacht“, sagt sie.
       
       So weit? Seit Ende September erlebt Spanien die größten Massenproteste seit
       Jahren. Hunderttausende gehen für das Recht auf bezahlbaren Wohnraum auf
       der Straße, ein riesiges Protestcamp entstand im Zentrum Madrids, weitere
       Camps in vielen anderen spanischen Städten. Die Linksregierung unter Pedro
       Sánchez arbeitete unter dem Druck der Straße in aller Eile zwei Gesetze
       aus, die unter anderem die Mieten deckeln und Zwangsräumungen verhindern
       sollten. Die Gesetze scheiterten im Parlament am Widerstand der Rechten.
       Sánchez löste daraufhin das Parlament auf und zog die Wahlen vom kommenden
       Sommer auf den 29. November vor. Seither ist Wahlkampf in Spanien und das
       Thema Wohnungen und Mieten steht ganz oben auf der Liste.
       
       Gerade mal 10 Tage hatte es gebraucht, um die Sánchez-Regierung über die
       Mietenfrage stürzen zu sehen. Und die Ereignisse haben kaum an Fahrt
       verloren: Die MieterInnengewerkschaft hat bereits einen Generalstreik für
       bezahlbaren Wohnraum angekündigt. Am 11. November, noch vor den Wahlen,
       soll er stattfinden. Die großen Gewerkschaften des Landes haben ihre
       Unterstützung bereits öffentlich bekundet – und inzwischen sieht es so aus,
       als könnte sich das Ganze zu [1][einem „iberischen Generalstreik“]
       auswachsen, weil sich auch Gewerkschaften in Portugal anschließen könnten.
       Jedenfalls ist das die Forderung der Demonstrierenden, die Gewerkschaften
       haben sich noch nicht offiziell geäußert.
       
       Der Auslöser für all die Unruhe war die Zwangsräumung von Maricarmen, einer
       87-jährigen, gehbehinderten Rentnerin in Madrid. „Es war der perfekte Fall,
       um aufzuzeigen, was auf dem Wohnungsmarkt los ist“, sagt Mora. Deshalb ging
       die MieterInnengewerkschaft damit besonders vehement an die Öffentlichkeit.
       Die Polizei kämpfte sich vor laufenden Fernsehkameras durch Hunderte von
       Demonstranten. Mora war eine der Protestierenden, die von der Polizei
       weggeschleift wurde. Maricarmen wurde schließlich auf einer Krankentrage
       aus der Wohnung gebracht, in der sie 70 Jahre gelebt hatte. Die Bilder
       empörten Hunderttausende.
       
       Überall in Spanien kam es noch am Abend von Maricarmens Räumung zu
       Demonstrationen. Am darauffolgenden Wochenende gingen in Madrid 300.000 auf
       die Straße. Einige blieben einfach und campten in Zelten auf dem Platz
       Puerta del Sol, wo auch [2][„die Empörten“ der Bewegung 15-M] im Jahr 2011
       gegen Inflation und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit protestiert hatten. Am
       Wochenende gingen in Madrid gar eine halbe Million auf die Straße. In
       weiteren 50 Städten kam es zu Protestkundgebung.
       
       Mittlerweile ist das Protestcamp in Madrid auf weit über 1.200 Zelte
       angewachsen. Es ist eine Stadt in der Stadt. Es gibt einen Ordnungsdienst,
       Essensausgabe und einen Putzdienst, der täglich die Straßen ringsherum
       sauber hält. Es werden allerlei Workshops und Informationsveranstaltungen
       abgehalten. Dutzende von Organisationen haben sich hier eingefunden, von
       Umweltgruppen bis hin zu Antifas, von Stadtteilkomitees bis hin zu
       internationaler Solidarität. Als Maricarmen [3][zwei Wochen nach ihrer
       Räumung im Krankenhaus verstarb], stärkte dies den Willen weiterzukämpfen
       nur noch.
       
       „Wir haben ganz offensichtlich die richtigen Fäden gezogen“, sagt Mora
       zufrieden. Sie trägt ein Shirt mit der Aufschrift ACAB, darunter steht
       nicht – wie eigentlich zu erwarten – „All Cops Are Bastards“, sondern „All
       Caseros Are Bastards“. Casero ist das spanische Wort für Vermieter. Über
       die vorgezogenen Wahlen will Mora nicht viel sprechen. „Wir mischen uns als
       Gewerkschaft nicht in Parteipolitik ein“, sagt sie. Aber sie hofft
       natürlich auf eine starke Linke. „Denn von rechts haben wir nicht zu
       erwarten. Hier in Madrid regiert die Rechte. Stadtverwaltung und
       Regionalregierung reden nicht einmal mit uns.“
       
       Das Wohnungsproblem steht im Mittelpunkt des Vorwahlkampfes. Es ist seit
       Monaten bei Umfragen das Thema Nummer 1, über das sich die Menschen in
       Spanien am meisten Sorgen machen. Zwei Drittel der Gesamtbevölkerung sind
       für einen Mietendeckel und für Maßnahmen gegen spekulative Immobilienfonds.
       Selbst bei denen, die rechts und extrem rechts wählen, sind es mehr als die
       Hälfte.
       
       Die linke Minderheitskoalition, Sánchez’ sozialistische PSOE und das linke
       Sumar-Bündnis, hat nach der Auflösung des Parlaments die beiden
       gescheiterten Wohnungsgesetze erneut im Amtsblatt veröffentlicht. Jetzt
       müssen sie durch die Ständige Vertretung des Parlaments. Dort hat zumindest
       eines der beiden Gesetze eine Mehrheit: Zwangsräumungen sozial schwacher
       Personen wie Maricarmen werden verboten, solange die Betroffenen keine
       Wohnalternative haben.
       
       Die Mieten werden erst einmal gedeckelt, die Mietverträge automatisch um
       zwei Jahre verlängert, und die Immobilienfonds können bis 2030 keine Häuser
       mehr aufkaufen. „Eine Erleichterung für viele“, sieht Mora darin. Doch
       genug sei das noch lange nicht. Die MieterInnengewerkschaft will
       unbefristete Mietverträge als Regelfall. Das Wahlbündnis Frente Amplio –
       Breite Front – das den bisherigen kleineren Koalitionspartner Sumar
       ersetzt, schließt sich diesen Forderungen an.
       
       ## Spaniens schwaches Mietrecht
       
       Genau dagegen läuft die Rechte Sturm. Die Partido Popular (PP) sieht die
       Lösung im Wohnungsbau. „Ich werde in meiner ersten Legislatur eine Million
       Wohnungen bauen lassen“, verspricht PP-Chef Alberto Nuñez Feijóo. „Warum
       bauen die Konservativen nicht schon jetzt?“, fragt sich Mora. Schließlich
       liege die Kompetenz der Wohnungspolitik bei den Regionen, und in 11 der
       insgesamt 17 regiert die PP – ohne etwas zu tun. „In den vergangenen Jahren
       hat die PP in Madrid Tausende öffentliche Wohnungen an Immobilienfonds
       verkauft“, kritisiert Mora.
       
       Die rechtsextreme Vox, die in vier Regionen in Koalition mit der PP
       regiert, macht die Einwanderung für die Wohnungsnot verantwortlich. Sie
       haben nur einem Vorschlag: Wer seine erste Eigentumswohnung kauft, soll von
       der Mehrwertsteuer befreit werden. MieterInnenpolitik interessiert Vox
       nicht.
       
       In Spanien ist das Mietrecht so schwach wie kaum irgendwo in Europa.
       Mietverträge sind generell befristet auf maximal sieben Jahre. „Du hast
       keinerlei Sicherheit“, weiß Mora. Wenn der Vertrag ausläuft, kann der
       Vermieter die Miete erhöhen, wie er will.
       
       Die junge Frau verdient sich ihren Lebensunterhalt in einer Caféteria im
       reichen Teil der Stadt, „dort, wo die leben, die uns zwangsräumen lassen“,
       wie Mora sagt. Gleichzeitig schreibt sie an ihrer Doktorarbeit, ihr Thema
       sei der irische Schriftsteller Samuel Beckett, erzählt sie. Der
       MieterInnengewerkschaft gehört Mora seit drei Jahren an. Sie hatte damals
       selbst Probleme mit einem Mietvertrag, „der so nicht rechtmäßig war“. Ihr
       wurde geholfen, dann begann sie selbst zu helfen.
       
       Moras Mieterinnenbiografie ist ein Beispiel für die Entwicklung auf dem
       Wohnungsmarkt. Vor drei Jahren wohnte sie in der Madrider Innenstadt, mit
       Freundinnen in einer Wohnung für 300 Euro pro Zimmer. Jetzt ist sie in eine
       der südlichen, wesentlich ärmeren Stadtteile gezogen, teilt sich dort mit
       zwei Freundinnen eine 90 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung für 470 Euro
       je Zimmer, kalt. Und das in einem Land, in dem der Mindestlohn bei 1.221
       Euro brutto im Monat liegt. Mora verdient sogar nur 800 Euro im Monat, da
       sie nur einem Teilzeitvertrag hat.
       
       „Lange war zur Miete leben gesellschaftlich als etwas angesehen, das nur
       junge Leute vorübergehend machen, oder wer gescheitert ist“, sagt Mora. Die
       Mentalität in Spanien sei geprägt von den letzten Jahren der
       Franco-Diktatur: „Aus Proletariern Eigentümer machen“, lautete damals das
       Motto. Es gab Kredite und es wurde gebaut. Während in Ländern wie
       Deutschland über die Hälfte der Bevölkerung zur Miete wohnt, sind es in
       Spanien gerade einmal 26 Prozent.
       
       Die Kaufpreise für Wohnungen sind derart gestiegen, dass mit einem normalen
       Lohn nur die Mietoption bleibt. Und das in einem Mietmarkt, der kaum
       reguliert ist. Konflikte sind damit vorgezeichnet. Es ist der
       MieterInnengewerkschaft, die 2017 entstand, zu verdanken, dass das
       mittlerweile ins öffentliche Bewusstsein gedrungen ist. Immer wieder
       verteidigen sie Menschen, die eine übermäßige Mieterhöhung nicht bezahlen
       können und deshalb vor der Zwangsräumung stehen. Im Fall Maricarmen hatte
       ein Immobilienfonds die Miete von 500 Euro auf über 2.600 Euro angehoben.
       
       Das Camp in Madrid hat mittlerweile ein Eigenleben entwickelt, auch
       unabhängig von der Gewerkschaft. Es gehe darum, den Generalstreik
       vorzubereiten. „Das rückt das Thema dann endgültig in den Mittelpunkt der
       Debatte“, ist sich Mora sicher.
       
       „Alles die Wohnungsproteste losgingen, war uns sofort klar, dass wir hier
       dabei sein müssen“, sagen Carla und Martina Montero im Protestcamp in
       Madrid. Die 23-jährige Lehramtsstudentin Carla ist die ältere der beiden
       Schwestern. Sie übernachtet immer wieder im Camp, wenn nicht, überlässt sie
       ihr Zelt Freundinnen. Martina ist nur heute dabei. Die Gymnasiastin ist
       noch nicht volljährig. „Unsere Mutter hat mich nur ausnahmsweise mit Carla
       herkommen lassen“, sagt sie etwas geknickt.
       
       Das Wohnungsproblem, da sind sich die beiden einig, ist das wichtigste
       Problem, vor dem junge Menschen in Spanien stehen. Noch leben Carla und
       Martina bei ihrer Mutter in einem Dorf 45 Busminuten nördlich der
       Hauptstadt. „Aber mein Freund lebt zur Miete“, sagt Carla. Der 25-jährige
       Gärtner verdient nur den Mindestlohn. „Eine Wohnung kann er sich damit
       nicht leisten“, berichtet Carla. Deshalb hat er nur ein Zimmer in einer
       4er-WG.
       
       Das Zusammenleben sei nicht immer einfach, berichtet die Studentin, die
       ihren Freund dort regelmäßig besucht. Eng sei es, das Bad klein, die Küche
       ebenfalls. Ein Wohnzimmer gibt es nicht. Auch das wurde als Zimmer
       vermietet. „Das Ganze kostet 575 Euro im Monat“, berichtet Carla. Das ist
       mehr als die Hälfte des Nettolohnes ihres Freundes. Als sozial verträglich
       gelten maximal 30 Prozent für die Miete.
       
       Die beiden hoffen, dass die Linke, trotz anders lautender Umfragen, doch
       noch den Wahlsieg der rechten Partido Popular und der rechtsextrem Vox
       verhindern kann. „Wir haben mit der aktuellen Regierung bisher keine
       Mietreform erreicht. Mit einer Rechtsregierung wäre das völlig
       ausgeschlossen“, sagt sie. Und alleine die Vorstellung, die
       neofranquistische Vox könne mit in der Regierung sitzen, macht den beiden
       Angst.
       
       Die Regierung Sánchez habe in acht Jahren nur wenig getan, sind sich die
       beiden einig. Und das, was die Linkskoalition tatsächlich gemacht hat,
       funktioniert nur bedingt. So sieht ein Gesetz der Linkskoalition aus dem
       Jahr 2023 vor, Stadtteile und Gemeinden, in denen die Bewohner
       durchschnittlich mehr als 30 Prozent des Familieneinkommens für Miete
       ausgeben, zu Gebieten mit „angespannter Wohnungslage“ zu erklären. Das soll
       die Mieten deckeln, so die Idee. Doch umsetzen müssen das die Regionen. Und
       dort, wo die Rechte regiert, wie etwa in der Hauptstadtregion Madrid,
       weigert sie sich. Außerdem baut Madrid kaum Sozialwohnungen, und viele von
       denen, die es gab, gingen Anfang der 2010er Jahre zu einem Spottpreis an
       Immobilienfonds.
       
       ## Endlich eine Mobilisierung
       
       Manolo Jodar und seine Frau Ana Vilches kommen, wie Tausende andere, dieser
       Tage immer wieder an die Puerta del Sol, um ihre Solidarität zu bekunden.
       Es ist mehr als die Wohnungsfrage, was die beiden Gymnasiallehrer im
       Ruhestand treibt. „Endlich gibt es eine Mobilisierung, die uns wieder auf
       die Straße bringt“, sagt Jodar. In den vorgezogenen Wahlen in Zeiten
       sozialer Massenprotesten sehen die beiden den „Versuch eines
       Befreiungsschlags“ durch Sánchez und hoffen, dass er gelingt. Die meisten
       Umfragen sehen die rechte PP gemeinsam mit der neofranquistischen Vox vorn.
       Denn die Linkskoalition steckt seit Monaten in der Krise, unter anderem
       [4][wegen Korruptionsfällen an der Spitze der Partei von Regierungschef
       Sánchez]. Viele WählerInnen der Linken hätten resigniert, meint Jodar. Ob
       jetzt die Mobilisierung der Linken den Sieg der Rechten verhindern kann?
       Jodar ist optimistisch, Vilches nicht.
       
       Die beiden leben in einer Eigentumswohnung, unweit von der Puerta del Sol
       in der Altstadt, in Lavapiés, die sie vor mehr als 30 Jahren kauften.
       Damals spielte der Immobilienmarkt noch nicht verrückt. „Dort hat der
       Tourismus alles kaputt gemacht“, sagt Jodar. Was einst so etwas wie ein
       Dorf in der Stadt war, ist mittlerweile voller Ferienwohnungen und
       Touristenkneipen. In Madrid gibt es über 16.000 Wohnungen, die an Touristen
       vermietet werden. Über 90 Prozent davon haben keine Lizenz. Dennoch
       schreitet die konservative Stadtverwaltung nicht ein.
       
       „Stadtteilleben gibt es längst nicht mehr. Viele unserer Nachbarn sind
       weggegangen, vor allem diejenigen, die zur Miete wohnten“, fügt Vilches
       hinzu. Lavapiés, einst Stadtteil bescheidener Leute, sei unerschwinglich
       geworden. Auch ihre beiden Söhne konnten nicht bleiben. „Der ‚Große‘ hat
       mit seinem Partner weit außerhalb der Innenstadt eine Wohnung gekauft“,
       sagt Jodar. Beide sind Beamte. Und dennoch falle es ihnen nicht leicht, die
       Hypothek zu bezahlen. Der „Kleine“ sei Koch in Alicante am Mittelmeer. Er
       lebe in einer Wohnung, die der Familie gehört. „Sonst käme er mit seinem
       Lohn nur schwer über die Runden“, sagt Vilches.
       
       „Ohne diese Bewegung wäre die Wahlniederlage sicher gewesen; mit ihr
       besteht zumindest eine winzige Chance“, sagt Jorge Lago. „Doch die Kraft,
       mit der sich das allgemeine Bewusstsein weltweit gewandelt hat, ist auch in
       Spanien nur schwer aufzuhalten“, befürchtet der 50-jährige
       Soziologieprofessor an der Madrider Universität Carlos III. auch in Spanien
       einen Rechtsruck.
       
       „Wir sind an einem Wendepunkt angekommen“, sagt Lago. Jahrelang sei die
       Wohnungsproblematik von der Mehrheit ausgeblendet worden. Dass die
       Wohnungen immer teurer wurden, sei lange akzeptiert worden, da dadurch
       oftmals das eigene Familienvermögen stieg. Aber irgendwann kam der Punkt,
       an dem das nicht mehr so war. „Die Folge: Der soziale Konsens, der die
       Spekulation guthieß, weil die eigene Wohnung immer mehr wert war, ist
       gebrochen“, analysiert Lago.
       
       Der Soziologe, der einst zu den Gründern der [5][linksalternativen Podemos]
       gehörte, der Partei, die aus der 15-M-Bewegung hervorging, wohnt in
       Malasaña, im Norden der Altstadt. Wie Jodar und Vilches beobachtet er in
       Lavapiés eine ähnliche Entwicklung. In dem Gebäude, in dem er eine
       Eigentumswohnung hat, sind ein Viertel aller Wohnungen Touristenwohnungen.
       In Nachbargebäuden seien es sogar die Hälfte. Mietwohnungen für
       Einheimische gebe es so gut wie keine mehr. Denn Ferienwohnungen bringen
       mindestens viermal so viel an Einnahmen.
       
       Die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt schreibt Lago einer neoliberalen
       Politik zu. „Die PP hat diese vorangetrieben, aber die PSOE hat sie, einmal
       an der Macht, nicht rückgängig gemacht“, beschwert er sich.
       
       Politisch sei die Situation nicht wie in Berlin, wo ein Referendum über die
       Vergesellschaftung von Wohnkonzern möglich sei und sogar gewonnen werde –
       [6][oder wo eine linke Kandidatin damit Wahlen gewinnt]. Aber: „Auch in
       Spanien betrifft das Thema von teurem Wohnraum immer mehr auch die
       Mittelschicht selbst“, sagt Lago. Und dass dieses Thema plötzlich im
       Mittelpunkt stehe und die Linksregierung – wenn auch im Parlament vorerst
       gescheitert – Gesetzesreformen wolle, das macht ihm angesichts der
       bevorstehenden Wahlen verhaltene Hoffnung. „Vor der Bewegung war ein Sieg
       der Linken unmöglich, jetzt nicht mehr ganz so sehr“, wiederholt Lago
       einmal mehr. Als ginge es darum, sich selbst Mut zu machen.
       
       27 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.euronews.com/2026/10/22/gewerkschaften-in-portugal-und-spanien-planen-iberischen-generalstreik
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_in_Spanien_2011/2012
 (DIR) [3] /Maricarmen-im-Krankenhaus-gestorben/!6219930
 (DIR) [4] /Veruntreuungsprozess-in-Spanien/!6215319
 (DIR) [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Podemos
 (DIR) [6] /Einigung-auf-Vergesellschaftung/!6222333
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Spanien
 (DIR) Pedro Sánchez
 (DIR) Soziale Bewegungen
 (DIR) Mietenprotest
 (DIR) Wohnraummangel
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
 (DIR) Longread
 (DIR) Reportage
 (DIR) Wohnraum
 (DIR) Wohnen
 (DIR) Mieten
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Sozialproteste
 (DIR) Sozialproteste
 (DIR) Kolumne Stadtgespräch
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Zugunglück in Spanien: Erst ein technisches Problem, dann menschliches Versagen
       
       Nach einem Computerausfall auf der Zugstrecke von Madrid nach Sevilla
       machte die Leitzentrale der Bahn fatale Fehler.
       
 (DIR) Protestaktionen in Barcelona: Rätsel um 500 dubiose Plünderer
       
       In Barcelona hat ein auffällig unpolitischer schwarzer Block massiv
       Geschäfte geplündert. Waren das Provokateure? Kleinkriminelle?
       Geheimdienstler?
       
 (DIR) Mietenkampf in Spanien: Vom Frust zum Generalstreik
       
       Nach dem Scheitern des Mietreformpakets kommt es zum Massenprotest.
       Parallel dazu gibt es Streikpläne und Spekulationen über vorgezogene
       Neuwahlen.
       
 (DIR) Mietenproteste in Spanien: Unerträgliche Wohnungssituation
       
       In Madrid protestieren die Menschen nach der Zwangsräumung einer Rentnerin
       für bezahlbaren Wohnraum. Zu hohe Mieten sehen alle als Problem.
       
 (DIR) Mieten-Kampf in Spanien: Solidarität nach Zwangsräumung von 87-Jähriger
       
       Ausgelöst durch einen besonders krassen Fall, protestieren Zehntausende
       gegen hohe Mieten in Spanien. Die Regierung steht unter Druck, Linke
       fordern Enteignungen.