# taz.de -- Proteste für bezahlbaren Wohnraum: Enteignen – jetzt!
> In Madrid sind nach der Zwangsräumung einer 87-Jährigen Zehntausende auf
> die Straße gegangen. Gegen den Mietenwahnsinn helfen nur drastische
> Maßnahmen.
(IMG) Bild: Die Spanier haben die Schnauze voll von nicht mehr bezahlbaren Wohnungen
Die lange angestaute Wut macht sich Luft. Die schockierenden Bilder der
Zwangsräumung der 87-jährigen, gehbehinderten Maricarmen brachten in
Spanien am Wochenende Zehntausende auf die Straßen Madrids, um einem
Problem die Stirn zu bieten, das längst das Problem schlechthin des
Jahrhunderts ist. Die Protestierenden klagen über [1][unbezahlbare Mieten
und astronomische Kaufpreise für Wohnungen]. Sie wettern gegen Spekulation
und den Tourismus, der mit seinen Ferienwohnungen die angestammte
Bevölkerung aus den Städten verdrängt.
Kein soziales Problem ist so dringend wie das der nicht mehr bezahlbaren
Wohnungen. Mietendeckel sind eine Teillösung, zumindest [2][dort, wo sie
angewandt werden]. Doch die konservativ beziehungsweise
konservativ/faschistisch regierten Regionen Spaniens machen das nicht. In
Spanien sind die Regionen für Wohnungspolitik zuständig.
Sie können damit den Markt schützen, wie sie es nennen, anstatt die Mieter.
Und so mancher rechte Politiker ist ganz direkt in das Geschäft mit der
Wohnraumspekulation verstrickt. So ist etwa der Sohn des einstigen
konservativen Regierungschefs José María Aznar in diesem Gewerbe tätig.
Seine Frau Ana Botella verkaufte in ihrer Zeit als Bürgermeisterin von
Madrid 1.800 kommunale Wohnungen an Fonds.
Um das Wohnungsproblem dauerhaft in den Griff zu bekommen, braucht es
deshalb mutige Maßnahmen, die von den rechts regierten Regionen – wie etwa
Madrid, wo das Wohnungsproblem am stärksten ist – nicht boykottiert werden
können. Die Mieterinnengewerkschaft und mit ihr die Zehntausenden Menschen,
die am Wochenende auf die Straße gingen, fordern deshalb härtere,
entschlossenere Maßnahmen.
Die Reptilienfonds oder Immobiliengesellschaften, wie die Spekulanten sich
lieber nennen lassen, müssen aus dem Markt verdrängt werden. Und dort, wo
sie so stark sind, dass sie die Preise bestimmen können, ist Enteignung die
richtige Antwort. Die enteigneten Wohnungen könnten als Grundstock oder als
Erweiterung für einen kommunalen Wohnungsmarkt dienen. Das gilt nicht nur
für Madrid, sondern [3][auch für andere europäische Großstädte].
28 Sep 2026
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(DIR) Reiner Wandler
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