# taz.de -- Konsequenzen für Koçak: Noch kein Schlussstrich
> Ferat Koçak räumt Fehler im Umgang mit den Remmos ein. Nicht alle sind
> glücklich darüber, dass die Parteiführung über seinen Fall schweigt.
(IMG) Bild: Ferat Koçak (Die Linke) im Bundestag 2025
Reden über Ferat Koçak? Wollen heute in der Linkspartei öffentlich nur
wenige. [1][Dabei hatte der Abgeordnete aus Berlin-Neukölln in einem
Artikel der Zeit vom Mittwoch selbst schon viel erzählt.] Dort legte er
seine Chats mit einem Mitglied der Familie Remmo offen. Mit dem Artikel
will er für Transparenz sorgen und gesteht Fehler ein. Am selben Abend gibt
Koçak auf X bekannt, dass er seinen Sitz im Innenausschuss abgibt. Seinen
Posten als Sprecher für Antifaschismus und Antirassismus behält er jedoch.
Die Debatte um Koçak spitzte sich seit dem Wahlabend zum Berliner
Abgeordnetenhaus zu. Dort tauchte Issa Remmo uneingeladen auf der Wahlparty
der Neuköllner Linken auf. [2][Er ist der Anführer der Remmo-Familie],
deren Mitglieder wegen diverser Verbrechen in Zusammenhang mit
organisierter Kriminalität vor Gericht standen. Zwar schickten die Linke
Remmo wieder von der Party, daraufhin veröffentlichte jedoch dessen Sohn,
Firas Remmo, Chats zwischen ihm und Koçak. Dort schreibt Koçak „Grüße mit
Respekt zurück an deinen Vater“. Daraufhin hatte Koçak schon kurz nach der
Wahl angekündigt, seine Parlamentsfunktionen vorerst ruhen zu lassen.
## Koçak bleibt Sprecher für Antifaschismus und Antirassismus
Während Koçak mittlerweile seinen Sitz im Innenausschuss aufgibt, behält er
den Posten als Sprecher für Antifaschismus und Antirassismus. Das teilten
die Fraktionsvorsitzenden Sören Pellmann und Heidi Reichinnek auf Anfrage
der taz mit. Die Begründung: „Die Sprecherposten sind unabhängig vom Sitz
im Ausschuss. Ferat Koçak leistet seit vielen Jahren eine wichtige Arbeit
im Bereich Antifaschismus und Antirassismus und wird diese in unserer
Fraktion fortführen.“
Bezogen auf den Artikel in der Zeit teilten Pellmann und Reichinnek weiter
mit: „Ferat Koçak hat seinen Fall einem unabhängigen Journalisten
offengelegt und wie angekündigt für Transparenz gesorgt“. Dabei sei
deutlich geworden, „es gibt, wie von Anfang an von ihm versichert, keine
Verbindung zu organisierter Kriminalität“. Dass er seinen Sitz im
Innenausschuss abgibt, sei ein notwendiger Schritt, „damit die
Linksfraktion ihre Arbeit dort unbelastet von dieser Debatte weiterführen
kann“.
Koçak ist der erste direkt gewählte Kandidat der Linken außerhalb des
Gebietes der ehemaligen DDR. Er gewann bei der Bundestagswahl 2025 das
Direktmandat in Wahlkreis Neukölln. Auf X teilte er mit: „Ich habe einen
Fehler gemacht. Im Umgang mit meinem Kontakt zur Familie Remmo bin ich
meinem Selbstverständnis nicht gerecht geworden. Ich war in der konkreten
Situation naiv und mit der Situation überfordert. Dafür übernehme ich
Verantwortung.“
Der Zeit sagt Koçak, er schwöre, dass er Firas Remmo zu dem Zeitpunkt nicht
kannte und keinen Kontakt mehr zu ihm habe. Ob Koçak vorher Nachrichten
gelöscht hat, das lässt sich nicht überprüfen. Kritisiert wird er zudem
nicht nur aufgrund seiner Kontakte zu der Familie Remmo, sondern auch, weil
er ein Foto mit [3][Ibrahim Ibrahim] postete. Der wirbt für die linke
Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Den
getöteten Hamas-Chef Jahia Sinwar nannte er einen „Märtyerhelden“ und zolle
ihm seine „Hochachtung“.
## Schweigen bei den meisten
Seinen Rücktritt aus dem Ausschuss hatte die Woche davor bereits Teile der
Linkspartei gefordert. Darunter die Thüringer Linken-Abgeordnete Katharina
König-Preuss. In einem Video forderte sie, Koçak müsse sein Mandat
niederlegen, er vertrete keinen glaubwürdigen Antifaschismus – und lasse
die Facharbeit schleifen. Obwohl dieser jetzt seinen Sitz aufgegeben hat,
will König-Preuss nicht über Koçak öffentlich reden. Der Grund: Sie sei
genervt, „dass niemand anderes von der Bundestagsfraktion oder der Partei
nach vorne geht und etwas sagt“.
Das könnte auch an einer Nachricht liegen, über die die Welt berichtet. Die
Parteivorsitzenden Ines Schwertner und Luigi Pantisano bitten dort die
Partei, „nicht öffentlich alles weiter hochzukochen, die Situation ist
gerade schwer genug, insbesondere für Berlin. Bitte haltet euch also
zurück, bis er sich selbst äußert.“
Im Fall Koçak muss die Linke jetzt wohl auch beweisen, dass sie auf die
Vorwürfe von Antisemitismus und Kontakte in die organisierte Kriminalität
ernst nimmt, damit sie in Berlin eine Regierung bilden kann. Nach dem
Wahlsieg der Linken in Berlin hat die Partei am Freitag für
Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD gestimmt. Doch das Bündnis hat
viele Kritiker – und auch bei den möglichen Koalitionären gibt es
Uneinigkeiten. Die erste offizielle Gesprächsrunde zwischen Linke, SPD und
Grünen sollte am heutigen Donnerstag stattfinden.
1 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.zeit.de/2026/42/ferat-kocak-firas-rammo-chat-linke-bundestag
(DIR) [2] /Debatte-nach-Wahlsieg/!6211074
(DIR) [3] /Linkspartei-in-Berlin/!6214961
## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
## TAGS
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