# taz.de -- Wegen Clan-Kontakten: Linken-Abgeordneter Koçak lässt Funktionen vorerst ruhen
> Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak sorgt mit einem Chat mit einem
> Mitglied der Familie Remmo für Wirbel. Auch Partei und Fraktion äußern
> sich kritisch.
(IMG) Bild: Unter Druck: Ferat Koçak
afp/dpa/epd | Nach seinem Chatkontakt mit einem Mitglied der Berliner
Großfamilie Remmo zieht sich der Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak
zunächst aus der Öffentlichkeit und aus dem Innenausschuss des Bundestags
zurück. Dies kündigte Linken-Co-Fraktionschef Sören Pellmann in Berlin an.
Es gehe darum, vollumfängliche Transparenz herzustellen, sagte Pellmann. So
lange werde Koçak zunächst nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten und
auch nicht mehr an Sitzungen des Innenausschusses teilnehmen, dessen
Mitglied der Abgeordnete ist. „Wir glauben den Aussagen von Ferat Koçak,
bis anderes gegebenenfalls zutage kommt“, sagte Pellmann. Ob und welche
Konsequenzen das Ganze haben wird, möchte die Linke „im Nachgang
miteinander solidarisch besprechen“, so Pellmann.
Koçak selbst hatte seinen Chatkontakt mit einem bekannten Mitglied der
Familie Remmo als Fehler bezeichnet und um Entschuldigung gebeten. Bei
seinem Gesprächspartner handelte es sich um einen Sohn von Issa Remmo,
einem führenden Clan-Mitglied. Auf der Plattform X schrieb Koçak am
Montagabend, dass ihm zunächst nicht bekannt gewesen sei, wer der Mann sei.
Remmo hatte einen Screenshot der Unterhaltung bei Instagram hochgeladen.
Die arabischstämmige Remmo-Großfamilie kam in den 80er Jahren aus dem
Libanon nach Berlin. Zu der Familie mit inzwischen mehreren Generationen
sollen einige Hundert Menschen gehören. Einen Teil von ihnen ordnet die
Polizei dem kriminellen Clanmilieu zu.
Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von
Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer
Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Auch
die Partei Die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.
## Linke: Kontakt von Abgeordnetem zu Remmo schadet der Partei
[1][Die Bundesspitze der Linken] äußert sich kritisch zu Kontakten des
Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak zur Berliner Großfamilie Remmo. „Wir
haben als Partei einen hohen Anspruch an unsere Abgeordneten“, erklärte
Bundesgeschäftsführer Janis Ehling auf Anfrage der Deutschen
Presse-Agentur. „Schon der bloße Anschein von Verbindungen wie in diesem
Fall schadet dem Ansehen unserer Partei. Unser Abgeordneter Ferat Koçak
zieht deshalb richtigerweise Konsequenzen. Ich gehe davon aus, dass er
volle Transparenz herstellen und alles tun wird, um diesen Verdacht
auszuräumen.“
Die frühere langjährige Linke-Bundestagsabgeordnete und Vizepräsidentin des
Bundestags, Petra Pau, ging deutlich auf Distanz zu Koçak. „Mir reicht es
langsam. Als MdB hast Du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an
Naivität glauben“, hielt sie Koçak auf der Plattform X vor. „Was heißt es
eigentlich, Dir jetzt Zeit zu nehmen? Übernehme endlich mal Verantwortung“,
forderte Pau, die von 1998 bis 2025 Mitglied im Bundestag war.
Die Linke distanzierte sich von dem Remmo-Besuch am Wahlabend und erklärte,
der Clanchef sei nicht eingeladen gewesen und wieder hinausgeschickt
worden. „Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun, die
bekämpfen wir“, sagte [2][Linken-Spitzenkandidatin Eralp] noch am
Sonntagabend.
## Berliner Linke im Kreuzfeuer der Kritik
Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Hoffmann warf der Linken
vor, „Kontakte in die kriminellsten Kreise unseres Landes“ zu pflegen. „Sie
muss Fragen beantworten.“ Der CDU-Innenexperte Alexander Throm forderte
Koçak zum sofortigen Rückzug aus dem Bundestagsinnenausschuss auf. „Wer
Clanchefs mit Respekt grüßen lässt, darf keinen Zugang zu sensiblen
Informationen der Sicherheitsbehörden haben“, sagte der CDU-Politiker der
Augsburger Allgemeinen.
[3][Die Grünen] forderten die Linkspartei auf, den Bundestagsabgeordneten
Koçak aus ihrer Fraktion auszuschließen. Koçak falle immer wieder auf „mit
einer Nähe zu Personen, die Terror verherrlichen, die den Staat Israel
infrage stellen, die mit antisemitischen Vorfällen auffallen“, sagte
Ko-Fraktionschefin Katharina Dröge in Berlin. Sie frage daher
Linken-Ko-Fraktionschefin Heidi Reichinnek „ganz persönlich: Kann so jemand
Teil der Bundestagsfraktion der Linken sein?“ Dröge attestierte der Linken
im Berliner Bezirk Neukölln „ein massives Problem mit dem Thema
Antisemitismus“. Die Grünen gingen nun „mit Haltelinien“ in die
Koalitionsgespräche. Dazu gehöre „Klarheit im Kampf gegen Antisemitismus“.
SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese forderte von Koçak in den
Zeitungen der Funke Mediengruppe „klare Konsequenzen“. Eine Entschuldigung
reiche nicht aus, „zumal sie mehr als unglaubwürdig wirkt“.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) wandte sich entschieden gegen
eine Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin. In Berlin müsse verhindert
werden, dass eine linke Bürgermeisterin die Stadt mit einer Partei regiere,
„die ein wirklich großes Antisemitismusproblem hat“, sagte Prien den
Sendern RTL und ntv. Mit „solchen Leuten kann man keinen Staat machen“. Das
Thema sei auch für Jüdinnen und Juden in Berlin entscheidend: „Auch dafür,
ob sie in dieser Stadt gerne weiterleben wollen und können.“
Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel warnte seine Partei und die Grünen in
Berlin vor einem Regierungsbündnis mit der Linkspartei. „Ich würde mit
keiner antisemitischen Partei koalieren“, sagte Gabriel in der ZDF-Sendung
„Maybrit Illner Spezial“. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) verwies
in der ZDF-Sendung darauf, dass neben einer Regierung aus Linkspartei,
Grünen und SPD auch ein Bündnis von CDU, Grünen und SPD möglich wäre.
Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, warf der Linkspartei
„völlig enthemmten Antisemitismus“ vor. Die Partei müsse daher „einen
konkreten Plan vorlegen, wie sie den Israel- und Judenhass in den eigenen
Reihen stoppt und bis in die Wurzel bekämpft“. Die Deutsch-Israelische
Gesellschaft Berlin und Brandenburg warnte vor einer Koalition mit der
Linken in der Hauptstadt. Aus Sicht von Jüdinnen und Juden und jedem, der
die historische Verantwortung der Stadt ernst nehme, dürfe die Linke nicht
an die Macht kommen, erklärte die DIG-Landesvorsitzende Cerstin
Richter-Kotowski am Dienstag. „Die Juden in Berlin haben nach diesem
Sonntag wieder richtig Angst“, sagte sie. Die DIG-Vorsitzende und Berliner
Staatssekretärin für Kultur ist selbst CDU-Mitglied.
22 Sep 2026
## LINKS
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