# taz.de -- Weimer kolonisiert Kolonialgedenken: Wie er’s macht, macht er’s falsch
> Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verfügt: Die nationale
> Kolonialismus-Gedenkstätte wird in Bremen eingerichtet.
(IMG) Bild: Weimer, Weimer, was machst du nur?
Bremen also soll der zentrale Gedenkort für die Verbrechen des deutschen
Kolonialismus werden. Am Montag, eher beiläufig im Rahmen einer
Kulturausschusssitzung, hat der parteilose Kulturstaatsminister [1][Wolfram
Weimer] das verkündet: Rücksprache mit Opfernachfahren,
zivilgesellschaftlichen Dekolonisierungs-Akteur*innen, mit den
Geschichtsvereinen und Erinnerungs-Inis – hat er für seine Entscheidung
offenbar keine gehalten.
Selbst in Bremen ist man von dem Entschluss kalt erwischt worden. Und
obwohl der Wunsch, ein solches Zentrum dort zu errichten, sich schon lange
in links-grün-roten Koalitionsverträgen und noch länger in grünen
Wahlprogrammen findet, bricht dort niemand in Jubel aus.
## „Nicht ohne die Community“
„Man kann so eine Entscheidung nicht ohne die Community fällen“, sagt Ralph
Saxe, stellvertretender Bürgerschaftspräsident und nicht nur in Bremen seit
Jahrzehnten eine der treibenden Kräfte für eine gesellschaftliche
Aufarbeitung der Kolonialismusverbrechen. Erst im August – zum
[2][Jahrestag des Völkermords an Herero und Nama] – hatte seine Fraktion
die Forderung einer nationalen Gedenkstätte und eines
Dokumentationszentrums dafür in Bremen und Bremerhaven bekräftigt: Autor
des Positionspapiers war Saxe.
Aber der jetzige Beschluss von oben herab sei wahrlich „kein Grund zu
jubeln“, sagt er. Dabei spreche viel fürs Land Bremen als Standort: „Das
Migrationsmuseum in Bremerhaven betreibt Forschung zu diesem Thema.“ Zudem
war dort die Hunnenrede gehalten worden – damit brachte der Kaiser
ostasiatische Raubzüge in Gang. In Bremen selbst wiederum ist die
Kolossalstatue eines Elefanten in Backstein, 1932 von der revanchistischen
rechtsextremen Deutschen Kolonialgesellschaft nahe des Hauptbahnhofs
errichtet, seit Anfang des Jahrhunderts zum wahrnehmbaren
[3][Anti-Kolonial-Denkmal] umgewidmet worden.
In ihrem Inneren, einer Krypta, finden Veranstaltungen, Konzerte, Vorträge,
manchmal Ausstellungen statt. Zudem wurde vor ihr 2009 vom damaligen
namibischen Präsidenten Nangolo Mbumba das einzige Mahnmal eingeweiht, das
auf deutschem Boden an den Völkermord an Nama und Herero erinnert. Dort
begehen afrodiasporische und kolonialismuskritische Initiativen zusammen
mit Senat, Universität und Bildungseinrichtungen jedes Jahr
Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag der Schlacht am Waterberg.
## Betrügerisch Land erworben
Auch „hat die Sache nun mal bei uns angefangen“, so Saxe. Der Bremer
Kaufmann Adolf Lüderitz hatte zusammen mit Heinrich Vogelsang 1883
betrügerisch das Land im Südwesten Afrikas an sich gebracht, das später
dann vom Reich als Schutzgebiet deklariert, als „Deutsch-Südwestafrika“
bezeichnet und mit brutalen Methoden „kolonisiert“ wurde. „Es spricht aber
auch sehr viel für Berlin.“
Dort hat die sogenannte Kongo-Konferenz 1884/85 den Kontinent Afrika unter
den europäischen Mächten aufgeteilt. Verbrechen wie der Maji-Maji-Krieg
wurden von dort aus geplant und gesteuert; als Staatsverbrechen des
Kaiserreichs.
Es sei „notwendig und überfällig, dass endlich ein nationaler Gedenk- und
Erinnerungsort entsteht“, betont Saxe. Wichtig sei also, dass die
erinnerungspolitischen Akteur*innen sich nicht auseinanderdividieren
lasse. Weimers Entschluss, so viel lässt sich anhand der Reaktionen aus
Berlin schon jetzt sagen, bewirkt das genaue Gegenteil. Nicht
auszuschließen, dass genau darin das Hauptziel der erratischen Entscheidung
liegt.
29 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Benno Schirrmeister
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