# taz.de -- Streit nach der Berlin-Wahl: Alle schauen wieder auf diese Stadt
> Berlin hat gewählt und der Wahlsieg der Linken in der Hauptstadt sorgt
> auch im fernen Bayern für Aufregung. Und nicht nur dort.
(IMG) Bild: Berlin, bedeutend. Mit dem Fernsehturm vielleicht sogar so was wie der Nabel der Welt
Die Drohung aus Bayern kam bajuwarisch breitbeinig. Sollte Berlin nach der
Wahl vom vergangenen Sonntag tatsächlich von der Linkspartei regiert
werden, so posaunte es Markus Söder [1][bei der CSU-Fraktionsklausur in
Kloster Banz heraus], dann werde man den Länderfinanzausgleich noch einmal
auf den Prüfstand stellen: „Uns nervt es langsam ohne Ende, dass wir für
die Schwäche anderer und für falsche Politik am Ende bezahlen sollen.“
Nicht einmal Verträge sind für den Söder Markus also mehr heilig. Denn auch
der kürzlich unterzeichnete Hauptstadtfinanzierungsvertrag könne in diesem
Fall noch einmal aufgedröselt werden, so Söder. Pacta sunt servanda? Nicht,
[2][wenn in Berlin eine Linke namens Elif Eralp regiert!] Ganz schwere
Geschütze fahren da die Bayern auf. Und sind nicht die einzigen. „Markus
Söder hat Recht“, assistierte der hessische Ministerpräsident Boris Rhein
(CDU). „Kein Steuergeld für Antisemiten und Linksextremisten.“
Da fragen sich die geneigte Berlinerin und der ebenso geneigte Berliner
natürlich, was die beiden Hilfspolizisten im Namen der „richtigen“ Politik
sonst noch aus ihrer Westentasche zaubern. Steht demnächst die
Bundespolizei vor dem Roten Rathaus in Berlin und kontrolliert den Eingang?
Den jetzt bisher geschriebenen Zeilen dieses Textes hier wohnt natürlich
eine gewisse Ratlosigkeit inne. Denn außerhalb Berlins wird die Forderung,
einem linksregierten Berlin den Geldhahn zuzudrehen, rege Zustimmung
finden. Aus dem Sehnsuchtsort, in den es einmal alle zog, die den Mief der
Provinz hinter sich lassen wollten, aus diesem must have großstädtischen
Lebensgefühls, ist schon längst das Drecksloch geworden, in dessen
händereibender Abneigung sich die Republik kollektiv verbrüdert und
verschwestert. Zu babylonisch. Zu versifft. Zu failed.
Und ohne Geld vom Bund, reiben sie sich die Hände wund, fehlt nicht viel,
und irgendwer kann Berlin endlich den Gnadenschuss geben. Dabei ist vieles
an dem, worüber über Berlin die Nase gerümpft wird, nicht einmal falsch.
Die Müllberge häufen sich, an manchen Ecken lässt sich die Evidenz der
Broken-Windows-Theorie im Minutentakt nachweisen. Und wenn die Dreckecken
weggeräumt werden, entstehen sie an anderer Stelle neu. Pfui!
## Auch verdammt teuer
Aber Berlin ist eben nicht nur dreckig, es ist auch verdammt teuer. Auch
deshalb hat die Linke, die „Berlin bezahlbar machen“ will, die Wahl
gewonnen. Gibt es Mieten, die durch die Decke gehen, nicht auch in München?
Oder sogar in Wiesbaden? Warum also kein Mietendeckel auch dort? Die
Bundesregierung müsste die Länder dazu nur mit einer Öffnungsklausel
ermächtigen.
Bislang davon? Nix da. Was sind schon in einem Flächenland die Probleme der
Städte. Und wenn es hart auf hart kommt, dreht der bayerische Breitbeiner
womöglich der eigenen Landeshauptstadt den Geldhahn zu, weil die jetzt grün
regiert wird. Zuzutrauen wäre es ihm.
Bei allem Scherzen, zu dem das Thema einlädt: Den Gestus der Provinz, mit
dem der Bayer und der Hesse den konservativen Großstadthass vortragen, hat
eine Vorgeschichte. Es ist die Großstadtkritik der Weimarer Republik.
Sauberes Land gegen dreckigen Moloch. Wohin das führt? Gerade läuft [3][im
Fernsehen wieder „Babylon Berlin“].
Ziemlich ernst ist die Angelegenheit auch, weil die Drohungen gegen ein
linkes Berlin stärker ausfallen als gegen ein womöglich AfD-geführtes
Sachsen-Anhalt.
Also erst einmal Klappe halten da unten im Süden. Denn wir im Norden können
auch anders. Wenn ihr uns kein Geld mehr schickt, nutzen wir die Windkraft
halt für uns und stellen euch den Strom ab.
26 Sep 2026
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## AUTOREN
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