# taz.de -- Abstimmung im spanischen Parlament: Sánchez scheitert mit Paket gegen Wohnungskrise
> Das spanische Parlament hat Gesetze, die den Wohnungsmarkt neu regeln
> sollten, abgelehnt. Regierungschef Sánchez gerät zunehmend unter Druck.
(IMG) Bild: Ernüchterung bei Ministerpräsident Pedro Sánchez heute im Parlament nach der Abstimmungsniederlage
Das spanische Parlament hat am Freitagmittag zwei Dekrete, die [1][den
Wohnungsmarkt neu regeln] sollten, in einer namentlichen Abstimmung
abgelehnt. Im letzten Augenblick hatte die katalanische
Unabhängigkeitspartei Junts des ehemaligen katalanischen Präsidenten Carles
Puigdemont beschlossen, mit Nein zu stimmen. Die Linkskoalition unter dem
Sozialisten Pedro Sánchez hatte damit keine Mehrheit. Zusammen mit der
rechten Partido Popular (PP) und der rechtsextremen Vox brachte Junts das
Gesetzesvorhaben damit zu Fall. Während der Parlamentsdebatte hatte sich
Tausende Protestierende vor dem Parlamentsgebäude in Madrid und vor der
Parteizentrale von Junts in Barcelona versammelt.
Das erste Dekret sollte den [2][Schutz vor Zwangsräumungen] bis 2030 für
sozial benachteiligte und besonders verletzliche Personen ausweiten. Ohne
Wohnalternative dürfen sie nicht herausgesetzt werden. Außerdem sollten die
Mieter eine zweijährige Verlängerung ihres Mietvertrags beantragen können,
sofern dieser vor dem 31. Dezember 2028 ausläuft, und die Mieten sollten
eingefroren werden.
Ein zweites geht darüber hinaus. Dort wurde erstmals ein unbefristeter
Mietvertrag eingeführt, es sei denn, der Eigentümer benötigt die Wohnung
für sich oder Angehörige. Die Maßnahmen wurden in zwei Gesetze aufgeteilt,
in der Hoffnung, dass zumindest das erste Gesetz – mit Sofortmaßnahmen – im
Parlament Bestand habe. Junts ließ sich, anders als konservative Basken und
Kanaren, darauf nicht ein. Diese stimmte für das erste und gegen das
zweite.
## Über 1.200 Zelte bei Protestcamp in Madrid
Die Regierung hatte die Gesetze in aller Eile ausgearbeitet, nachdem die
Zwangsräumung der 87-jährigen gehbehinderten Rentnerin Maricarmen in Madrid
Massenproteste ausgelöst hatte. In Madrid besetzen Hunderte Menschen seit
einer Woche den zentralen Platz Puerta del Sol. Sie übernachten in über
1.200 Zelten. Auch in anderen Städten, wie Bilbao, Barcelona oder Málaga
wurden Protestcamps errichtet.
Die Enttäuschung in den Camps war groß. Für Samstag wurden neue
Demonstrationen angekündigt. Bereits am vergangenen Wochenende gingen in
ganz Spanien Zehntausende auf die Straße. [3][Die hohen Mieten und die
Kaufpreise für Wohnungen sind das größte soziale Problem in Spanien].
Jährlich werden um die 25.000 Zwangsräumungen durchgeführt.
Die Verteidiger der Dekrete sprachen immer wieder von „sozialer Notlage“
und von „sozialer Dringlichkeit“. Wohnungsbauministerin Isabel Rodríguez
forderte die Abgeordneten von Junts eindringlich auf, ihre Haltung zu
ändern. „Wir haben 90 Prozent ihrer Vorschläge übernommen. Stimmen Sie
dafür oder enthalten Sie sich“, appellierte sie an die sieben Abgeordneten.
Vergebens. Für die Regierung kam die Ankündigung des Junts-Vorstandes am
späten Donnerstagabend, mit Nein zu stimmen, überraschend, hatte sie doch
die ganze Woche über mit den Katalanen verhandelt. Wer die Dekrete ablehne,
stelle sich auf die Seite der „Geierfonds“. So werden in Spanien die Fonds
genannt, die mit Immobilien spekulieren.
In einer Umfrage der Tageszeitung El País und des Radiosenders Cadena Ser
sprachen sich 68 Prozent der Spanier für eine Deckelung der Mieten aus, um
Wohnraum erschwinglicher zu machen. Selbst bei der PP und bei Vox sind es
über 50 Prozent, die eine solche Maßnahme unterstützen. Junts rechtfertigt
sich damit, „kleine Wohnungseigentümer“ schützen zu wollen. Die PP verlangt
den „Bau von mehr Wohnungen, statt Eingriffe in den Markt“. Und die
rechtsextreme Vox sieht die Ursache der Wohnungsnot in der massiven
Zuwanderung.
Die Abstimmungsniederlage könnte weitreichende Folgen haben. Bereits im
Vorfeld der Plenarsitzung tauchte das Gerücht auf, Sánchez könnte die
kommenden Parlamentswahlen vom kommenden Frühsommer auf Ende November
vorziehen.
2 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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