# taz.de -- Wohnungskrise in Barcelona: Hunde erlaubt, Kinder nicht
> Migrantische Mütter wie Luisa Plazas bekommen in Barcelona kaum noch
> bezahlbare Wohnungen. Tourismus ist für Vermieter lukrativer.
(IMG) Bild: Geld oder Leben: In Sitges bei Barcelona demonstrieren Hunderte gegen die Immobilienspekulation der Großbank La Caixa, 2023
Vor einem Hauseingang in L’Hospitalet de Llobregat am Stradtrand von
Barcelona stapeln sich ein paar wenige Kartons. Menschen tragen Kleidung,
einen kleinen Backofen und andere Habseligkeiten aus einer
Erdgeschosswohnung und laden die Sachen in einen Transporter. Eine
schwangere Frau telefoniert. Mit einer Hand hält sie Dokumentenmappen und
ein Notizbuch fest. Immer wieder klemmt sie das Handy zwischen Ohr und
Schulter und wischt sich Tränen aus den Augen. In vier Wochen soll ihr Baby
zur Welt kommen.
An diesem Morgen müssen sie, ihre Tochter und zwei weitere
Bewohner*innen die Wohnung räumen. Sie können die Miete nicht mehr
zahlen. Lorena, die ihren Nachnamen nicht veröffentlicht sehen will, sagt,
sie habe nach einem Streit mit ihrem Chef ihre Arbeit verloren.
Ein paar Leute haben sich vor dem Haus versammelt, einige tragen grüne
T-Shirts mit einem aufgedruckten Stoppschild und dem Slogan: „Stop
Desahucios“ – „Zwangsräumungen stoppen“. Es sind Aktivist*innen der
PAH, der Plattform für von Hypotheken Betroffene. Die selbstorganisierte
Bürger*innenbewegung entstand 2009 während der spanischen Finanz- und
Immobilienkrise. Damals kämpfte sie vor allem gegen Zwangsräumungen nach
geplatzten Hypotheken. Seither will sie Tausende Zwangsräumungen verhindert
haben.
Wohnen verkomme zunehmend zum Anlageobjekt, sagt die PAH und richtet ihre
Kritik damit vor allem gegen Banken, Investmentfonds und große
Immobilieneigentümer*innen. 2024 folgten Aktivist*innen aus 23 Ländern
ihrer Einladung nach Barcelona, um über steigende Mieten, Verdrängung und
den Einfluss von Investmentfonds auf den Wohnungsmarkt zu diskutieren. Aus
der Initiative gegen Zwangsräumungen wurde eine der bekanntesten
Wohnungsbewegungen Europas.
## Nur noch Platz für Investoren
Seit 2014 sind die Mieten in Barcelona um 68 Prozent gestiegen. Selbst
Menschen mit gutem Einkommen haben Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden.
Im dicht besiedelten Stadtgebiet fehlt es an Raum.
Plötzlich hält ein Taxi vor dem Gebäude in L’Hospitalet de Llobregat. Eine
Frau und ein Mann steigen aus. Die Frau ist die juristische Vertreterin der
Wohnungseigentümer*innen, der Mann ein Richter, der an diesem Morgen die
Räumung begleitet. Sie reden mit den Menschen, die die Wohnung räumen
sollen, und mit Sprecher*innen der PAH. Schließlich reicht der Richter
einer Bewohnerin einen Kugelschreiber und ein Dokument. Sie lächelt kurz
und unterschreibt.
Damit ist klar: Sechs weitere Wochen dürfen die Anwohner*innen bleiben.
Für die Mitglieder der PAH ist das ein Erfolg. Sie applaudieren, einige
recken die Fäuste in die Höhe und rufen: „Sí se puede!“ – „Ja, es geht!“.
Gelöst ist das Problem der Bewohner*innen allerdings nicht, sie haben
lediglich Zeit gewonnen. Bald wird wieder dieselbe Frage im Raum stehen:
Wohin jetzt?
Ende 2025 kamen in der Provinz Barcelona innerhalb der ersten zehn Tage
nach Veröffentlichung auf ein Mietangebot durchschnittlich 462
Interessent*innen – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen
des Observatorio del Alquiler, eines Forschungsinstituts, das den
spanischen Mietmarkt analysiert.
Oft wird die Miete stärker von der Lage als von der reinen Wohnungsgröße
oder Zimmerzahl bestimmt. Für eine kleine Wohnung, häufig mit nur einem
Zimmer, werden mindestens zwischen 1.000 und 1.300 Euro Kaltmiete fällig.
Mehr als 10.000 legale Touristenwohnungen, angeboten über Plattformen wie
Airbnb, verschärfen das Problem. Immerhin: Die Stadt will deren Lizenzen
[1][aufgrund der Wohnungskrise bis 2028 auslaufen lassen].
## Raus aus dem Touri-Paradies
Steht María Álvarez Monsonis auf ihrem Balkon, sieht sie Palmen und das
Meer. „Wir wohnen im Viertel Barceloneta, dort, wo viele am liebsten leben
würden, und trotzdem möchte ich einfach weg“, sagt die 55-Jährige. Seit 14
Jahren teilt sie sich mit ihrer jetzt 15-jährigen Tochter ein Zimmer und
ein Bett in der Wohnung ihrer Mutter. Sie ist hell, etwa 90 Quadratmeter
groß und längst abbezahlt. Doch dort bestimmt die Mutter die Regeln und
auch ihr Bruder ist nie aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen.
Mit Anfang 20 lernte María Álvarez Antonio kennen. Sie zogen zusammen,
heirateten, bekamen ihre Tochter. Nach der Finanzkrise zu Beginn der
2010er-Jahre geriet ihre gemeinsame Firma in Schwierigkeiten. Um Kosten zu
sparen, beschlossen sie, in die Wohnung von Álvarez’ Mutter zu ziehen. Etwa
vier Jahre wohnte das Ehepaar mit Tochter in einem Zimmer. „Am Ende haben
wir die Firma verloren und dann auch unsere Ehe“, fasst sie die Zeit
zusammen.
María Álvarez arbeitet in der Verwaltung der Stadt Barcelona und verdient
etwa 1.200 Euro netto. Nach Feierabend gibt sie Nachhilfe, um sich etwas
dazuzuverdienen. Zwei Jahre lang suchte sie in Barcelona und Umgebung nach
einer Wohnung für sich und ihre Tochter. Tag für Tag klickte sie sich durch
Wohnungsportale, telefonierte mit Makler*innen und versuchte,
Besichtigungstermine zu bekommen. Vergeblich. Vor einem Monat gab sie auf.
Immer wieder hätten Vermieter*innen das Interesse verloren, wenn
Álvarez von ihrer Tochter sprach. Einige Makler*innen hätten ihr sogar
direkt gesagt: Keine minderjährigen Kinder. Dahinter steht oft die Sorge,
Mieter*innen mit minderjährigen Kindern könnten im Konfliktfall als
besonders schutzbedürftig gelten und Wohnungen deshalb schwerer wieder
geräumt werden.
## Lukrative Kulisse gegen Recht auf Wohnen
Daniel Pardo Rivacoba ist Sprecher der Assemblea de Barris pel Decreixement
Turístic, eines Bündnisses tourismuskritischer Nachbarschaftsinitiativen.
Bilder von Demonstrierenden, die mit Wasserpistolen auf Tourist*innen in
Straßencafés spritzten, gingen um die Welt, machten Barcelona zu einem der
sichtbarsten Schauplätze der europäischen Debatte über Tourismus und
Wohnraum. Doch was bleibt davon?
Für Pardo greift die Frage zu kurz. Die Proteste seien nur der sichtbarste
Teil jahrelanger Arbeit. Barcelona sei kein Einzelfall. Von Lissabon über
Amsterdam bis Berlin werde darüber gestritten, wem die Stadt gehört, wenn
Wohnungen knapper und Innenstädte zunehmend zur touristischen Kulisse
werden.„Wir machen nicht die Touristen dafür verantwortlich“, stellt Pardo
klar. Das eigentliche Problem sei ein Wirtschaftsmodell, das Barcelona
immer stärker vom Tourismus abhängig gemacht habe.
2025 kamen 26 Millionen Besucher*innen nach Barcelona. Bereits 2023
erwirtschaftete der Tourismus nach einer Studie des Forschungsinstituts
Metròpoli 13 Milliarden Euro – etwa ein Achtel der Wirtschaftsleistung der
Stadt. 151.000 Menschen arbeiteten damals direkt im Tourismussektor.
Am deutlichsten hat sich das während der Coronapandemie gezeigt. Als der
internationale Tourismus zeitweise fast vollständig verschwand, sei
Barcelona für kurze Zeit eine andere Stadt gewesen. „Auf der Plaça Reial
haben wieder Kinder gespielt“, erzählt Pardo.
Touristenwohnungen bis 2028 abzuschaffen, hält Pardo für einen Schritt in
die richtige Richtung. Doch solange über die Pläne der Regionalregierung
zum [2][Ausbau des Flughafens] diskutiert werde und der [3][Hafen weiterhin
in die Kreuzfahrtinfrastruktur investiere], sei das zu wenig. Seine
Initiative kämpft gegen diese Ausbaupläne. „Viele beschweren sich über die
Probleme in ihrer Stadt und in ihrem Land. Aber sie tragen dazu bei, dass
dieselben Probleme auch an anderen Orten entstehen.“
## Gewürze neben Putzmitteln
Luisa Plazas Schegtel, 35, lebt wie Lorena in L’Hospitalet de Llobregat.
Auch sie heißt eigentlich anders. Mit ihrer Mutter und ihrer 14 Jahre alten
Tochter teilt sie sich ein Zimmer von etwa 20 Quadratmetern. Darin befinden
sich ein Einzelbett und eine zweite Matratze, die sie abends unter dem Bett
hervorzieht. Durch die Wand ist aus dem Nachbarzimmer ein Fernseher zu
hören. Es klingt, als würde jemand ununterbrochen durch die Programme
zappen.
Auf den Regalbrettern reihen sich Gewürze neben Putzmitteln. Der
Schulrucksack ihrer Tochter hängt am Schrank, an der Wand ein Föhn. Unter
einem Klappstuhl steht ein Bügeleisen. Es gibt kaum einen Fleck im Raum,
der nur einem Zweck dient.
Plazas zieht ihre Schuhe aus und lässt sich auf das gemachte Bett fallen.
Sie nickt in Richtung der Nachbarzimmer: „Der einzige Ort, wo man etwas
Ruhe hat, ist im Bad“, sagt sie. „Und selbst dort klopft dann schon wieder
jemand an die Tür.“
800 Euro zahlt die Familie für das Zimmer. Zwei weitere Zimmer der Wohnung
sind ebenfalls vermietet. Esszimmer, Küche und Bad teilen sie sich mit
anderen Bewohner*innen. Alle zwei Wochen kommt auch Luisa Plazas’ Freund
für einige Tage zu Besuch. Dann schlafen vier Menschen in dem Raum: Plazas’
Tochter, ihre Mutter und das Paar.
## Verträge mit Höchstdauer
2017 kam Plazas nach Barcelona. Zuvor hatte sie in Madrid gelebt. Sie
hoffte auf einen Neuanfang, vor allem für ihre Tochter, die eine kognitive
Entwicklungsverzögerung hat. Heute sagt sie: „Ich kann mich nicht daran
erinnern, dass wir in Spanien jemals ein würdiges Zuhause hatten. Seit zehn
Jahren hüpfe ich wie ein Frosch von Zimmer zu Zimmer.“
Allein im vergangenen Jahr hätten sie in fünf verschiedenen Zimmern in
unterschiedlichen Wohnungen gewohnt, im Jahr davor in drei. Immer wieder
mussten sie ausziehen. Manchmal, weil die Miete stieg. Manchmal, weil die
Hauptmieter*innen die Zimmer anderweitig vergeben wollten. „Ich will
nur, dass wir endlich unser eigenes Zuhause haben“, sagt Plazas.
Das günstigste Angebot, das sie zuletzt gefunden hat: eine Einzimmerwohnung
für 1.050 Euro – ohne Nebenkosten.Viele Zimmer- und Wohnungsangebote werden
inzwischen nur noch mit Verträgen von maximal elf Monaten vermietet. So
umgehen Eigentümer*innen die Regeln für reguläre Mietverhältnisse, zum
Beispiel die Mietpreisbegrenzung. Anschließend können sie die Wohnungen
teurer neu vermieten.
Oft scheitere sie schon vor der Besichtigung. Mehrfach hätten
Vermieter*innen abgesagt, nachdem sie erfahren hatten, dass die Familie
aus Kolumbien stammt. Es heiße dann, die Eigentümer*innen wollten nur
Spanier*innen. Wie María Álvarez erlebt auch Luisa Plazas, dass ein
minderjähriges Kind bei der Wohnungssuche häufig zum Problem wird. Neulich
habe sie eine Wohnungsanzeige gelesen mit dem Hinweis: „Hunde erlaubt,
Kinder nicht.“
## Diskriminierung im Wilden Westen
Anfang 2026 verhängte die katalanische Gleichbehandlungsbehörde erstmals
eine Geldstrafe gegen eine Immobilienagentur wegen Diskriminierung auf dem
Wohnungsmarkt. Ein Mann marokkanischer Herkunft hatte sich auf eine Wohnung
beworben und die Auskunft erhalten, sie sei bereits vergeben. Kurz darauf
meldete sich ein Arbeitskollege auf dieselbe Wohnung. Er erhielt einen
Besichtigungstermin. Die Behörde wertete den Fall als ethnische
Diskriminierung und verhängte eine Geldstrafe von 10.000 Euro.
Auch die gemeinnützige Organisation Provivienda beobachtet seit Jahren
einen Anstieg von Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. In einer
Untersuchung akzeptierten die meisten befragten Immobilienagenturen
diskriminierende Vorgaben von Eigentümer*innen – etwa
Bewerber*innen aufgrund ihrer Herkunft auszuschließen.
Der Berufsverband der Immobilienmakler*innen in Katalonien,
Col·legi i Associació d’Agents Immobiliaris de Catalunya, beantwortete
Fragen der taz zur Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt und zum Umgang der
Branche mit diskriminierenden Vorgaben von Vermieter*innen bis
Redaktionsschluss nicht.
Doch auch finanzielle Hürden erschweren die Wohnungssuche. Viele
Vermieter*innen verlangten vier Monatsmieten Kaution, sagt Luisa
Plazas, also mehrere Tausend Euro. Laut Miguel Ruiz Díaz-Reixa,
Rechtsanwalt beim Observatori DESC, einer katalanischen
Menschenrechtsorganisation, seien höchstens zwei Monatsmieten erlaubt. „Der
Mietmarkt ist derzeit der Wilde Westen. Es gibt zwar viele Gesetze, aber
bislang werden nur wenige davon durchgesetzt“, sagt Ruiz. Es fehle an
wirksamen Kontrollen und daran, dass bestehende Vorschriften konsequent
überprüft und durchgesetzt würden.
Hinzu komme, dass viele Betroffene Diskriminierung gar nicht meldeten. „Den
meisten geht es in diesem Moment nicht darum, eine Diskriminierung
anzuzeigen oder zu klagen, sondern überhaupt eine Wohnung zu finden.“ Zudem
fehle das Vertrauen in staatliche Stellen. Viele Betroffene würden sich die
Frage stellen: „Wenn sie das Wohnungsproblem nicht lösen können, warum
sollten sie dann meine Diskriminierung lösen?“
## Schule als einzige Konstante
Gemma Tarafa, Fraktionchefin der oppositionellen sozialökologischen Partei
Barcelona en Comú im Stadtrat, sieht ebenfalls politischen Handlungsbedarf.
„Rassismus ist strukturell und betrifft etwas so Grundlegendes wie das
Wohnen und das Recht auf Zugang zu Wohnraum“, sagt sie. Aus ihrer Sicht
müsse die Politik stärker in den Wohnungsmarkt eingreifen, um
Diskriminierung aufgrund der Herkunft zu bekämpfen, ebenso wie die
Benachteiligung von Alleinerziehenden.
Trotz allem denkt Luisa Plazas nicht daran, Spanien zu verlassen. Wäre sie
allein, ist sie sich sicher, wäre sie längst nach Kolumbien zurückgekehrt.
Doch ihre Tochter werde in ihrer Schule mit besonderem Bedarf besser
gefördert als etwa in Kolumbien, glaubt sie. Dort habe sie große
Fortschritte gemacht, Freundinnen gefunden und fühle sich wohl. Einen Platz
an einer vergleichbaren Einrichtung zu bekommen, könne Jahre dauern. „Die
einzige Konstante, die meine Tochter bislang hatte, ist die Schule.“
Dafür putzt und arbeitet Luisa Plaza in Bars und Restaurants oder nimmt
andere Gelegenheitsjobs an. Da sie darauf wartet, dass ihre
Aufenthaltspapiere verlängert werden, geschieht das ohne Vertrag. Ihre
Mutter macht an den Wochenenden einer älteren Frau den Haushalt, kocht für
sie und geht mit ihr spazieren. Auch Plazas’ Freund unterstützt die Familie
finanziell.
Zeitweise habe sie sogar in ihrem Auto geschlafen, erzählt Luisa Plazas.
Ihre Tochter wohnte währenddessen mit ihrer Mutter in einem Zimmer. Als die
Sozialdienste von ihrer Situation erfuhren, vermittelten sie Mutter und
Tochter für mehrere Monate in eine Übergangswohnung. Die Kosten wurden
zunächst aus öffentlichen Mitteln finanziert. Später habe sie die
Unterstützung jedoch versteuern und viel nachzahlen müssen, sagt Plazas.
Auch Wohn- und Mietbeihilfen können steuerliche Folgen haben.
## Geld, Zeit und Würde verloren
Ihre Psychologin und eine Sozialarbeiterin hätten ihr geraten, ein Zimmer
oder eine Wohnung einfach zu besetzen, erzählt Luisa Plazas.
Hausbesetzungen spielen in Spanien eine zentrale Rolle bei der Debatte über
die Wohnungskrise. Für die Provinz Barcelona registrierte das spanische
Innenministerium 2024 insgesamt 5.077 Fälle. Doch für Plazas kommt das
nicht in Frage.
Ihre Wohnungssuche führt Plazas mittlerweile weit über Barcelona und
Katalonien hinaus. Neun Dörfer habe sie bereits angerufen. Orte, die seit
Jahren Einwohner*innen verlieren und neue suchen. Manche bieten
renovierungsbedürftige Häuser zu symbolischen Preisen an, andere günstige
Mietwohnungen. Doch auch dort habe sie nur Absagen erhalten.Vor drei Jahren
erlitt Luisa Plazas, damals Anfang 30, einen Schlaganfall. Seither leide
sie unter Schlafproblemen und chronischen Schmerzen. Bis heute geht ihr ein
Satz der Ärzte nicht aus dem Kopf: „Das ist der dauerhafte Stress.“ Sie
sagt: „Es fühlt sich an, als würde mir jemand den Fuß auf den Hals stellen.
Ich bekomme kaum noch Luft.“
Auf Fotos sehe sie oft fröhlich aus, sagt sie. Das Lachen wolle sie sich
nicht nehmen lassen, auch wenn es in ihr oft ganz anders aussehe. „Wir
haben so viel Geld, Zeit, Energie und Würde verloren.“
Drei Wochen später schreibt Plazas per WhatsApp.Sie sind umgezogen. Wieder
einmal. Etwa 40 Kilometer von L’Hospitalet de Llobregat entfernt. Das
Zimmer sei schöner und größer als das alte, der neue Mitbewohner angenehmer
als die vorherigen. Damit ihre Tochter auf ihrer Schule bleiben kann,
begleitet sie sie nun jeden Morgen mit dem Zug dorthin. Anderthalb Stunden
hin, anderthalb Stunden zurück. Dazwischen geht sie kellnern oder putzen.
Auch am Wochenende.
*Nachname von der Redaktion geändert
4 Aug 2026
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