# taz.de -- Nach Zwangsräumung in Madrid: Seniorin darf in Wohnung zurück
> Zehntausende hatten gegen die Zwangsräumung einer 87-Jährigen
> protestiert, die ihre Wohnung nach 70 Jahren verlassen musste. Jetzt kann
> sie zurückkehren.
(IMG) Bild: Eine Demonstrantin hält in Barcelona ein Plakat mit dem Foto von Maricarmen, die in Madrid aus ihrer Wohnung vertrieben wurde
dpa | Nach [1][Protesten gegen ihre Zwangsräumung darf eine 87-Jährige in
Madrid] in ihre Wohnung zurückkehren. Vertreter von Maricarmen Abascal
erreichten am Montagabend eine entsprechende Einigung mit dem
Immobilienunternehmen, dem das Gebäude gehört, wie die spanische
Tageszeitung El País unter Berufung auf die beteiligten Parteien und die
Vermittler in dem Fall berichtete.
Die Seniorin dürfe unter neuen Mietbedingungen zurückkehren, hieß es
demnach. Ihre Miete werde in etwa dem Betrag entsprechen, den sie bisher
gezahlt habe: rund 500 Euro für Miete, Nebenkosten und Hausgeld. Dem
Bericht zufolge steht Abascals Bestätigung, dass sie die Bedingungen
akzeptiert, noch aus.
Aus Empörung über die Zwangsräumung der 87-Jährigen und Ärger über die
immer größere Wohnungsnot in Spanien waren in Madrid [2][am Wochenende
Zehntausende auf die Straße gegangen]. Der Protest stand unter dem Motto
„Ni una Maricarmen más“ („Keine weitere Maricarmen“).
Weitere Forderungen reichten von einem besseren Schutz gegen
Zwangsräumungen bis hin zu gesetzlichen Maßnahmen gegen steigende Mieten,
gegen Wohnraum als Renditeobjekt und zur Stärkung der Mieterrechte.
## 87-Jährige von Polizei aus Wohnung geholt
Abascal war 1956 mit ihren Eltern in die Wohnung im Madrider Stadtteil
Retiro eingezogen und hatte später den Mietvertrag übernommen. Nachdem das
Gebäude an ein Immobilienunternehmen verkauft worden war, sollte sie
ausziehen, weil ihr alter Mietvertrag nicht mehr gültig sei. Die neuen
Eigentümer bekamen vor Gericht Recht.
Nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen wurde sie schließlich am
Mittwoch von Polizisten trotz des Widerstands von Unterstützern aus ihrer
Wohnung geholt und in ein Krankenhaus gebracht.
Die Demonstranten machten sowohl die linke Zentralregierung von Pedro
Sánchez als auch konservative Regionalregierungen wie jene von Isabel Díaz
Ayuso in Madrid für die Wohnungsnot verantwortlich. Sie fordern unter
anderem die automatische Verlängerung von Mietverträgen auf unbestimmte
Zeit, einen besseren Schutz vor Zwangsräumungen, eine Einfrierung der
Mieten sowie eine Reform des Mietrechts, die Zeitmietverträge und die
Vermietung von Zimmern stärker reguliert.
Unter dem Eindruck der Proteste arbeitet die Regierung daran, am Dienstag
im Ministerrat [3][ein neues Gesetzesdekret zur Wohnungspolitik zu
verabschieden]. Vorgesehen sind unter anderem Maßnahmen gegen
Zwangsräumungen. Die Regierung verhandelt derzeit noch mit mehreren
Parteien über die nötige Mehrheit.
29 Sep 2026
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