# taz.de -- Diskussion über mögliche Koalitionen: Der Druck auf die Grünen steigt
       
       > Ex-Senator Wesener hält ein Linksbündnis für alternativlos. Der
       > langjährige Parteivordenker Ralf Fücks hingegen warnt vor „politischem
       > Dammbruch“.
       
 (IMG) Bild: Zwei grüne Ex-Senatoren im Widerstreit: Für Wesener wäre Schwarz-Grün-Rot chancenlos, für Fücks ein LInksbündnis ein Dammbruch
       
       Die Mahnungen an die möglichen Koalitionspartner der Linkspartei verstärken
       sich. Nachdem über zwei Dutzend [1][frühere Amtsträger der SPD] vor einer
       solchen Koalition warnten und es ablehnten, überhaupt in Gespräche zu
       gehen, gibt es nun neue drängende Worte aus den Reihen der Grünen.
       Ex-Finanzsenator Daniel Wesener stellt dabei ein Linksbündnis als quasi
       alternativlos dar, wenn es nicht zu Neuwahlen kommen soll. Die frühere
       Parteigröße Ralf Fücks hingegen sieht das deutlich anders.
       
       Für Wesener, der jetzt aus dem Abgeordnetenhaus ausschied und den so
       mancher gerne als Grünen-Spitzenkandidaten gesehen hätte, ist die Sache
       klar: Es gebe „keine andere tragfähige demokratische Mehrheit im
       Landesparlament“ als ein Bündnis aus Linkspartei, Grünen und SPD. Das
       [2][äußert er via X i]n Richtung jener, die aus seiner Sicht „gerade RGR
       (Rot-Grün-Rot; d. taz) in Berlin zerschießen“.
       
       Die Alternative einer Zusammenarbeit von CDU, Grünen und SPD, in einer nach
       den Flaggenfarben so genannten Kenia-Koalition ist für Wesener nur eine
       theoretische. „Wer mir jetzt mit der 3-Stimmen-Mehrheit für Kenia kommt,
       dokumentiert damit leider nur, so gar keine Ahnung von Berliner
       Landespolitik und deren Parteien zu haben.“ Im neuen Landesparlament käme
       ein Linksbündnis auf 95 der insgesamt 158 Sitze, eine Kenia-Koalition auf
       82. Für eine Mehrheit nötig sind 80 Stimmen.
       
       Worauf Wesener mutmaßlich anspielt: In der Grünen-Fraktion gibt es
       Abgeordnete, die eine Kenia-Koalition rundweg ablehnen. Dazu gehört vor
       allem die Grüne Jugend, die in der Fraktion 4 von 26 Mitgliedern stellt.
       Positionieren sich allein die gegen die CDU, wie es die neue Abgeordnete
       Elina Schumacher [3][im taz-Interview ankündigte], hätte die Koalition
       bereits keine Mehrheit mehr. „Das wahrscheinlichste Ergebnis wären
       Neuwahlen“, prognostiziert Wesener.
       
       ## „Bescheuerte Vorfestlegung“
       
       Ganz anders sieht Ralf Fücks die Lage, der langjährige Grünen-Vordenker,
       frühere Bremer Senator und langjährige Chef der parteinahen
       Heinrich-Böll-Stiftung. Er könne „das Gerede von einem ‚progressiven
       Linksbündnis‘ nicht mehr hören“, [4][schreibt Fücks ebenfalls auf X]. Was
       sei fortschrittlich an einer Partei (gemeint ist die Linkspartei; d. taz),
       „die offene Türen für militante Israelhasser bietet und Stimmen im
       ‚antizionistischen‘ Milieu fischt?“
       
       Fücks spricht von einer „bescheuerten Vorfestlegung auf eine Koalition mit
       der Linken“. Damit hätten sich die Berliner Grünen in eine Falle
       manövriert. „Wollt Ihr wirklich zum Steigbügelhalter für eine Partei
       werden, die das Leben für Juden in dieser Stadt noch prekärer macht,
       Investoren abschreckt und Clankriminalität deckt?“, fragt Fücks.
       
       Er erwarte in dieser Fragen eine klare Haltung statt Formelkompromisse. Das
       setze voraus, bereit zu sein, eine Linkskoalition scheitern zu lassen.
       Fücks’ Mahnung an seine Parteifreunde: „Ihr habt es gemeinsam mit der SPD
       in der Hand, einen politischen Dammbruch in Berlin zu verhindern.“
       
       Wer die neue Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus führt, ist zumindest
       offiziell noch offen. Die SPD hingegen hat sich am Donnerstagnachmittag
       darauf verständigt, dass erstmals eine Doppelspitze ihre Fraktion anführen
       soll: Steffen Krach, der Spitzenkandidat bei der Wahl am vergangenen
       Sonntag, und Derya Çağlar, eine der bisherigen stellvertretenden
       Vorsitzenden. Gewählt werden sollen sie nächsten Mittwoch.
       
       ## Evers neuer Fraktionschef bei der CDU
       
       Der bisherige Vorsitzende Raed Saleh, seit 2011 im Amt und damit länger als
       jeder andere Landtagsfraktionschef in Deutschland, [5][hatte angekündigt,
       nicht erneut zu kandidieren.] Die CDU-Fraktion wählte am Donnerstagabend
       ihren Spitzenkandidaten Stefan Evers zum Fraktionschef. Er folgt auf Dirk
       Stettner.
       
       25 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Vor-dem-Start-von-Sondierungen/!6215886
 (DIR) [2] https://x.com/dpwes/status/2103085408313614765
 (DIR) [3] /Gruene-Jugend-Berlin-zu-Rot-Gruen-Rot/!6214990
 (DIR) [4] https://x.com/fuecks
 (DIR) [5] /Machtkampf-in-der-Berliner-SPD/!6215385
       
       ## AUTOREN
       
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