# taz.de -- Zeitenwende in der Industrie: Immer neue Geschäftsmodelle mit Rüstung
> Mehr Unternehmen steigen in die Rüstungsproduktion ein. So könnte DHL für
> die Ukraine Güter versenden, Vonovia will Soldatenwohnungen bauen.
(IMG) Bild: Transformation des Standorts nennt sich das: In Görlitz wurden früher Züge gebaut, jetzt baut hier KDNS Panzer und andere Fahrzeuge
Die Gewinnaussichten im Rüstungssektor infolge des Ukrainekrieges rufen
immer mehr Unternehmen auf den Plan, die auch ein Stück vom Kuchen wollen.
So hält sich die DHL Group offenbar nicht mehr nur mit dem Transport von
zivilen Päckchen und Paketen auf. Das deutsche Post- und
Logistikunternehmen hat sich offenbar auf einer Rüstungsmesse in Polen
danach erkundigt, wie man denn die Ukraine beim Export von Rüstungsgütern
unterstützen könne, [1][das berichtet jedenfalls das Handelsblatt].
Demnach ist die Ukraine wohl nach mehr als vier Jahren Krieg inzwischen so
weit, dass sie nicht mehr alle im Land hergestellte militärische Technik
und Ausrüstung selbst braucht, um die russische Aggression zu bekämpfen –
sie kann auch für den Export und damit gewinnbringend produzieren. Bisher
laufen solche Ausfuhren über Polen, aber die DHL ist wohl daran
interessiert, neue Wege zu erschließen, etwa über Rumänien und das Schwarze
Meer. Das Unternehmen selbst wollte dazu keine Stellung nehmen.
Es wäre aber wohl nicht das erste Mal, dass DHL für Rüstungskonzerne
logistisch tätig wird. Das zeigt jedenfalls ein Prozess vor dem
Arbeitsgericht Leipzig im Juli, den das Unternehmen verloren hat. Darin
ging es um einen Mitarbeiter. Er hatte öffentlich kritisiert, dass
Waffenlieferungen für Rheinmetall über das DHL-Luftfrachtdrehkreuz in
Leipzig gelaufen waren. DHL hatte ihm sofort gekündigt, aber das
Arbeitsgericht kassierte die Kündigung wieder mit Verweis auf die
Meinungsfreiheit des Verdi-Vertrauensmanns.
## Statt Autos und Zügen jetzt Panzer
DHL ist nicht das einzige Beispiel dafür, wie Unternehmen mit bisher
ziviler Produktion neue militärische Geschäftsfelder erschließen können.
Manche Werke werden sogar gleich ganz auf Rüstung umgestellt: Das VW-Werk
in Osnabrück zum Beispiel wurde kürzlich [2][an israelische Investoren
verkauft] und soll künftig Komponenten für das Flugabwehrsystem „Iron Dome“
produzieren, dessen Hersteller Rafael Advanced Defense Systems einer der
neuen Werksbesitzer in Osnabrück ist.
Und im sächsischen Görlitz [3][werden heute Panzer statt Züge produziert].
Die Umstellung gehe erfolgreich voran, meldete der neue Besitzer KNDS
Deutschland im Juni, der den Standort ein Jahr zuvor von dem Unternehmen
Alstom übernommen hatte.
## Wohnungen für Soldaten
Auch der Wohnungskonzern Vonovia hat ein Auge auf die
Zeitenwende-Milliarden geworfen. Dessen 130.000 Wohnungen in der Hauptstadt
könnten nach dem Linken-Wahlsieg möglicherweise [4][tatsächlich
vergesellschaftet werden], wie es Berlin 2021 in einem Volksentscheid
mehrheitlich gefordert hatte. Also müssen andere Geschäftsmodelle her: Das
Unternehmen könne schnell Soldatenwohnungen bauen, warb Vorstandschef Luka
Mucic im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Die Personalstärke der Bundeswehr liegt derzeit bei 187.000 Soldatinnen und
Soldaten, künftig sollen es aber mindestens 260.000 werden. Und da könnte
es gerade in Städten wie Berlin für die Bundeswehr schwer werden,
geeigneten Wohnraum zu finden, rechnet Vonovia vor. Das Unternehmen bietet
dem deutschen Militär daher „seriellen Neubau in ausgewiesenen
Wohngebieten“ an. Die Bundeswehr-Spitze und das Verteidigungsministerium
seien bereits über das Angebot informiert und müssten jetzt entscheiden, so
Mucic.
## Zu wenig neue Arbeitsplätze
Eine Lösung für die Krise der deutschen Wirtschaft ist das Abgreifen von
Rüstungsaufträgen allerdings bisher nicht: Das Institut für Arbeitsmarkt-
und Berufsforschung (IAB) hat gerade errechnet, dass Militäraufträge die
Jobverluste in zivilen Brachen bislang kaum ersetzen konnten.
Derzeit gingen in der deutschen Industrie monatlich rund 15.000
Arbeitsplätze verloren, so die Forschenden. Dabei seien im vergangenen Jahr
nur rund 1.100 Beschäftigte in die Rüstungsindustrie gewechselt. 23.000
Industriebeschäftigte seien dagegen in die öffentliche Verwaltung oder
Sozialversicherung gegangen. (mit dpa)
25 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.handelsblatt.com/politik/international/ukraine-dhl-dient-sich-als-logistiker-fuer-ukrainische-waffenexporte-an/100256248.html
(DIR) [2] /Verkauf-des-VW-Werkes-Osnabrueck/!6210855
(DIR) [3] /Deutsche-Ruestungsindustrie/!6197835
(DIR) [4] /Reaktion-auf-moegliches-Linksbuendnis/!6215229
## AUTOREN
(DIR) Dirk Eckert
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