# taz.de -- Verkauf des VW-Werkes Osnabrück: Luftabwehr statt Cabrios
> VW verkauft sein Werk in Osnabrück an israelische Investoren und das Land
> Niedersachsen. Künftig sollen dort Luftabwehrsysteme produziert werden.
(IMG) Bild: Olaf Lies (SPD), niedersächsischer Ministerpräsident: Absichtserklärung zwischen Volkswagen und Rüstungskonzern ist unterzeichnet
Das Land Niedersachsen, die Investmentfirma Aurelius Capital aus Tel Aviv
und der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems
([1][bekannt für sein Raketenabwehrsystem „Iron Dome“]) haben am Montag
bekannt gegeben, das VW-Werk in Osnabrück übernehmen zu wollen. Künftig
sollen hier Systeme und Komponenten für Luftverteidigungssysteme gefertigt
werden.
Über Pläne dieser Art war in Osnabrück schon lange geredet worden –
spätestens seit VW 2024 entschied, die Fahrzeugfertigung hier auslaufen zu
lassen. 2027 soll das letzte T-Roc Cabriolet gefertigt werden. Fast 2000
Mitarbeiter wären vom Aus betroffen.
Neu ist nun allerdings die Struktur, die das Werk als „Kompetenzzentrum für
Sicherheits- und Verteidigungslösungen“ wie es in einer Pressemitteilung
der Volkswagen Group heißt, bekommen soll. Anfangs war bei VW noch von
Kooperationen oder Joint Ventures die Rede gewesen.
Nachdem sich als aussichtsreichster und ernsthaftester Interessent der
israelische Konzern abgezeichnet hatte, soll aber nach übereinstimmenden
Medienberichten der katarische Staatsfonds, der 17 Prozent Stimmrechte an
VW hält, Einspruch eingelegt haben.
## Land Niedersachsen will Miteigentümer bleiben
Nun soll die Volkswagen Osnabrück GmbH also an die Aurelius Capital als
Mehrheitseigner verkauft werden, wobei das Land Niedersachsen als
Miteigentümer fungieren soll und will. Wie hoch die finanziellen
Verpflichtungen sind, die Niedersachsen damit eingeht, ist noch unklar.
Die Aurelius Capital fungiert dabei wohl vor allem als Kapitalbeschafferin.
Die internationale Investmentgesellschaft ist nach eigenen Angaben auf den
Bereich Verteidigung, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und kritische
Infrastruktur spezialisiert.
Die Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced
Defense Systems wird dagegen in den Pressemitteilungen als „erstes
Ankerprojekt“ bezeichnet, dem weitere industrielle Partnerschaften und
Projekte folgen sollen.
Es ist nicht das erste Engagement in Deutschland, die Firma – ursprünglich
entstanden aus einer Abteilung des israelischen Militärs – arbeitet bereits
als Ausrüster für die Bundeswehr, hat eine Tochterfirma im
nordrhein-westfälischen Burbach und kooperiert im Joint Venture EuroSpike
mit den deutschen Rüstungsunternehmen Diehl Defence und Rheinmetall.
## Ausgelegt für Kleinserien und Prototypenbau
[2][Als Blaupause für die anderen VW-Standorte], die derzeit in der
Diskussion sind, taugt das Vorgehen in Osnabrück allerdings nicht
unbedingt. Der Standort bietet sich als Waffenschmiede vor allem deshalb
an, weil das ehemalige Karmann-Werk schon immer auf Spezialfertigungen,
Kleinserien und Prototypenbau ausgelegt war. Rüstungsproduktion ist eher
Präzisionshandwerk als Massenproduktion.
In der „Friedensstadt“ Osnabrück wurde die Nachricht vor allem mit
Erleichterung aufgenommen: Der Betriebsrat des Werkes betonte, dass
Beschäftigungsgarantien und Tarifverträge übernommen werden sollen. Mit der
angestrebten Lösung gäbe es für drei viertel der Belegschaft eine konkrete
Anschlussperspektive.
Weniger begeistert sind Friedensbewegte und Umweltschützer, die sich [3][in
der „Zukunftswerkstatt Osnabrück“ zusammen geschlossen haben]: Eine
sozial-ökologische Produktionsumstellung sei leider versäumt worden, heißt
es in einer Pressemitteilung des Bündnisses.
Abgeschlossen ist der Verkauf allerdings auch noch nicht: Die Beteiligten
haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Man gehe nun in die nächste
Phase mit detaillierten Verhandlungen, Bewertungen regulatorischer
Anforderungen und erforderlichen internen Entscheidungsprozessen, heißt es
aus der niedersächsischen Staatskanzlei.
7 Sep 2026
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