# taz.de -- Rheinmetall Entwaffnen in Köln: Abschlussdemonstration nach Zusammenstößen unterbrochen
> Eine Woche protestiert „Rheinmetall Entwaffnen“ in Köln gegen Aufrüstung.
> Die Abschlussdemo endet für einen Teil im Polizeikessel.
(IMG) Bild: Demonstrierende und Polizeikräfte bei der Abschlussdemonstration von „Rheinmetall Entwaffnen“ in Köln
Der Demonstrationszug steht. Aus den Lautsprechern kommt eine Durchsage der
Polizei: Aus einer Gruppe im hinteren Teil der Demo heraus seien Straftaten
begangen worden, darunter der Einsatz von Pyrotechnik und Zwillen gegen
Polizeikräfte. Außerdem kam es zwischen Polizei und Demonstrierenden
mehrfach zu Zusammenstößen. Schließlich kesselt die Polizei den hinteren
Teil ein. Auch zwei Wasserwerfer stehen bereit. Wer vorn steht, dürfe die
Versammlung einzeln verlassen, heißt es. Als Demonstrationszug aber geht es
zunächst nicht weiter.
Was als Höhepunkt einer sechstägigen Protestwoche durch Köln ziehen sollte,
kommt erstmal zum Stillstand. Seit dem 1. September hat [1][„Rheinmetall
Entwaffnen“] sein Camp im Inneren Grüngürtel in Köln aufgeschlagen. Das
linke antimilitaristische Bündnis protestiert gegen Krieg, Aufrüstung und
Rüstungsindustrie. Köln ist als Standort bewusst gewählt, denn Rheinmetall
sitzt im nahen Düsseldorf, das Verteidigungsministerium hat einen Sitz in
Bonn, weitere Rüstungsunternehmen und militärische Einrichtungen liegen in
der Region.
Im Camp stehen Zelte und Pavillons um eine freie Fläche, die als Dorfplatz
dient, daneben ein großes Zirkuszelt für zentrale Veranstaltungen. Nach
Angaben von Pressesprecherin Camille Dietrich kamen zum Auftakt rund 500
Menschen, bis Freitag seien es etwa 1.500 gewesen. Mehr als 60 Workshops
und Diskussionen standen während der Woche auf dem Programm.
Der Protest bleibt aber nicht im Grüngürtel. Am Donnerstag etwa blockieren
rund 140 Aktivist die Zufahrt zur Bundeswehrkaserne in Köln-Longerich.
Wenige Stunden später sieht der Protest auf dem Heumarkt anders aus. „Stell
dir vor, es ist Krieg“, sagt eine Rednerin immer wieder. Um sie herum
marschieren Aktivist:innen in militärischer Kleidung. Dann bleiben sie
stehen, heben Gewehrattrappen aus Pappe und simulieren Schüsse. Durch diese
kreative Protestaktion soll Krieg für einen Moment weniger abstrakt wirken.
Auch die Polizei hat sich nach eigenen Angaben seit Wochen auf Camp und
Aktionswoche vorbereitet. Rund 1.000 auswärtige Kräfte unterstützen die
Kölner Polizei, der Führungsstab ist rund um die Uhr besetzt. „Wir sind der
Polizei ein Dorn im Auge, da wir uns die Stadt selbstbestimmt nehmen“, sagt
Dietrich. Schon die Präsenz von Feldjägern am Dienstagmorgen wertet sie als
Einschüchterungsversuch. Dazu kommen die [2][Erfahrungen aus dem Vorjahr],
als es bei den Protesten ebenfalls zu gewaltsamen Auseinandersetzungen
zwischen Polizei und Demonstrierenden kam.
Am Samstag kommen nach Angaben des WDR rund 3.000 Menschen zur
Abschlussdemonstration am Hauptbahnhof; angemeldet waren 400. „Die Reichen
wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“, ruft die Menge. Teilnehmende
erzählen der taz, warum sie gekommen sind: Sie kritisieren die Gewinne der
Rüstungsindustrie und sagen, weder sie noch ihre Kinder und Enkel sollten
in einen Krieg ziehen müssen. Zugleich kritisieren Demonstrierende, dass
mehr Geld in Aufrüstung fließe, während an anderer Stelle, besonders im
sozialen Bereich, gekürzt werde. „Das ist Krieg – jeden Tag ein Femizid“,
ruft die Menge. Gerade der Gewaltschutz spielt bei vielen Teilnehmenden
eine große Rolle.
Doch je länger die Demonstration dauert, desto mehr rückt der Konflikt mit
der Polizei in den Vordergrund. Eigentlich soll der Zug bis 19 Uhr durch
die Innenstadt ziehen und anschließend zur Abschlusskundgebung ins Camp
zurückkehren. Der vordere Teil kann am späten Nachmittag weiterziehen.
Demonstrierende werfen den Einsatzkräften übermäßige Gewalt vor. Ein
Sprecher des Camps berichtet von vielen Verletzten; genaue Zahlen liegen
bis Redaktionsschluss nicht vor. Auch am Camp sei die Polizeipräsenz
inzwischen verstärkt worden.
5 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Laura Verseck
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