# taz.de -- Aktivist über Nato-Übung in Hamburg: „Es geht nicht um unsere Sicherheit“
       
       > Kommende Woche übt die Bundeswehr den Nato-Bündnisfall in Hamburg – und
       > gewöhnt uns an Krieg, sagt Jonah Fischer von „Rheinmetall entwaffnen“.
       
 (IMG) Bild: Immer mehr Bewegung gegen Aufrüstung und Krieg: Teilnehmende des Camps von „Rheinmetall entwaffnen“ Anfang September in Köln
       
       taz: Jonah Fischer, Sie wollen die Bundeswehr-Übung „Red Storm Charlie“
       stören. Wieso? 
       
       Jonah Fischer: Die Übung, die das dritte Jahr in Folge stattfindet, ist ein
       Manöver, das eingebettet ist in die [1][Nato-Strategie, Krieg im Osten zu
       führen]. Es soll eingeübt werden, wie man Militärgerät und Soldat*innen
       schnell aus Hamburg mit seinem wichtigen Hafen an die sogenannte Ostflanke
       der Nato an die Grenzen zu Russland, Belarus und Ukraine verlegt. Aber es
       geht auch darum, zivilgesellschaftliche und nichtmilitärische Bereiche in
       die Übung einzubinden und Militarisierung zu normalisieren.
       
       taz: Was kritisieren Sie daran? 
       
       Fischer: An der Übung sind neben der Bundeswehr mit etwa 500
       Soldat*innen auch Verwaltungen, Feuerwehr, Polizei, THW, Krankenhaus und
       private Unternehmen wie Airbus oder Edeka beteiligt. Solche Übungen sind
       immer auch eine Drohgebärde nach außen, aber in diesem Fall ist sie vor
       allem ein Signal nach innen, an die Hamburger Bevölkerung: Ihr müsst da
       auch mitmachen. Am besten tut ihr das [2][freiwillig, indem ihr zum
       Beispiel euer Unternehmen anmeldet], aber wenn nicht, dann werdet ihr
       zwangsverpflichtet. Entsprechende Gesetze, zum Beispiel zur Requirierung
       von Krankenhausinfrastruktur, sind schon im Gespräch. Mit „Red Storm
       Charlie“ soll die Verschmelzung von militärischen und zivilen Akteuren
       öffentlich positiv dargestellt werden. Wir finden das gefährlich und rufen
       alle, die das ähnlich sehen, dazu auf, das Manöver zu stören und dagegen zu
       protestieren.
       
       taz: Was sagen Sie Menschen, die, etwa nach dem Fund einer russischen
       [3][Drohne mit Sprengstoff am Flughafen Leipzig/Halle,] Angst haben und es
       richtig finden, dass die Bundeswehr trainiert? 
       
       Fischer: Angst ist nicht verwunderlich, weil ja seit Jahren unter dem
       Schlagwort hybrider Krieg Bedrohungsszenarien aufgebaut werden. Es ist eine
       ständige Anspannung, die dazu beiträgt, dass Menschen ein
       Sicherheitsbedürfnis haben und für Aufrüstung sind, die als einzige Option
       für Sicherheit verkauft wird. Das halten wir für falsch.
       
       taz: Warum? 
       
       Fischer: Wir denken nicht, dass Krieg hier komplett unwahrscheinlich ist,
       weil ja beteiligte Mächte, also Russland als imperialistische Macht, aber
       auch die EU, viel dafür tun, diesen Krieg zu eskalieren. Wir glauben aber,
       dass eine Grenze, also die sogenannte Ostflanke, die immer weiter
       aufgerüstet wird, ein großes Eskalationspotenzial hat und nicht noch mehr
       Sicherheit schafft. [4][Aufrüstung, in die Milliarden fließt,] ist nicht im
       Interesse der Bevölkerung. Es geht nicht um unsere Sicherheit, sondern
       darum, dass der deutsche Staat seine Machtinteressen, nicht nur in Europa,
       sondern auch weltweit an Handelsrouten, militärisch verteidigt. Dafür wird
       in Hamburg geübt. Friedrich Merz träumt von der größten konventionellen
       Armee Europas. Wir lehnen es generell ab, Kriege, die Deutschland führt, zu
       unterstützen.
       
       taz: Gegen die Übung „Red Storm Bravo“ im vergangenen Jahr protestierten
       nur einige Hundert. Warum sollte das diesmal anders sein? 
       
       Fischer: Wir hoffen auf einen möglichst sichtbaren, breiten und
       vielfältigen Protest. Es geht erst mal darum, die Übung, die auch nachts
       stattfindet, sichtbar zu machen. Wir haben auf unseren Kanälen eine
       Aktionskarte veröffentlicht mit Orten, die im Rahmen des Manövers
       interessant sind, und hoffen auf viele kreative Formate, mit denen Leute
       ihren Protest ausdrücken. Wir vom Bündnis „Rheinmetall entwaffnen“ rufen zu
       einer Demo auf und haben [5][eine Störmanöverzentrale eingerichtet] im
       Alten Elbpark. Dort werden wir für Interessierte ansprechbar sein, und es
       wird Programm geben, Vorträge zu Militarisierung, eine Ausstellung über
       Zwangsarbeit bei Rheinmetall, aber auch ein Konzert.
       
       20 Sep 2026
       
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