# taz.de -- Weltall als Geschäftsfeld: Rheinmetall startet Serienproduktion von Weltraumsatelliten
> Panzer, Artillerie und Munition, mit solchen Rüstungsgütern macht
> Rheinmetall Milliardengeschäfte. Inzwischen richtet die Firma ihren Blick
> auch gen Weltraum.
(IMG) Bild: Das Neusser Werk erweitert Rheinmetall für die Produktion von Weltraumsatelliten
dpa | Der [1][Panzerbauer Rheinmetall] hat mit der Serienproduktion von
Satelliten begonnen, um sein Produktportfolio zu erweitern und alle Ebenen
des modernen Gefechtsfeldes abzudecken. Die Fertigung in Neuss sei
erfolgreich angelaufen, teilte das Unternehmen mit. Nach Vorarbeiten samt
Planung und Aufbau sei man zur industriellen Umsetzung übergegangen.
Es geht um SAR-Satelliten, die zusammen mit dem finnischen Unternehmen
Iceye gebaut werden. Die „Synthetic Aperture Radar“-Technologie liefert
auch bei Nacht und schlechtem Wetter präzise Aufnahmen von
Truppenbewegungen und Stellungen des Feindes. Dabei wird Künstliche
Intelligenz (KI) eingesetzt, um relevante Informationen herauszufiltern und
aufzubereiten. Hersteller ist die Rheinmetall Iceye Space Solutions GmbH,
an der Rheinmetall 60 Prozent hält.
Pro Jahr sollen etwa 50 Satelliten hergestellt werden; Anfang 2027 soll der
erste Neusser Satellit mit einer Trägerrakete von SpaceX in den Orbit
gebracht werden und dort seine Bahnen ziehen. Die SAR-Satelliten sind 3,3
Meter Lang und 0,8 Meter breit, sie wiegen rund 220 Kilogramm. Die Fläche
der Antenne umfasst circa 2,6 Quadratmeter. „Der erfolgreiche
Produktionsanlauf in Neuss zeigt, dass wir nicht nur innovative
Weltraumtechnologie bereitstellen, sondern diese auch industriell in
Deutschland skalieren können“, sagt Rheinmetall-Chef Armin Papperger.
Mit den Satelliten stößt Rheinmetall in einen neuen Geschäftsbereich vor.
Der [2][Rüstungskonzern stellt seine Produktpalette möglichst breit auf],
um den Bedarf von Nato-Armeen weitgehend zu decken und Konkurrenten nicht
zum Zug kommen zu lassen. So hat Rheinmetall einen Schiffsbauer gekauft und
ein Werk für Flugzeug-Bauteile in Weeze am Niederrhein eröffnet. Außerdem
hat die Rüstungsfirma [3][ihre Drohnenproduktion ausgeweitet].
## Satelliten werden für die Bundeswehr reserviert
Beim Satelliten-Geschäft werden Radaraufnahmen verkauft, die Nato-Armeen
bei der Lageeinschätzung helfen sollen. Es geht besonders um die
Nato-Ostflanke und damit auch um Unterstützung der Bundeswehr-Brigade in
Litauen. Mit der Bundeswehr hat die Rheinmetall-Tochter einen mehrjährigen
Vertrag mit einem Wert von circa 1,7 Milliarden Euro plus
Erweiterungsoption. Schon jetzt bekommt die deutsche Armee Aufnahmen von
Satelliten, die Iceye noch ohne Zutun von Rheinmetall gebaut und in den
Orbit hat bringen lassen.
Bald verbessern sich die Möglichkeiten für die Bundeswehr. Denn
gleichzeitig zum Start der Serienproduktion gab Rheinmetall bekannt, dass
die deutsche Armee exklusiven Zugriff auf eine nicht genannte Zahl von
Satelliten gebucht habe – die Radarsysteme dieser Flugkörper werden künftig
ausschließlich von der Bundeswehr genutzt. Dadurch muss die deutsche Armee
nicht mehr warten, bis einer der Satelliten frei ist für die gewünschte
Aufnahme.
Das Neusser Werk baut Rheinmetall derzeit um. Früher wurde der Standort für
die Produktion von Autoteilen genutzt. Diesen schwächelnden Konzernbereich
hat Rheinmetall inzwischen verkauft. Das Neusser Werk wurde aber im Konzern
gehalten, um dort Drohnen, Gefechtstürme und Satelliten zu fertigen.
## Expertin sieht Fortschritt für Verteidigungsfähigkeit
Aus Expertensicht ist die SAR-Technologie heutzutage unverzichtbar für eine
schlagkräftige moderne Armee. „In einem gläsernen Gefechtsfeld muss man den
Gegner möglichst konstant und genau im Blick haben, auch um so Bewegungen
an Truppen und schwerem Gerät möglichst schnell zu erfahren“, sagt Juliana
Süß von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Sie weist darauf hin,
dass die ukrainische Armee auch Aufnahmen von Iceye-Satelliten nutze, von
denen sich derzeit 35 im Weltall befinden.
„Je nach Auflösungsgrad lassen sich viele Details erkennen“, sagt Süß. So
gingen die Radarsignale durch Tarnnetze oder Blätter von Bäumen und
Sträuchern und ermöglichten dann einen Einblick, ob dort Panzer oder
Artilleriegeschütze verborgen sind.
Die Bundeswehr habe bislang nur auf wenige SAR-Satelliten Zugriff, der
Vertrag mit Rheinmetall-Iceye sei daher ein Fortschritt für die
Verteidigungsfähigkeit, sagt die Expertin. „Uns fehlt bislang die
notwendige Masse an Aufnahmen, um einen konstanten und somit taktisch
relevanten Überblick zu haben.“ Dann erhöhe sich die „Revisit-Rate“ – also
die Häufigkeit von Überflügen von Satelliten -, wodurch die Situation am
Boden und somit potenzielle Veränderungen der Lage zu beobachten seien.
Allerdings brauche es speziell geschultes Personal, um die SAR-Aufnahmen
verstehen zu können. Das sei gegenüber anderen Satellitenaufnahmen, also
elektrooptischen Bildern, ein wichtiger Faktor. Laut Expertin Süß sind die
Systeme nicht direkt vergleichbar, sondern ergänzen einander und können
somit ein umfassendes Lagebild schaffen. „SAR-Satelliten sind militärisch
extrem wichtig, aber es sind keine Wundersatelliten“, sagt Süß. „Auch
SAR-Satelliten sind angreifbar, etwa mit Signalstörungen oder
Cyberangriffen.“
## Wer die Wettbewerber sind
Zu Rheinmetalls Konkurrenten im Satelliten-Geschäft gehören Airbus Defence
and Space sowie die Bremer Firma OHB. Das Raumfahrtunternehmen OHB hat
insgesamt acht Satelliten in den Programmen SAR-Lupe und SARah an die
Bundeswehr verkauft, von denen heute noch sieben im Weltall sind und
SAR-Aufnahmen machen. Start der ersten OHB-Satelliten war im Jahr 2007.
SAR-Aufnahmen brächten einer Armee einen erheblichen Mehrwert, sagt eine
OHB-Sprecherin. „Die Radartechnologie ist Tag-Nacht-fähig und damit
weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen.“ Eine Ergänzung von
herkömmlichen Aufklärungsfotos komplettiere das Lagebild. Allerdings
brauche es für SAR ein geschultes Auge. Aus elektrooptischen Aufnahmen
könne hingegen auch ungeschultes Personal schnell Schlüsse ziehen, die in
der Kriegsführung wichtig seien.
Nachdem sich Rheinmetall den Bundeswehr-Auftrag zum direkten Zugriff auf
Satelliten per Direktvergabe gesichert hat, ist nun eine größere
SAR-Ausschreibung in der Mache – bei dieser Ausschreibung möchten auch OHB
und Airbus mitmachen. „Airbus verfügt sowohl über hochauflösende, komplexe
Satelliten zur strategischen Aufklärung als auch über kleinere
Satellitensysteme für hohe Wiederholraten und taktische Aufklärung“, sagt
ein Airbus-Sprecher.
6 Oct 2026
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