# taz.de -- IG Metall-Warnstreiks: Berliner Metallarbeiter legen die Arbeit nieder
       
       > Die IG Metall mobilisiert Berlinier Beschäftigte der Metallbranche zum
       > Warnstreik. Eine Reaktion auf ein schäbiges Tarif-Angebot der
       > Arbeitgeberschaft.
       
 (IMG) Bild: Die IG Metall mobilisiert die Belegschaft der Metall- und Elektroindustrie zur Niederlegung der Arbeit
       
       „Ich habe mal eine Frage an die Arbeitgeber“, sagt ein Mercedes-Mitarbeiter
       auf einer IG-Metall-Bühne vor dem Daimler-Werk in Marienfelde. „Wollt ihr
       uns eigentlich verarschen?“ Ungefähr 200 Beschäftigte im Ausstand jubeln
       ihm zu, blasen in ihre Trillerpfeifen und trommeln.
       
       Die Gewerkschaft IG Metall mobilisiert am Montagmorgen in Berlin und
       bundesweit zum Warnstreik der Metall- und Elektroindustrie. Seit 9 Uhr
       steht die Belegschaft der Produktionshallen von Mercedes, Gilette,
       Schindler und Tepper in der Daimlerstraße im Ausstand.
       
       Eine halbe Stunde später unterbricht auch die Rheinmetall-Belegschaft in
       Wedding die Arbeit und demonstriert vor den Toren des einstigen
       Autozulieferers Pierburg in der Schererstraße. Dort stellt der
       Rüstungskonzern [1][seit gut einem Jahr Geschosshülsen für
       Artilleriemunition her]. Mitarbeiter*innen von Bosch
       Sicherheitssysteme erscheinen ebenfalls zum Protest.
       
       Aber die Liste der Streikenden ist noch viel länger: Auch die Belegschaften
       von Siemens Global Energy und Siemens Mobility legen in Berlin am Montag
       zwischenzeitlich die Arbeit nieder. Was ist hier los?
       
       ## Angebot für Reallohnverlust
       
       Am vergangenen Donnerstag hatte der Verband der Metall- und
       Elektroindustrie Berlin-Brandenburg (VME) der IG Metall ein Angebot für die
       laufende Lohn-Tarifrunde unterbreitet. Die Metall-Arbeitgeberschaft hat
       sich dafür auch einen tollen Namen ausgedacht: „Stärkung von Standort und
       Investitionen“, betitelt der Verband seinen Lohn-Vorschlag.
       
       Was damit gemeint ist, klingt weniger toll – zumindest für die Belegschaft.
       Im nächsten Jahr soll sie keine Lohnerhöhung erhalten. Der Verband bietet
       lediglich eine freiwillige Einmalzahlung der Unternehmen an. Ab dem Juli
       2028 plant die Arbeitgeberschaft zwar wieder ein Gehaltsplus. Das soll aber
       gerade einmal 1,3 Prozent betragen.
       
       [2][Mehrere Wirtschaftsinstitute erwarten in Deutschland für das nächste
       Jahr eine Inflation von bis zu 3 Prozent.] Für 2028 prognostiziert das
       ifo-Institut weitere 2,3 Prozent. Das Angebot zur „Stärkung vom Standort“
       bedeutet für die Belegschaft der Berliner und Brandenburger Metall- und
       Elektroindustrie also einen deutlichen Kaufkraftverlust in beiden Jahren.
       
       ## IG Metall fordert 5 Prozent mehr Lohn
       
       [3][Die IG Metall gab deshalb gleich am Freitag bekannt, in den
       Arbeitskampf zu treten.] „Enttäuschend und weltfremd“, nannte Jan Otto, IG
       Metall-Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen, das Angebot. Die
       Gewerkschaft fordert 5 Prozent mehr Entgelt für 12 Monate für die laut
       ihren Angaben rund 96.000 Beschäftigten. Außerdem will sie Arbeitsplätze
       absichern und eine tarifliche Gewinnbeteiligung einfordern.
       
       „Das Leben ist viel schwieriger geworden“, erzählen einige
       Rheinmetall-Lageristen. „Wir verdienen in der Abteilung so wenig, für uns
       sind selbst die geforderten 5 Prozent lächerlich.“ Das bedeute gerade
       einmal das Geld für einen großen Einkauf im Supermarkt.
       
       „Man weiß nicht mehr, wo man noch sparen soll“, erzählt auch eine
       Mitarbeiterin von Mercedes. Sie habe zwei Kinder und ihr Mann verdiene
       deutlich weniger Geld. „Mieten, Benzin, Lebensmittel – alles steigt“, sagt
       sie besorgt. Doch der Lohnkampf sei nicht ihr einziger Konfliktpunkt mit
       Mercedes. Aktuell beträgt die Vollzeitwoche im Werk 35 Stunden, „doch der
       Arbeitgeber will, dass wir zukünftig bis zu 40 Stunden bei gleichem Lohn
       arbeiten“, sagt die Mitarbeiterin.
       
       Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen ist sehr unterschiedlich. Die
       Gewinnmarge von Mercedes hat sich im 3. Quartal halbiert auf 560 Millionen
       Euro. [4][Für Rheinmetall lief es besser.] Das Rüstungsunternehmen hat im
       Zuge der erhöhten Militärausgaben in Europa im zweiten Quartal ein
       „Rekordwachstum“ verzeichnet. Davon kommt im VME-Angebot aber nichts bei
       der Belegschaft an.
       
       2 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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