# taz.de -- Ukrainische Rüstungsindustrie: Rückkehr zu den Wurzeln
       
       > Ukrainische Drohnen gelten weltweit als erfolgreich und kampferprobt –
       > aber ukrainische Firmen kämpfen um ihre Integration in den Weltmarkt.
       
 (IMG) Bild: Vorbereitung eines Einsatzes in der Region Saporischschja: Ukraines Drohnen gelten weltweit als Erfolgsmodell
       
       In den Trümmern der Sowjetunion nach deren Zerfall 1991 standen auf dem
       Staatsgebiet der neuen Ukraine ein Drittel der früheren sowjetischen
       Rüstungsindustrie: Bei Piwdenmasch in Dnipro wurden Weltraumraketen und
       Satelliten zusammengeschraubt, in den Antonow-Werken die größten Flugzeuge
       der Welt. In Charkiw liefen Panzer vom Band und in den Werften von
       Mykolajiw wurden Flugzeugträger und Kreuzer zu Wasser gelassen.
       
       Binnen einer Generation gingen die Produktionskapazitäten der
       Staatskonzerne weitgehend vor die Hunde. Seit der russischen Invasion in
       der Ukraine aber sind inzwischen mehr als 1.000 neue Rüstungsunternehmen
       entstanden, davon über 90 Prozent private Gründungen.
       
       Die Ukraine gilt wegen ihrer Kampferfahrungen und der Zusammenarbeit von
       Armeeeinheiten und Rüstungsfirmen als weltweit führend beim Bau von
       [1][fliegenden Drohnen] und Wasserdrohnen. Aber auch bei fahrbaren
       Robotern, die im Krieg sogar russische Stellungen so beschossen haben, dass
       russische Soldaten gefangen genommen und auf den ferngesteuerten Fahrzeugen
       abtransportiert wurden. Auch Haubitzen, gepanzerte Fahrzeuge und inzwischen
       auch erste ballistische Raketen werden im Land produziert.
       
       „Unsere Vorteile sind offensichtlich: unbemannte Systeme in allen Domänen,
       elektronische Kriegsführung und – das Wertvollste von allem – Kampfdaten“,
       meint Daria Janijewa, Präsidentin von Defence Builder, einem
       Zusammenschluss von Produzenten und Venture Capital Firmen. „Dieser Vorteil
       wurde bereits bezahlt, zu einem Preis, den kein anderes Land wird
       wiederholen wollen. Und genau dafür sind die internationalen Partner
       bereit, zu zahlen – mit Aufträgen, Joint Ventures und Investitionen.“
       
       ## Mehr Produktionskapazitäten als die Ukraine Waffen kauft
       
       Deutsche Rüstungsriesen wie Rheinmetall und Leopard-Panzer-Bauer KNDS haben
       bereits Joint Ventures mit ukrainischen Rüstungsfirmen gegründet. Das
       Münchner Start up Quantum Systems hat mit dem ukrainischen
       Drohnenhersteller Frontline Industries ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau
       unbemannter Fluggeräte gegründet. ARX Robotics entwickelte den fahrbaren
       Roboter „Combat Gereon“ gemeinsam mit dem ukrainischen Unternehmen
       Frontline.
       
       Darüber hinaus gibt es weitere deutsch-ukrainische Kooperationen und die
       Bundesregierung finanziert die Beschaffung sowohl bei deutschen als auch
       bei ukrainischen Firmen für die ukrainische Armee – ein Modell, das
       ausdrücklich als Joint-Venture-Programm ausgebaut werden soll.
       
       2025 produzierte die ukrainische Wehrindustrie Rüstungsgüter für 13,1
       Milliarden Dollar, laut dem Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat
       (RNBO) in Kyjiw fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Insgesamt habe der
       ukrainische Rüstungssektor Produktionskapazitäten von 55 Milliarden Dollar
       – nur hat die Regierung nicht genügend Mittel, um in diesem Umfang
       ukrainisches Militärgerät zu ordern.
       
       Im Juli hatte die Regierung nach langem Drängen Rüstungsexporte generell
       erlaubt. Doch bis heute wurde keine einzige Exportlizenz erteilt. Bisher
       besteht Kyjiw darauf, dass die Waffen im Land bleiben – für den Krieg gegen
       Russland.
       
       ## Kriterien für Waffenexporte der Ukraine noch immer unklar
       
       Ukrainische Hersteller indes argumentieren, sie könnten viel mehr
       produzieren, als die Regierung für die Armee kaufen könne. Mit den
       Exporterlösen kämen Steuern – auch für mehr Beschaffungen – ins Land und
       Geld für die Expansion der Rüstungsbetriebe.
       
       Laut Anastasija Mischkina, Direktorin des Verteidigungsindustrie-Verbandes
       Tech Force in UA, sei unter anderem noch immer nicht geregelt, in welche
       Länder geliefert werden dürfe, und welche Rüstungsgüter grundsätzlich zu
       kritisch seien für den Export. Der Binnenmarkt aber reiche nicht aus, um
       alle Produktionskapazitäten auszulasten.
       
       Hinzu komme, klagt Tetjana Uzhvyj vom Drohnenbauer BlueBird Tech, dass bei
       Ausfuhren von Drohnen 20 Prozent Exportabgaben fällig werden sollen, bei
       Teilen sogar 30 Prozent. Das fresse gerade bei Komponenten die
       Kostenvorteile gegenüber chinesischen Produkten weitgehend auf, die Ukraine
       verliere ihre Konkurrenzfähigkeit. Dabei müsse die Ukraine vor allem zügig
       dafür sorgen, sich von chinesischen Teileimporten unabhängig zu machen,
       heißt es aus dem Technologieministerium.
       
       4 Oct 2026
       
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