# taz.de -- Einstieg bei Rüstungskonzern: Staat will bald Bundes-Panzer bauen
> Die Regierung denkt über Einstieg bei Leopard-2-Bauer KNDS nach. Der
> Rüstungskonzern ist strategisch wichtig, aber Investoren bevorzugen
> andere Waffen.
(IMG) Bild: KNDS baut auch den Radpanzer „Boxer“
Deutschland steht vor dem Einstieg beim Rüstungskonzern KNDS. Das
deutsch-französische Unternehmen habe für die Sicherheitsinteressen
Deutschlands große Bedeutung, heißt es dazu aus dem
Bundeswirtschaftsministerium. „Zum Schutz der verteidigungsindustriellen
Schlüsseltechnologie im gepanzerten Fahrzeugbau“ prüfe die Bundesregierung
„den Erwerb von Anteilen auf Augenhöhe mit Frankreich“.
Zwar befindet sich die Rüstungsindustrie in Europa und weltweit derzeit in
einer Boomphase, doch das Beispiel KNDS zeigt, dass sich die Kriegsführung
auch rasant wandelt. Das Unternehmen mit 11.000 Mitarbeitern und einem
Umsatz von 4,4 Milliarden baut vor allem Panzer und Radfahrzeuge für
militärische Zwecke, zum Beispiel den von der Bundeswehr genutzten Leopard
2, den Schützenpanzer Puma oder die Panzerhaubitze 2000. Es profitiert von
der weltweiten Aufrüstung: Der Auftragsbestand lag Ende 2025 bei 33
Milliarden Euro, 38 Prozent mehr als im Vorjahr.
Es gibt aber einen Bereich in der Verteidigungsindustrie, der derzeit
Investor*innen weltweit noch lukrativer erscheint: [1][Drohnen],
Luftabwehr und ferngesteuerte Raketensysteme. Seit Ende vergangenen Jahres
befinden sich die Aktien von Herstellern traditioneller Rüstungsgüter wie
Thales, BAE Systems, Hensoldt oder Renk, die nach der „Zeitenwende“ und
gestiegenen Verteidigungsetats stark angezogen waren, wieder im Sinkflug.
Allein die Aktien von Deutschlands größtem Rüstungskonzern Rheinmetall
haben seit Jahresbeginn etwa 50 Prozent ihres Werts verloren.
Der Grund: Hersteller ferngelenkter Waffensysteme versprechen noch viel
mehr Rendite als Hersteller schweren Geräts. Berichte über eine
[2][Nato-Übung in Estland], bei der zehn ukrainische Drohnenpiloten zwei
Nato-Bataillone besiegten, also eine vielfache Übermacht, sorgten Anfang
des Jahres für Aufsehen. Auch der Ende Februar gestartete Irankrieg stellt
für viele in der Branche die Frage, wie wichtig „klassisches“
Kriegsmaterial in künftigen Auseinandersetzungen noch sein kann.
## Börsengang mehrfach verschoben
Aktuell halten der französische Staat und die in der Wegmann-Holding
zusammengeschlossenen deutschen Eigentümerfamilien jeweils 50 Prozent an
dem Unternehmen. Doch die deutschen Privatiers wollen verkaufen. Durch
einen Börsengang sollte Deutschland bislang einen Anteil von 40 Prozent
übernehmen, der französische Part gleichzeitig auf 40 Prozent sinken. Die
übrigen 20 Prozent der Anteile sollten an den Börsen in Paris und Frankfurt
am Main verkauft werden.
Aber der Börsengang wurde bereits mehrfach verschoben. Hintergrund ist das
schwierige Marktumfeld für klassische Rüstungsaktien. Die deutschen
Eigentümerfamilien sehen laut [3][Handelsblatt] aktuell keine Chance, mit
dem Börsengang wie erhofft mindestens 15 Milliarden Euro zu erlösen. Um
eine französische Dominanz oder den Einstieg anderer unliebsamer Eigentümer
beim Panzerbauer mit acht Standorten in Deutschland zu verhindern, muss der
Bund offenbar mehr Geld als gedacht in die Hand nehmen.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte für den ursprünglich geplanten
Kauf von 40 Prozent der Anteile im Sommer bereits eine außerplanmäßige
Ausgabe von bis zu 7,2 Milliarden Euro freigegeben. Der Bund hält bereits
Anteile am Radar- und Sensorikhersteller Hensoldt und am Luftfahrtkonzern
Airbus, der auch eine Militärsparte hat. Eine Entscheidung wird in den
kommenden Wochen erwartet.
16 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ukrainische-Ruestungsindustrie/!6218651
(DIR) [2] https://www.n-tv.de/politik/Nato-Bataillone-bei-Manoever-besiegt-Ukrainer-offenbart-ihre-Schwaechen-id30382828.html
(DIR) [3] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutschland-warum-die-regierung-panzerbauer-knds-zum-staatskonzern-machen-will/100262032.html
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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