# taz.de -- AfD-Besuch in Österreich: Nachhilfe in Sachen Machtergreifung
       
       > Eine Delegation der AfD Sachsen-Anhalt trifft sich zum Meinungsaustausch
       > mit Kollegen der rechtsextremen FPÖ. Deren Chef Herbert Kickl ist voller
       > Lob.
       
 (IMG) Bild: Die AfD erhofft sich Regierungsnachhilfe von der AfD. Herbert Kickl bei einem FPÖ- Festakt unter dem Motto: Aufbruch zur Spitze
       
       Regierungsnachhilfe in Österreichs Hauptstadt Wien: [1][Am Dienstag hat
       eine sechsköpfige Delegation der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt
       hochrangige Kollegen von der FPÖ besucht]. Dabei trafen auch
       AfD-Landesparteichef Ulrich Siegmund und FPÖ-Chef Herbert Kickl
       aufeinander. Inhalte zum Treffen wurden nicht bekannt, eine Pressekonferenz
       gab es nicht.
       
       Man habe sich ausgetauscht, „um wertvolle Erfahrungswerte für die
       bevorstehende Regierungsarbeit zu sammeln“, schrieb die AfD-Fraktion
       Sachsen-Anhalt in den sozialen Medien. Was die beiden Parteien verbinde?
       „Die Liebe zu unserer Heimat und die Überzeugung, dass Politik wieder
       konsequent für die eigenen Bürger gemacht werden muss“, so Kickl. Es
       brauche einen „echten Systemwechsel“, darüber sei man sich einig. Der
       gemeinsame Austausch sei „wirklich gut und wertschätzend“ gewesen.
       
       Kürzlich klang das noch ein wenig anders. Im ORF-Sommergespräch am Tag nach
       der Wahl in Sachsen-Anhalt wies Kickl die Bezeichnung „Schwesterpartei“
       gereizt zurück: Wer davon spreche, solle ihm „sagen, wer die gemeinsamen
       Eltern sind“. Es gebe Gemeinsamkeiten, aber auch „viele Unterschiede“.
       Konkret nannte er nur die Atomkraft, die in Österreich ohnehin keine Rolle
       spielt. Schnittmengen gebe es hingegen bei Asyl, Zuwanderung,
       Energiepolitik. Den AfD-Sieg feierte er in derselben Sendung als
       „demokratische Sternstunde“.
       
       Dass sich die FPÖ zuvor ein Stück weit distanziert hatte, spielte Siegmund
       im österreichischen Boulevardsender oe24 herunter. Bei CDU und CSU handle
       es sich um eine Schwesternschaft, nicht aber bei FPÖ und AfD, die aus
       unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen kämen. Siegmund:
       „Wir unterstützen uns gegenseitig, weil wir ein gemeinsames Ziel haben.“
       Ganz ähnlich argumentierte die FPÖ: Ein Naheverhältnis wie bei CDU/CSU
       bestehe nicht. Der Kontakt zwischen den beiden Parteien sei dennoch
       freundschaftlich.
       
       ## Harte Asyl- und Zuwanderungspolitik
       
       Inhaltlich liegen beide dennoch eng beieinander. Sie setzen auf eine harte
       Asyl- und Zuwanderungspolitik, haben den rechtsextremen Kampfbegriff
       „Remigration“ in ihre Wahlprogramme übernommen und lehnen eine ehrgeizige
       Klimapolitik ab. Unterschiede zeigen sich im Detail: Die AfD will raus aus
       dem Euro und zurück zur Atomkraft, die FPÖ nicht. Im EU-Parlament sitzen
       sie in unterschiedlichen Fraktionen.
       
       Strategisch ist die 1956 gegründete FPÖ der AfD voraus. Nach Jahrzehnten
       voller Höhen und Tiefen ist die FPÖ längst zur dritten Großpartei geworden.
       Bei der Nationalratswahl 2024 wurde sie mit knapp 29 Prozent
       stimmenstärkste Partei. Sie regiert zudem in fünf Bundesländern mit, [2][in
       der Steiermark stellt sie gar den Landeshauptmann]. Eine Brandmauer gab es
       in Österreich ohnehin nie.
       
       Genau dieses Know-how sucht die AfD. Es reiche nicht, Wahlsieger zu sein,
       man brauche auch „das handwerkliche Rüstzeug“, so Ko-Fraktionschef Oliver
       Kirchner. Man wolle lernen, welche Fehler zu vermeiden seien, kopieren
       wolle man die FPÖ aber nicht, sagte Siegmund gegenüber oe24. Kickl
       bezeichnete er „definitiv“ als sein politisches Vorbild.
       
       ## Neue Erfolgsgeschichten
       
       Für beide kommt der Schulterschluss gelegen: Mit Ungarns früherem
       Ministerpräsidenten Viktor Orbán ist ihnen nach dessen Wahlniederlage ihr
       erfolgreichster Verbündeter in Europa abhandengekommen. Neue
       Erfolgsgeschichten liefert nun die AfD – jedenfalls bis zu den erhofften
       FPÖ-Wahlerfolgen in Oberösterreich und Tirol in einem Jahr.
       
       Das Treffen nützt beiden: Die FPÖ kann sich als Vorreiterin präsentieren
       und zugleich auf der Erfolgswelle der AfD mitschwimmen. Die AfD schmückt
       sich mit einer Partei, die längst etabliert ist und mitregiert. Gemeinsame
       Projekte oder Inhalte braucht es dafür gar nicht. Es reichen Fotos
       strahlender Parteichefs und ein paar knappe Zeilen auf Social Media.
       
       23 Sep 2026
       
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