# taz.de -- Pressesprecher AfD-Fraktion Thüringen: Der Rechte aus Österreich
       
       > Früher war Hans-Jörg Jenewein ein Funktionär am rechten Rand der FPÖ. Nun
       > hat er einen neuen Job bei der AfD-Fraktion in Thüringen.
       
 (IMG) Bild: AfD-Pressekonferenz am 29. Oktober im Thüringer Landtag in Erfurt mit Hans-Jörg Jenewein (links) und Björn Höcke
       
       Der neue Pressesprecher der AfD in Thüringen ist kein Unbekannter:
       Hans-Jörg Jenewein war lange Politiker der FPÖ, saß im österreichischen
       Parlament und verschwand dann von der Bildfläche. Als er seinen neuen Job
       im AfD-Landesverband von Björn Höcke beginnt, berichten deutsche und
       österreichische Medien über seine Vergangenheit – und über ein aktuell noch
       nicht rechtskräftiges Urteil.
       
       Von 2010 bis 2019 saß Jenewein für die Freiheitliche Partei Österreichs
       (FPÖ) abwechselnd in Nationalrat und Bundesrat. Gegen Ende seiner Laufbahn
       als Abgeordneter widmete sich Jenewein der Arbeit im parlamentarischen
       Untersuchungsausschuss über politische Einflussnahme beim österreichischen
       Verfassungsschutz (BVT). Im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit wurde ihm vor
       dem Wiener Straflandesgericht der Prozess gemacht.
       
       Jenewein soll eine frühere Mitarbeiterin von [1][Ex-Innenminister Herbert
       Kickl (FPÖ)] angewiesen haben, geheime Unterlagen zu beschaffen. Diese
       enthielten Details über Personen, die an Zusammenkünften internationaler
       Sicherheitsbehörden teilgenommen hatten. Als Ermittler Jeneweins Wohnung
       durchsuchten, [2][fanden sie zudem einen Schlagring, Munitionsteile sowie
       Handyfotos mit NS-Bezug].
       
       Das [3][Gericht sah es als erwiesen an], dass Jenewein gegen
       waffenrechtliche Bestimmungen verstoßen und seine Amtsbefugnisse
       missbraucht hatte. Das Urteil: ein Jahr [4][bedingte Haft]. Aber noch ist
       das Urteil nicht rechtskräftig. Das Verfahren geht in die zweite Instanz,
       weil Rechtsmittel eingelegt wurden. Der Oberste Gerichtshof Österreichs
       (OGH) erklärte auf Anfrage der taz, Mitte November sei mit einer
       Entscheidung zu rechnen.
       
       ## Kontakte nach ganz rechts
       
       Jenewein weist Berichten zufolge die Anschuldigungen zurück. Nachdem die
       Thüringer Allgemeine über Jenewein und das Urteil berichtet hatte, betonte
       die AfD, das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Allerdings wurde
       Jenewein bereits in einer anderen Sache rechtskräftig verurteilt: [5][2024
       wegen gefälschter Covid-Zertifikate zu 5.600 Euro Strafe].
       
       In Thüringen reagierte Niklas Waßmann, Generalsekretär des
       CDU-Landesverbands, wenig überrascht auf die neue Personalie. „Das ist kein
       Zufall – das ist System.“ Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke täusche zwar
       „die Wähler mit dem Anschein von Bürgerlichkeit“, aber er baue gezielt ein
       Team aus Leuten auf, „die ein Problem mit dem Rechtsstaat haben“, so
       Waßmann.
       
       Verurteilte sind in den Reihen der Thüringer AfD-Fraktion tatsächlich
       nichts Neues. Das fängt bei Höcke selbst an. Nachdem er bei Auftritten die
       verbotene Parole der SA verwendet hatte, brummte ihm das [6][Landgericht
       Halle eine fünfstellige Geldstrafe] auf. Im September hat der
       Bundesgerichtshof das Urteil bestätigt: Es ist damit rechtskräftig und
       Höcke gilt als vorbestraft. Auch die Parlamentarische Geschäftsführerin
       [7][Wiebke Muhsal und der Fraktionssprecher für Petitionen, Torsten
       Czuppon], wurden in den vergangenen Jahren zu Geldstrafen verurteilt.
       
       Ähnlich wie Waßmann äußerte sich auch der Co-Vorsitzende der Linken, Rolf
       Plötner. „Mit der Einstellung von Hans-Jörg Jenewein als Pressesprecher der
       Fraktion erhält ihre rechtsradikale Propagandamaschinerie neuen Auftrieb.“
       Mit seinen Kontakten nach ganz rechts außen und seiner Herkunft aus dem
       Milieu der Burschenschaften sei Jenewein prädestiniert für die Aufgabe.
       
       Auf Fragen der taz dazu antwortete Jenewein nicht. Doch über seine
       Vorgeschichte ist öffentlich viel bekannt.
       
       ## Die rechte Hand Herbert Kickls
       
       Hans-Jörg Jenewein, geboren 1974 in Wien, ist laut Dokumentationsarchiv des
       österreichischen Widerstandes (DÖW) als langjähriger Akteur in
       rechtsextremen Netzwerken bekannt. Der „Alte Herr“ der fachstudentischen
       Burschenschaft Nibelungia Wien publizierte ab 2004 wiederholt in der
       rechtsextremen Zeitschrift Die Aula, die vom DÖW als rechtsextreme
       Organisation eingestuft wird.
       
       Als Referent trat Jenewein bei sogenannten [8][Lesertreffen] des
       geschichtsrevisionistischen Verlagsimperiums von Dietmar Munier auf. Im
       Februar und März 2013 war der damalige Wiener FPÖ-Landesparteisekretär als
       Redner bei zwei dieser Veranstaltungen geladen. Mit dabei unter anderem der
       neurechte Verleger Götz Kubitschek und der rechtsextreme Liedermacher Frank
       Rennicke.
       
       Im Hotelfoyer wurden laut Berichten Bücher über die Waffen-SS, die
       sogenannte Kriegsschuldlüge und Werke des verurteilten Holocaust-Leugners
       David Irving angeboten. Der schleswig-holsteinische Verfassungsschutz
       stufte Muniers Verlagsgruppe als einen der „bedeutendsten Verlage dieser
       Art in Deutschland“ ein.
       
       In seiner Heimat Österreich durchlief Jenewein eine bewegte politische
       Karriere in der FPÖ. Er begann während der schwarz-blauen Koalition Anfang
       der 2000er als Referent in der Pressestelle der Wiener FPÖ, die er von 2006
       bis 2015 leitete. Als Abgeordneter galt er als [9][rechte Hand des heutigen
       FPÖ-Chefs Herbert Kickl].
       
       Berichten zufolge ist [10][Jenewein 2022 wegen eines internen Konfliktes
       aus der FPÖ ausgetreten]. Wurde Jenewein der selbst rechtsradikalen FPÖ gar
       zu extrem? Kam er durch die Ermittlungen derart in Misskredit, dass er nun
       zur AfD ausweichen musste? Die FPÖ-Bundespartei ließ eine Anfrage
       unbeantwortet. Von der FPÖ-Parlamentsfraktion heißt es lapidar: „Wir
       wünschen Herrn Jenewein für seine persönliche Zukunft alles Gute. In seiner
       beruflichen Entscheidung sehen wir keinerlei Grundlage zur Beantwortung
       ihrer übermittelten Fragen.“
       
       30 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /FPOe-Chef-Herbert-Kickl-entzaubert/!6074771
 (DIR) [2] https://orf.at/stories/3354409/
 (DIR) [3] https://www.derstandard.at/story/3000000293490/fp-mann-jenewein-fungiert-als-sprachrohr-fuer-afd-mann-hoecke
 (DIR) [4] https://www.oesterreich.gv.at/de/lexicon/B/bedingte-strafe
 (DIR) [5] https://www.derstandard.de/story/3000000248913/gefaelschte-covid-zertifikate-hoehere-geldstrafen-fuer-hafenecker-und-jenewein
 (DIR) [6] /Urteil-gegen-AfD-Politiker/!6009855
 (DIR) [7] /Rechtsextreme-im-Landtag/!6031132
 (DIR) [8] https://www.endstation-rechts.de/news/konspiratives-lesertreffen
 (DIR) [9] /Regierungsbildung-in-Oesterreich/!6056901
 (DIR) [10] https://www.sueddeutsche.de/politik/oesterreich-fpoe-jenewein-machtkampf-1.5635824
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Florian Bayer
 (DIR) David Muschenich
       
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