# taz.de -- Minister soll Österreichs SPÖ führen: Kompetent und beliebt
> Österreichs Finanzminister Markus Marterbauer soll Andreas Babler an der
> Spitze der österreichischen Sozialdemokraten beerben. Er ist trotz seines
> Sparkurses beliebt.
(IMG) Bild: Ein der klügsten Köpfe im Kabinett: Finanzminister Markus Marterbauer folgt auf SPÖ-Chef und Vizekanzler Babler
Vor wenigen Tagen hatte er einen Wechsel noch in Abrede gestellt, doch es
kam anders: Österreichs Finanzminister Markus Marterbauer soll Anfang 2027
den glücklosen Andreas Babler ablösen. Zunächst als Vizekanzler, später
voraussichtlich auch als Parteichef. Bis dahin bleibt Babler an der Spitze,
flankiert von zwei Co-Parteichefs, die ihm zur Seite gestellt werden.
Minister für Medien, Sport und Wohnen soll Babler auf Wunsch Marterbauers
auch darüber hinaus bleiben.
Das ist die Lösung, die am Sonntagabend nach stundenlangen Beratungen
gefunden wurde. Der von Anfang an umstrittene, dezidiert linke Babler
geriet angesichts schlechter Umfragewerte [1][zunehmend unter Druck]. Nur
mehr 15 Prozent weisen die Umfragen der einst staatstragenden
Sozialdemokratie aus. Im Bund wird regulär zwar erst 2029 gewählt, doch in
einem Jahr stehen in Oberösterreich und Tirol zwei heikle Landtagswahlen
an. Ausgelöst wurde die aktuelle Rochade schließlich durch den
Medienmanager Gerhard Zeiler, der sich in einem Interview für die
SPÖ-Spitze anbot und so für eine neuerliche Führungsdebatte sorgte. Mit
seinem unkoordinierten Vorstoß nahm sich der 71-jährige Zeiler jedoch
selbst aus dem Rennen.
Nun soll es also Marterbauer richten. Es gibt jedoch ein großes Aber: Der
61-Jährige unterzieht sich derzeit einer Krebsbehandlung. Auf seine Arbeit
als Finanzminister, in Zeiten der Wirtschaftskrise ohnehin kein Leichtes,
hat Marterbauers Erkrankung bisher zwar keinen erkennbaren Einfluss. Einen
Wechsel an die Parteispitze schloss er bisher aber mit Verweis auf seine
Genesung aus.
Aus strategischer Sicht ergibt der Wechsel durchaus Sinn: Marterbauer gilt
als einer der [2][kompetentesten Köpfe der Bundesregierung]. Der Volkswirt
forschte unter anderem in Wien und Toronto, bevor er 2011 Chefökonom der
Arbeiterkammer Wien wurde. 2025 machte ihn Babler zum ersten
SPÖ-Finanzminister seit 25 Jahren. Marterbauer ist seit über 40 Jahren
SPÖ-Mitglied und bekennender Keynesianer, dem soziale Gerechtigkeit ein
Kernanliegen ist. Er tritt für Vermögens- und Erbschaftssteuern ein, die es
aber [3][nicht ins Regierungsprogramm] mit der konservativen ÖVP und den
liberalen Neos geschafft haben.
## Das Steuer-Versprechen brach er
Umfragen zufolge ist der sympathisch auftretende Marterbauer das
beliebteste Regierungsmitglied. Trotz des [4][Sparkurses, den er aktuell
fahren muss]. Und trotz der missglückten Versuche, die Teuerung zu
bekämpfen: Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel kam kaum
bei den Konsumenten an, ebenso wenig die Begrenzung der Sprit-Gewinnmargen.
Das Versprechen, keine neuen Steuern einzuführen, brach er mit der neuen
Paketsteuer bei Onlinehändlern. Sie soll helfen, den stationären Handel zu
beleben, was Experten jedoch bezweifeln. Marterbauer appellierte zwar an
die Händler, die Abgabe selbst zu tragen, das funktioniert aber
augenscheinlich nicht.
Werden die Sozialdemokraten nun endlich zur Ruhe kommen? Wohl nein. Die SPÖ
müsste dringend über ihre Positionen sprechen, statt nur über Köpfe. Das
sieht auch Marterbauer so: Wann immer er bei Auftritten sage, die
anhaltende Personaldiskussion behindere die SPÖ am meisten, gebe es
„donnernden Applaus“.
Marterbauer ist zwar kompetent und beliebt, wird aber alleine die Partei
nicht retten können. Ein Fortführen der Regierungsarbeit ist jedenfalls
unbedingt geplant, trotz aller Buhrufe der rechtsradikalen FPÖ und der
Boulevardmedien.
5 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
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