# taz.de -- Parteisender in Österreich: Propagandaradio für Patrioten
> Mit „Austria First“ baut die FPÖ ihr Medienuniversum aus. Das ist
> Propaganda getarnt als Journalismus – und eine Gefahr für Medien und
> Demokratie.
(IMG) Bild: „Austria First“ – Bedenken second. Die FPÖ stellte den neuen Sender beim Neujahrsempfang vor, Klagenfurt, 17. Januar 2026
Die Geste hätte größer kaum sein können: 5.000 Anhänger beim
Neujahrstreffen der Freiheitlichen Partei (FPÖ) in der Klagenfurter
Messehalle, ein pompöser Countdown und mittendrin Parteichef Herbert Kickl,
der den Buzzer für „Österreichs Patriotenradio“ drückt. Mit dem Start von
„Austria First“ am Samstag baut die rechtsextreme FPÖ ihr
Parallel-Medienuniversum weiter aus.
Neben FPÖ-TV mit 242.000 Abonennten, der Neuen Freien Zeitung und starker
Social-Media-Präsenz verfügt die Partei nun über einen
24-Stunden-Radiosender. Man wolle „ungefiltert unsere politischen Inhalte
direkt zu den Bürgern bringen“, sagte FPÖ-Generalsekretär Christian
Hafenecker. Neben viel Musik gebe es „echte Nachrichten statt linker
Meinungsmache“, so die Selbstbeschreibung des neuen Senders.
Warum die Gründung eines weiteren Parteisenders bedenklich ist, zeigt ein
Blick ins Programm schnell: Im ersten „Journal“ um 12 Uhr geht es
ausführlich um den FPÖ-Parteitag mit zahlreichen Beglückwunschungen zum
Sendestart. Andere Nachrichten werden nicht berichtet, es folgt der
Wetterbericht. Während die Senderwebsite wenigstens ein Impressum listet,
in dem die FPÖ als Betreiber erkennbar ist, fehlt ein solches in der App
komplett.
Was unter dem Deckmantel des Journalismus daherkommt, ist plumpe
Propaganda: die systematische Delegitimierung etablierter Medien bei
gleichzeitigem Aufbau eigener Kanäle. Kickl bezeichnete in im neuen Sender
„Systemmedien“ als „Gehirnwäsche“ und sein Gegenprogramm zum „linken
Zeitgeist“ und „Genderwahnsinn“. Und er bekräftigte seinen Wunsch,
„Volkskanzler“ zu werden – ein Begriff, den auch schon die Nazis benutzt
hatten.
## Kein neutraler Radiomacher
Nicht weniger als 13 Moderator:innen gönnt sich der neue Sender zum
Start. Programmchef Werner Reichel, auch selbst am Mikrofon, ist kein
neutraler Radiomacher. Der Publizist schrieb etwa für die
verschwörungstheoretische Zeitschrift Kopp exklusiv und die
deutschnationale Zur Zeit. Zudem ist er Geschäftsführer des Buchverlags
„Frank & Frei“, wo Titel wie „Und die Schwurbler hatten doch recht“, und
„Der deutsche Willkommenswahn“ erschienen. Seine neue Mission sei ein
Sender, „der ausschließlich auf die Interessen und Wünsche der Mehrheit der
Österreicher zugeschnitten ist.“ Nachsatz: „Im heimischen linken
Mediensumpf gab es das bisher nicht.“
„Austria First“ ist dabei nur die Spitze einer beunruhigenden Entwicklung.
In Österreich erleben Parteimedien eine Renaissance, [1][während
unabhängiger Journalismus ums Überleben kämpft.] Im November 2025 startete
die SPÖ, die aktuell mit Andreas Babler den Medienminister stellt, ihren
Youtube-Kanal „SPÖ 1“. Der Sender ist ein Nischenprogramm, doch das Signal
ist fatal: Während der österreichische Journalismus tief in der Krise
steckt, befördert eine Regierungspartei die ohnehin schon übergroße
PR-Schwemme.
Längst betreiben auch alle Parlamentsparteien eigene Onlinezeitungen: die
ÖVP mit „Zur Sache“ (seit 2021), die SPÖ mit „Kontrast“ (2016), die Grünen
mit „Freda“ (2022) und die Neos mit „Materie“ (2022). Doch in Sachen
Professionalität und Reichweite kann der FPÖ niemand das Wasser reichen.
Sie setzte früher und intensiver als die Konkurrenz auf digitale Kanäle.
[2][Etablierten Medien hingegen steht sie kaum noch Rede und Antwort] – sie
braucht sie schlicht nicht mehr.
Diese Entwicklung ist demokratiepolitisch bedenklich. Journalistische
Redaktionen müssen kritisch hinterfragen und verschiedene Perspektiven
präsentieren, Parteimedien verbreiten ihre Botschaften ungestört. Sie
brauchen keine Werbekunden und keine Abonnenten, denn die Partei zahlt.
Kaum irgendwo wird das deutlicher als bei dem neuen Radiosender der FPÖ.
Austria First macht die ohnehin schon enge Echokammer noch mal lauter.
19 Jan 2026
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