# taz.de -- Regelanfrage beim Verfassungsschutz: Hamburg durchleuchtet sein Personal
> Binnen eines Monats ließ Hamburg über 4.000 Personen vom
> Verfassungsschutz überprüfen. Es gab fünf Treffer, darunter ein Islamist
> und ein Linksextremist.
(IMG) Bild: Kritik an der Regelanfrage gab es im Vorfeld viel: Demo gegen die Einführung im Juni in Hamburg
In Hamburg ist seit dem 1. August [1][die umstrittene Regelanfrage beim
Verfassungsschutz] über Bewerber für den öffentlichen Dienst in Kraft. Wie
aus der Senatsantwort auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, wurden
[2][allein im ersten Monat Anfragen zu 4.049 Personen gestellt]. In fünf
Fällen gab es sogenannte „Treffer“. Dem Landesamt für Verfassungsschutz
(LfV) lagen demnach „Erkenntnisse zu der jeweiligen Person“ vor.
Die taz hatte bereits zuvor aus Lehrerkreisen erfahren, dass es bei der
Bildungsbehörde einen ersten „Treffer“ gegeben haben soll. Deren Sprecher
Peter Albrecht mauerte allerdings und erklärte, seine Behörde äußere sich
nicht zu Einzelfällen, bei denen die Regelanfrage zu einem Verdacht führe.
Laut der Senatsantwort betrafen drei Treffer die Bildungsbehörde, ein
Treffer die auch für die Bezirke zuständige Finanzbehörde und ein Treffer
die Wirtschaftsbehörde.
Bisher liegen in zwei der fünf Fälle sogenannte „Behördenzeugnisse“ des
Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) vor, in denen dieses seine
Erkenntnisse darlegt. Davon, so schreibt nun der Senat, sei „ein Fall dem
Islamismus zuzuordnen, ein Fall dem Linksextremismus“. In den drei weiteren
Fällen seien diese Zeugnisse des Verfassungsschutzes noch „in Bearbeitung“.
Bisher wurde eine Person zu den Vorwürfen angehört. Eine Entscheidung stehe
noch aus, so der Senat.
Die Anfrage schlüsselt detailliert auf, in welchen städtischen
Institutionen und Bereichen es zu den Überprüfungen kam. Dabei zeigt sich
ein deutlicher Schwerpunkt im Bildungs- und Wissenschaftssektor, der den
Großteil aller Anfragen ausmacht. Aber auch bei den Sicherheitsbehörden, in
der Justiz, den Bezirksämtern sowie verschiedenen Landesbetrieben wurden
zahlreiche Überprüfungen veranlasst.
Es sei auffällig, dass 60 Prozent der Anfragen den Bildungsbereich
betreffen, sagt der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Deniz
Çelik: „Der Senat hat damit ein massenhaftes Überprüfungsverfahren
eingeleitet, das weit über besonders sicherheitsrelevante Bereiche
hinausgeht.“ Er erinnert daran, dass Hamburgs Datenschutzbeauftragter vor
einer solchen anlasslosen und flächendeckenden Einbeziehung des
Verfassungsschutzes gewarnt hat. „Diese Zahlen verstärken die Zweifel
daran, dass ein derart weitreichender Eingriff noch verhältnismäßig ist“,
so Çelik.
Laut Senat verändert die Regelanfrage die Voraussetzungen für Einstellungen
„nicht grundsätzlich“. Das Verfahren sei gestartet und verlaufe
„planmäßig“.
## Auch bei Beförderungen und Versetzungen überprüft
Im Vorfeld war es unter anderem [3][von den Gewerkschaften] scharf
kritisiert worden. [4][Denn die Überprüfung betrifft in Hamburg nicht nur
Beamte], sondern alle Angestellten und auch studentische Hilfskräfte. Zudem
wird die Anfrage nicht nur einmalig bei der Einstellung gestellt, sondern
auch bei anderen „Personalmaßnahmen“ wie Beförderungen und Versetzungen.
Laut der Anfrage der Linken wird dies nun tatsächlich so umgesetzt. Von den
rund 4.049 Anfragen wurden 2.341 wegen einer Einstellung in den
öffentlichen Dienst, 677 wegen der Ernennung zum Beamten auf Probe und 420
wegen der Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit gestellt.
Bei 475 Anfragen stand jedoch lediglich die Verlängerung eines
Arbeitsvertrags an und bei 35 eine Versetzung in eine andere Abteilung. Bei
28 Anfragen ging es um eine Entfristung des Arbeitsvertrags, bei 13 um eine
Umsetzung und bei 17 weiteren um die Übernahme eines Auszubildenden.
23 Sep 2026
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