# taz.de -- Regelanfrage beim Verfassungsschutz: Grüne haben eine zu fette Kröte geschluckt
> Mit der Regelanfrage beim Verfassungsschutz beschloss Rot-Grün in Hamburg
> ein Revival des Radikalenerlasses. Das hätte nicht passieren dürfen.
(IMG) Bild: Duckmäusertum befürchtet: Demonstrant in Hamburg gegen die Regelanfrage
Hamburgs Bürgerschaft hat mit den Stimmen von SPD, Grünen und CDU gut 30
Jahre nach Beendigung des Radikalenerlasses wieder für eine Regelabfrage
beim Verfassungsschutz gestimmt. Nur einige grüne Abgeordnete leisteten
dezenten Protest, indem sie den Saal verließen. Damit ist klar: Künftig
wird vom Verfassungsschutz durchleuchtet, wer bei der Stadt arbeiten
möchte, vom Schulhausmeister bis zur Hochschullehrerin.
Besonders enttäuscht dürften die Wähler der Grünen sein. Die Öko-Partei
galt doch mal als Verfechterin der Bürgerrechte. Und auch im aktuellen
Wahlprogramm stand nichts von diesem Gesetz. Da tröstet es nicht, wenn
einige als symbolische Geste den Saal verlassen. Dieses Vorhaben hätte
niemals Gesetz werden dürfen.
Als Beschwichtigung hört man an der grünen Basis, dass es diesmal – anders
als in den 1970er-Jahren, als es ausgehend von Hamburg die Regelanfrage
schon einmal gab – nicht gegen Linke eingesetzt werden solle. Das habe der
Senat versprochen. Sondern gegen Islamismus und Rechtsextremismus.
Dazu sei gesagt, dass die rund 50 Islamisten, die vor zwei Jahren auf einer
Demo mit dem Motto „Kalifat ist die Lösung“ auffielen, ja auch ohne dieses
Gesetz aufgespürt wurden. Und zum Thema Rechtsextreme lässt sich anmerken,
dass die Hamburger AfD im Verfassungsschutzbericht nicht auftaucht, weil
sie hier nicht beobachtet wird. Sucht man nach ihrem Kürzel, findet man es
dort nur in der Auflistung von Anti-AfD-Aktionen.
## Schon die Ankündigung hatte einschüchternde Wirkung
Um zu glauben, dass es diesmal nicht die Linke trifft, braucht man sehr
viel Vertrauen in den Machtapparat des Staates. Das fällt einer
Regierungspartei, wie die Grünen es seit elf Jahren in Hamburg sind, wohl
leichter als linken Gruppen in der Opposition.
Doch die Grünen haben hier eine zu fette Kröte geschluckt. Denn mit der
Regelanfrage haben sie eine gefährliche Mechanik installiert, die auch dann
weiter existiert, wenn rechtere Parteien an die Macht kommen.
Die Bürger sind den Prozessen, die da in Gang gesetzt werden, ausgeliefert.
Auf den Klageweg zu verweisen, der jedem im Zweifel bei einer
Nicht-Einstellung offen steht, ist zynisch. Einen Prozess kann sich nicht
jeder leisten und es verkennt die enormen Belastungen so eines schwebenden
Verfahrens für die Betroffenen.
Fatal ist, dass dieses Gesetz seine Wirkung schon früher entfaltet hat:
Schon die Ankündigung hat einschüchternd gewirkt. Abgesehen vom Aufstand
der Parteijugend kurz vor der Abstimmung war es auffällig, dass der Protest
verhalten blieb, die Demonstrationen wenige Hundert Teilnehmende hatten,
als trauten sich viele nicht, ihr Gesicht zu zeigen.
Zu glauben, dass es in Hamburg schon nicht linke Gruppen treffen wird, weil
der Rot-Grüne Senat dann einen Riesenaufstand der Zivilgesellschaft am Hals
hat, ist deshalb naiv.
Die Entscheidung für die Hamburger Regelabfrage haben relativ junge
Abgeordnete getroffen. Die der Grünen säßen nicht im Parlament, hätten
nicht vor 40 Jahren Menschen, denen Bürgerrechte wichtig waren, die Partei
gegründet. Und von den früheren Parteigrößen waren viele vom
Radikalenerlass der 1970er auf die eine oder andere Weise betroffen.
Ob es da genügt, einfach aufzustehen und die Sitzung zu verlassen, ist die
Frage. Ein offenes Wort wäre besser gewesen, oder gar eine Gegenstimme,
wenn man es als gewählter Abgeordneter so falsch findet, was die Partei da
beschließt.
17 Jun 2026
## AUTOREN
(DIR) Kaija Kutter
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