# taz.de -- Debatte um Krankenversicherung: Merz sorgt für Aufregung, Union verteilt Beruhigungspillen
> Mit seiner Äußerung zum ungerechten System der Krankenversicherung hat
> der Kanzler eine Debatte losgetreten. Nur der zuständige Minister
> schweigt.
(IMG) Bild: Kanzler Merz erkennt eine Ungerechtigkeit – und was macht jetzt Gesundheitsminister Linnemann (r.) daraus?
Am Montag hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sich zur Ungerechtigkeit
im Nebeneinander von gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung
(PKV) geäußert. Daran müsse man etwas ändern, sagte der Kanzler recht
überraschend. Und rüttelte damit an einer der Grundpositionen der
Christdemokraten.
Als am Dienstag darauf die Unionsfraktion tagt, bemühen sich dann andere um
Abschwächung der Kanzler-Aussagen. Während Merz den Sitzungssaal durch den
Hintereingang betritt, versucht Fraktionschef Thorsten Frei vor dem Saal,
die Worte des Kanzlers klarzustellen: Was gemeinhin interpretiert wurde,
nämlich dass das System der gesetzlichen und der privaten Krankenkassen
infrage stünde, „das ist so nicht gemeint gewesen und das wäre auch nicht
unsere Politik“. Der Kanzler habe lediglich darauf hingewiesen, dass es bei
der Gesundheitsversorgung zu Ungerechtigkeitsgefühlen komme. Und daran
arbeite man bereits: Arzttermine sollen schneller verfügbar sein.
Ähnlich hatte sich zuvor bereits CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann
geäußert: „Ich habe den Kanzler so verstanden, dass er ausdrücklich die
Terminvergabe in den Mittelpunkt gestellt hat und nicht das gesamte System
GKV und PKV auf den Prüfstand.“
Zu diesem Zeitpunkt hatte des Kanzlers Äußerung bereits eine Debatte
losgetreten, in die sich im Verlauf des Dienstags alle relevanten Akteure
einschalteten. Fast alle.
## Undurchsichtige Terminvergabe
Wenig überraschend warnte der Verband der Privaten Krankenversicherung
davor, das Nebeneinander von GKV und PKV infrage zu stellen. Der
Spitzenverband der GKV plädierte für einen zügigen und
diskriminierungsfreien Zugang zu Arztterminen für gesetzlich Versicherte
und forderte eine gesetzliche Regelung für eine tagesaktuelle
Terminplattform.
Derzeit wird ein erheblicher Teil der Facharzttermine über private
Online-Plattformen wie Doctolib angeboten – [1][mit teils undurchsichtigen
Mechanismen.] Die Wartezeit auf Facharzttermine ist für gesetzlich
Versicherte dabei [2][immer länger geworden].
Der gesundheitspolitische Sprecher des Koalitionspartners SPD, Christos
Pantazis, begrüßte die Äußerungen des Bundeskanzlers ausdrücklich. Die
Menschen müssten darauf vertrauen können, dass es bei der Finanzierung und
beim Zugang zur gesundheitlichen Versorgung gerecht zugeht, so Pantazis.
„Wenn der Versicherungsstatus darüber entscheidet, wie schnell jemand einen
Arzttermin erhält, wird dieses Vertrauen beschädigt.“
Pantazis betonte auch, dass die SPD sich seit Langem für eine
Bürgerversicherung, also eine gemeinsame Krankenversicherung für alle,
ausspreche. Auch wenn diese sicherlich weiterhin keine politische Mehrheit
finde, hofft Pantazis, dass auf Merz’ Äußerung auch Konsequenzen folgen –
etwa bei der [3][anstehenden Reform der Pflegeversicherung]. Die SPD
fordert hier einen Risikoausgleich zwischen privater und gesetzlicher
Pflegeversicherung.
## Gesundheitsminister schweigt
Still blieb dagegen der zuständige Minister Carsten Linnemann (CDU). Seit
Ende Juni ist [4][Linnemann Bundesgesundheitsminister]; er ersetzte Nina
Warken, die auf Merz’ Geheiß ins Bundeskanzleramt gewechselt war.
Auch im Bundesgesundheitsministerium wollte man sich nicht zu den Aussagen
von Kanzler Merz äußern. Ein Entwurf zur Pflegeversicherung soll noch im
September im Kabinett beschlossen werden. Ein Referentenentwurf zur
Verbesserung der ambulanten Versorgung – inklusive kürzerer Wartezeiten auf
Arzttermine – soll bis Ende des Jahres folgen.
22 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Manuela Heim
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