# taz.de -- Kritik am Kanzler: Aufstand abgesagt
       
       > In der Sitzung der Unionsfraktion gibt es nach dem Katastrophensonntag
       > Kritik am Kanzler, doch kein Scherbengericht. Der Digitalminister dreht
       > die Stimmung.
       
 (IMG) Bild: Kann erstmal wieder lachen: CDU-Chef Friedrich Merz hat mithilfe von Fraktionschef Frei, die eigenen Leute hinter sich gebracht
       
       Friedrich Merz kann erst einmal aufatmen: Die Sitzung der Unionsfraktion am
       Dienstag verlief zwei Tage [1][nach dem für die CDU katastrophalen
       Wahlsonntag] weitgehend friedlich. Nach Angaben von Teilnehmenden habe es
       zwar Kritik an Merz und seinem Erwartungsmanagement gegeben, aber die
       Revolution sei ausgeblieben. Die größere Empörung der Abgeordneten habe
       sich gegen die Linkspartei in Berlin gerichtet.
       
       Dabei hatte sich bei den 208 Abgeordneten, von denen ein Großteil direkt
       gewählt ist, einiges aufgestaut. Die CDU war in Mecklenburg-Vorpommern
       erstmals in ihrer Geschichte aus einem Landesparlament herausgewählt worden
       und musste sich in Berlin der Linken geschlagen geben. Besonders ersteres
       hat die Union erschüttert, die Attribute „desaströs“ und „einschneidend“
       sind in aller Munde. Schon nach der gleichfalls verlorenen Landtagswahl in
       Sachsen-Anhalt Anfang September hatte es medial befeuerte Spekulationen
       über einen [2][Austausch des Kanzlers] gegeben. Diese verliefen jedoch im
       Sande.
       
       Unionsfraktionschef Thorsten Frei und die frisch ins Amt gewählte Erste
       Parlamentarische Geschäftsführerin Catarina dos Santos-Wintz hatten vor der
       Fraktionssitzung den Ton gesetzt: Der Kanzler habe die Rückendeckung der
       Fraktion. Gleichlautend äußerte sich auch CSU-Landesgruppenchef Alexander
       Hoffmann.
       
       Merz habe in der Sitzung Selbstkritik geübt und demütig gewirkt, hieß es.
       In seiner Rede habe er erneut von einem „desaströsen“ Wahlergebnis
       gesprochen. Viel Applaus erhielt wohl der frühere Fraktionschef Ralf
       Brinkhaus mit einer Grundsatzkritik. Nach Angaben der Bild-Zeitung habe
       Brinkhaus der CDU ein „Glaubwürdigkeitsdefizit und ein Zukunftsdefizit“
       attestiert und eine zu eindimensionale Aufstellung. „Unsere Politik kommt
       bei den Menschen und den Unternehmen nicht an, wir sind vom Team nicht
       breit genug aufgestellt – wir haben unseren Markenkern, das Verbindende,
       verloren“, zitiert ihn die Bild.
       
       ## Jetzt mal über Sachthemen reden
       
       Die Stimmung gedreht haben, nämlich weg von der Debatte um Merz, soll aber
       Digitalminister Karsten Wildberger – der gar nicht Teil der Fraktion ist.
       Er habe in einer sehr grundsätzlichen Rede auf die gesellschaftliche
       Bedrohungslage – zwischen Linken und Rechten – hingewiesen und der CDU
       attestiert, sie sei die einzige Partei, die den Ausgleich zwischen
       verschiedenen Kräften und Interessen suche. Auf sie komme es jetzt an. Man
       müsse sich auf die Reformarbeit konzentrieren.
       
       Nun könne man sich endlich wieder inhaltlichen Themen zuwenden, hieß aus
       dem Umfeld des Kanzlers. Der habe in der Sitzung darauf bestanden, dass die
       Koalition nun im Herbst die vereinbarten Projekte wie die Renten- und
       Pflegereform umsetzen müsse. Zudem müssten die Verteidigungsausgaben
       perspektivisch wieder in den Haushalt überführt werden. Wenn die
       Abgeordneten ein größeres Volumen der Entlastung bei der Steuerreform
       wollten, müssten ⁠sie Vorschläge machen, wo gleichzeitig Ausgaben gekürzt
       werden könnten.
       
       Die Reformen müssten jetzt so schnell wie möglich umgesetzt werden, die
       Union einen Beitrag zur Stabilisierung der Koalition leisten, dafür haben
       auch Fraktionschef Frei geworben. Sein Vorgänger Jens Spahn soll sich nicht
       zu Wort gemeldet haben.
       
       Im Anschluss an die Aussprache wurde Johannes Winkel zum stellvertretenden
       Fraktionsvorsitzenden gewählt, als Ersatz für Carsten Linnemann, den Merz
       im Juli zum Gesundheitsminister ernannt hatte. Winkel ist Vorsitzender der
       Jungen Union, mit ihm hätte Merz einen Kritiker enger eingebunden. Und wohl
       auch besser unter Kontrolle.
       
       22 Sep 2026
       
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