# taz.de -- Reform gesetzlicher Krankenversicherung: Die medizinische Versorgung wird sich verschlechtern
> Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung wurde als großer Wurf
> versprochen. Doch nun wird die Versorgung schlechter und nicht besser.
(IMG) Bild: Das Sparpaket für die Krankenkassen könnte die Armen ärmer machen
Das [1][Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat es
durch den Bundestag geschafft.] Am letzten Tag vor der Sommerpause haben
die Politiker*innen der Regierungsfraktionen das Gesetz durchgewunken.
Ein Eilantrag der Opposition beim Bundesverfassungsgericht auf Verschiebung
hatte keinen Erfolg. Die Erzählung könnte also sein: Tatkräftig hat die
Regierung eine Reform gegen alle Widerstände durchgebracht und sich die
Ferien redlich verdient.
Tatsächlich [2][wird diese „Reform“ die medizinische Versorgung in
Deutschland nicht besser, sondern sehr wahrscheinlich schlechter machen].
Und das Vertrauen, dass Politiker*innen bei komplizierten
Sachverhalten wissen, was sie tun, ist mindestens angekratzt. Die Genese
dieses Gesetzes beginnt mit jahrzehntelangen Fehlsteuerungen im
Gesundheitssystem, die in wirtschaftlich guten Zeiten verschmerzbar waren,
aber seit einigen Jahren zu deutlichen Steigerungen der Beiträge für
gesetzlich Versicherte und ihre Arbeitgeber*innen führen.
Gesundheitsministerin Nina Warken versprach schon im vergangenen Jahr, dass
die Beiträge nicht weitersteigen. Aber ein Schnellschusskürzungsprogramm
und milliardenschwere Darlehen des Bundes an die Kassen reichten nicht: Die
Kassenbeiträge stiegen auch 2026.
Für nächstes Jahr hat Warken ihr Versprechen erneuert. Aus den Vorschlägen
einer Expert*innenkommission pflückte Warken einen Strauß von
Maßnahmen, der als Gesetzentwurf dem Parlament präsentiert wurde.
[3][Dieser Entwurf war allerdings nicht einmal innerhalb der Koalition
vernünftig abgestimmt,] Interessenverbände fühlten sich nicht ausreichend
eingebunden, die Länder murrten, und die Pharmaindustrie schickte
Landespolitiker zur direkten Beschwerde zum Bundeskanzleramt. Eigentlich
sollte das Gesetz schon Ende Juni im Bundestag beschlossen werden, aber
eine Einigung war nicht in Sicht.
Inzwischen war auch klar: Das mit dem Entwurf erreichbare Sparvolumen
reichte beileibe nicht, um die Kassenbeiträge zu stabilisieren. Die Folge
war eine derart große Anzahl von Änderungen bis kurz vor Gesetzesbeschluss,
dass selbst die versiertesten Gesundheitspolitiker*innen den
Überblick verloren. Die Mitglieder der Regierungsfraktionen, die für das
Gesetz stimmten, taten dies vielleicht im Vertrauen darauf, dass die
handelnden Personen wissen, was sie da zusammengeschrieben haben; oder doch
vor allem in der Hoffnung, dass bei der Bevölkerung, für die das Gesetz
sowieso nicht zu überschauen ist, der Eindruck tatkräftigen Handelns hängen
bleibt.
Die Regierung will mit dieser Reform auch etwas beweisen, das mit Inhalt
wenig zu tun hat. Welche weitreichenden Folgen das Sparpaket für die
Versorgung der Patient*innen hat, ob es tatsächlich ausreicht, um
Beiträge zu stabilisieren, und ob der Bund nicht bald wieder Geld mit der
Gießkanne verteilt, um Kliniken vor der Finanzmisere zu retten, in die er
sie weiterhin hineinmanövriert – das wird sich erst noch zeigen.
10 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Manuela Heim
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