# taz.de -- Wahlen in Berlin: Linke boomt auch in Bezirken
> Die Eralp-Partei wird mutmaßlich mindestens fünf Bürgermeister stellen.
> Die Grünen dürften nur noch drei statt bisher sechs Chefposten besetzen.
(IMG) Bild: Ob die Linkspartei künftig im Roten Rathaus regiert, ist offen. Dass sie mindestens Bezirksbürgermeister stellt, ist fast sicher
Die Linkspartei stellt nicht nur im neuen Abgeordnetenhaus die stärkste
Kraft und kann möglicherweise ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp [1][als
Regierungschefin ins Rote Rathaus schicken] – sie hat auch die Wahlen zu
den zwölf Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) dominiert. Diese jeweils 55
Mitglieder großen Gremien wählen in den nächsten Wochen oder Monaten einen
Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin des Bezirks.
Eralps Partei, die nach der Berlin-Wahl im Februar 2023 keinen einzigen der
zwölf Bürgermeisterposten besetzen konnte, wird künftig mutmaßlich
mindestens fünf Bezirkschefs stellen: in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg,
Pankow (alle bislang grün-regiert), Treptow-Köpenick (bislang SPD) und
Lichtenberg (bislang CDU). Dort reicht es überall zu einer entweder
rot-grünen, rot-roten oder rot-grün-roten Mehrheit in der BVV. In Pankow
gäbe es rechnerisch noch die Möglichkeit, dass sich Grüne, CDU, SPD und die
Kleinpartei Volt zusammentun.
Die Grünen, die 2023 sechs Bürgermeister ins Amt schickten, wurden am
Sonntag nur noch in Tempelhof-Schöneberg stärkste Kraft. Zwei weitere
Bezirkschefs könnten sie über grün-rote-rote Zählgemeinschaften – wie
Koalitionen auf Bezirksebene heißen – wie bisher in Steglitz-Zehlendorf und
Charlottenburg-Wilmersdorf stellen, obwohl sie dort wie 2023 hinter der CDU
nur zweitstärkste Kraft sind.
Zwei Bürgermeister kommen aller Voraussicht nach von der CDU, in Spandau
und Reinickendorf. Ohne die Christdemokraten als jeweiliger Wahlsieger
kommt dort in der BVV jenseits der AfD keine Mehrheit zustande. Die SPD,
die bisher in Treptow-Köpenick und in Neukölln den Bürgermeister stellt,
geht dieses Mal bei den Bezirkschefposten völlig leer aus.
## Schwierige Lage in Neukölln und Marzahn
In zwei Bezirken wird die Bürgermeisterwahl äußerst schwierig. In Neukölln
ist die Linkspartei zwar wie in fünf anderen Bezirken stärkste Kraft
geworden. Die SPD aber, die sie für eine Mehrheit bräuchte, [2][hat jedoch
schon im Vorfeld beschlossen], den dortigen Spitzenkandidaten der
Linkspartei, Ahmed Abed, nicht zum Bürgermeister zu wählen.
Ein Grund ist der Vorwurf antisemitischer Umtriebe. Der frühere
Grünen-Bundestagsabgeordnete und jetzige Präsident der Deutsch-Israelischen
Gesellschaft, Volker Beck, sagte laut RBB der Jüdischen Allgemeinen zu
Jahresbeginn: „Ahmed Abed steht nicht für Palästina-Solidarität,
[3][sondern für eine Verteufelung Israels].“
Ebenfalls schwierig gestaltet sich die Lage in Marzahn-Hellersdorf. Dort
hat [4][am Sonntag die AfD am besten abgeschnitten]. Um den Kandidaten der
Linkspartei als zweitstärkste Kraft zum Bürgermeister zu machen, reichen
die Stimmen der in diesem Bezirk schwachen SPD und Grünen nicht aus – dazu
müsste auch die CDU mitziehen. Das aber widerspricht dem
Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten gegen eine Zusammenarbeit
mit der Linkspartei, beschlossen beim Bundesparteitag 2018.
21 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Linke-gewinnt-Abgeordnetenhauswahl/!6213639
(DIR) [2] /Antisemitismus-Debatte-im-Wahlkampf/!6211645
(DIR) [3] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/01/berlin-neukoelln-linke-kandidat-ahmed-abed-bezirk-buergermeister-vorwuerfe.html
(DIR) [4] https://wahlen-berlin.de/wahlen/BE2026/Afspraes/bvv/ergebnisse_bezirk_10.html
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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