# taz.de -- Wahlpleite der Grünen in Berlin: Die Grünen haben ihr Kreuzberg verloren – kein Wunder
       
       > Die Wahlergebnisse in ihren Hochburgen sind für die Grünen ein Desaster.
       > Sie haben ihre Stacheligkeit verloren. Und daher auch die
       > Innenstadtkieze.
       
 (IMG) Bild: Werner wer? Der Spitzenkandidat der Grünen, Werner Graf, war dem Wahlvolk nicht so bekannt wie Elif Eralp
       
       Christian Ströbele wird im Grab rotieren. Der Berliner Bezirk
       Friedrichshain-Kreuzberg, der einst durch [1][Ströbeles] widerspenstige
       Aufrichtigkeit zur bundesweit bekannten Grünen-Hochburg geworden war, hat
       sein Gesicht verloren. Zwar haben die Grünen bei der Wahl am Sonntag dort
       wie in den anderen Innenstadtbezirken auch noch ihre besten Ergebnisse
       eingefahren. [2][Aber die Hochburgen sind nur noch sanfte Hügel], kaum noch
       zu sehen hinter den [3][steil aufragenden roten Wahlsäulen] der
       Linkspartei.
       
       50 Prozent und mehr haben [4][dort für die Linke gestimmt]. Für links
       denkende Wähler:innen ist das richtig toll. Für die Grünen aber ist es
       gerade deshalb ein Desaster.
       
       Sie haben einen großen Teil ihrer Kernklientel komplett verloren. Den
       studentischen. Den postmigrantischen. Den kämpferischen. Den engagierten.
       Den wütenden. Den stacheligen, den sie einst im Logo führten, als sie noch
       Alternative Liste hießen.
       
       Sie haben Kreuzberg verloren. Und das geht weit über den Stadtteil hinaus.
       Es geht um das Lebensgefühl.
       
       Warum das so ist? Weil die Grünen unsichtbar sind. Sich unsichtbar gemacht
       haben. Erinnert sich noch jemand an das Plakat, [5][mit dem die Kreuzberger
       Grünen 2017 in den Bundestagswahlkampf] gezogen waren. „Die Häuser denen,
       die drin wohnen“, stand da drauf. Den größten Widerspruch erntete der alte
       Hausbesetzerslogan damals ausgerechnet parteiintern. Weil viele Angst
       hatten, dass so viel Spontitum die Wähler:innen erschrecken könnten.
       
       Jetzt im Mieterwahlkampf 2026 wäre es Zeit für eine Neuauflage gewesen.
       Aber das Thema hatten die Linken gesetzt – und damit besetzt. Die Grünen
       sind auch für Enteignung der Wohnungskonzerne. Und wer sich in der
       Parteiblase aufhielt, wusste das sicher auch. Aber sonst?
       
       Kannte jemand wirklich ihren Spitzenkandidaten? Hat jemand auf Plakaten die
       stadtverbindenden Fahrradstraßen gesehen, die zum Grünkern der Partei
       gehören müssten? Natürlich nicht. Denn im letzten Wahlkampf ist die Partei
       mit Fahrradpolitik bekanntlich auf die Schnauze gefallen. Doch ohne
       Verkehrsrevolution auf den Fahnen ging ihnen diesmal noch mehr die Luft
       aus.
       
       Ohne Radikalität haben die Grünen schlichtweg ein Rad ab. Sie mögen noch
       eine kuschelige Attraktion im gemütlichen Tempelhof sein. Oder ein Haltung
       vorspielendes Accessoire im gut situierten Stadtteil Mitte. Aber da, wo es
       wirklich um etwas geht, sind die Wähler:innen stabil links – und merken,
       dass ihnen ihre alte politische Heimat nicht mehr grün ist.
       
       21 Sep 2026
       
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