# taz.de -- Anthropics Ablenkungsmanöver: Ja, KI wird uns alle töten. Aber anders, als ihr denkt
> Die Tech Bros behaupten, dass die KI die Menschheit auslöschen könnte. So
> eine lächerliche Behauptung! Die Bedrohung ist viel unmittelbarer.
(IMG) Bild: Protestaktion beim OpenAI DevDay in San Francisco, USA , am 29. September 2026
Am Ende des ersten Films der Matrix-Quadrologie belehrt die KI-Software
„Agent Smith“ den in einer virtuellen Welt gefangenen Menschen Morpheus,
dass Menschen sich stets ausbreiteten, alle Ressourcen eines Gebietes
aufbrauchten, es zerstörten und dann weiterzögen. Im Film ist der Krieg
gegen die künstliche Intelligenz schon längst verloren. Die Roboter haben
die Menschen in eine virtuelle Welt verbannt und nutzen ihre Körper zur
Energieerzeugung. In der echten Welt steht uns diese Auseinandersetzung
noch bevor.
Schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts würden [1][KI-Systeme die
Menschheit mit einer 10-prozentigen Wahrscheinlichkeit auslöschen], wird
ein Anthropic-Mitarbeiter zitiert, dessen Firma das KI-Modell Claude
anbietet. [2][Ähnlich äußerte sich OpenAI-Chef Sam Altman] vor dem
UN-Sicherheitsrat – seine Firma steht hinter der Anwendung ChatGPT.
Die Behauptungen sind so lächerlich, dass sie nur den narzisstischen Hirnen
der Tech Bros entsprungen sein können. Und womöglich ihrer Angst davor,
dass sich ihre Investor*innen demnächst fragen, warum ihre Billionen Dollar
bisher noch kein funktionierendes Wirtschaftsmodell für ihre Firmen
hervorgebracht haben. Tatsächlich ist ihre Software beeindruckend, aber
nicht gefährlich – und nicht die Software, sondern die Techkonzerne, die
sie entwickeln, sind eine Gefahr.
Große Sprachmodelle – im Alltag oft mit KI gleichgesetzt – produzieren
Text. Sie tun nichts anderes. Dass aus dem Text eine Anweisung wird, die
auf einem Computer oder in der physischen Welt ausgeführt wird, dafür
schreiben Programmierer*innen eine ganz gewöhnliche Software. Diese braucht
es sogar für den trivialsten ersten Schritt, nämlich den Text in
menschenlesbarer Form auf einem Bildschirm darzustellen.
## Ohne Zaun bauen, und dann warnen – hä?
Wenn die KI-Firmenchefs also behaupten, ihre KI habe einen Computer gehackt
oder könnten sogar den Weltuntergang auslösen, dann bedeutet das in erster
Linie: Sie haben eine Software programmiert, die diese Fähigkeiten besitzt.
Sie haben außerdem eine gewöhnliche, abschaltbare Software geschrieben, die
den Ausgabetext eines großen Sprachmodells scannt, als Computerbefehl
interpretiert und diesen dann ausführt – sei es, um durch das Internet zu
surfen, die Räder eines Autos anzutreiben oder eine Atomrakete zu starten.
Das Sprachmodell selbst kann nichts davon.
Man stelle sich vor, jemand würde ein Leopardengehege ohne Zäune oder
Graben bauen und anschließend atemlos herumrennen und erklären, das Gehege
sei gefährlich, denn die Leoparden seien ausgebrochen und würden regelmäßig
Passanten das Gesicht abfressen. Alle anderen würden sich
selbstverständlich denken, das Gehege sei fehlerhaft gebaut worden und die
Erbauer zu faul oder inkompetent, um es ordentlich abzusichern. Niemand
würde ihnen die absurde Umkehrung abnehmen.
Eine Software, die sich selbständig macht, die nicht die erwünschten
Ergebnisse liefert oder sogar Schaden anrichtet, ist ein defektes Produkt,
keine Meisterleistung. Die großen KI-Firmen wie Anthropic und OpenAI
produzieren in großem Stil Malware. [3][Sie versuchen, die Verantwortung
für ihre schlechten Produktionsstandards nach außen zu geben], indem sie
behaupten, es ginge nicht anders. Indem sie vor einem fiktiven zukünftigen
Weltuntergang warnen, versuchen sie, andere zum Handeln zu zwingen.
Tatsächlich produziert ihre Software aber nicht nur virtuelle Schäden,
sondern sie bedroht die Existenz der Menschheit ganz unmittelbar. Große
Sprachmodelle sind extrem ineffizient und ihr inzwischen allgegenwärtiger
Einsatz verstärkt die sehr reale und gegenwärtige Klimakrise. Ihr
Flächenverbrauch ist so riesig, [4][dass ihr geplante Größe] schon zum Teil
damit angegeben wird, [5][wie viele „Manhattans“ sie umfasst]. Ihr
Energieverbrauch ist so enorm, [6][dass weltweit Dutzende neue fossile
Kraftwerke geplant sind und ihr Wasserverbrauch bringt einige Gemeinden an
ihre Grenzen].
Die Software basiert auf einem massenhaften Klau von urheberrechtlich
geschützten Werken. Sie trägt zur noch rasanteren Ausbreitung von
Desinformation bei und zu einer finanziellen Überdehnung des gesamten
Sektors. Hier wird inzwischen auf Profite spekuliert, die mathematisch kaum
möglich sind. So riskieren wir eine weltweite Wirtschaftskrise. Es gibt
also sehr viele gute Gründe, sich weltweit zusammenzutun, um den
Techkonzernen die Stirn zu bieten. Aber keiner von ihnen ist ein
superintelligenter Roboter, der die Weltherrschaft an sich reißt.
3 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bbc.com/news/articles/ckgwy1k42w4o
(DIR) [2] https://openai.com/de-DE/index/sam-altman-un-security-council-remarks/
(DIR) [3] /KI-Forscherin-Theresa-Zueger/!6208301
(DIR) [4] /Neue-Rechenzentren-in-Deutschland/!6210365
(DIR) [5] https://www.n-tv.de/wirtschaft/Utah-streitet-ueber-Rechenzentrum-doppelt-so-gross-wie-Manhattan-id31140511.html
(DIR) [6] /Ressourcenverbrauch-von-KI/!6185410/
## AUTOREN
(DIR) Lalon Sander
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