# taz.de -- Welthandel: WTO warnt vor Blockbildung
> Die Welthandelsorganisation will mit ihrem aktuellen Bericht für ihr
> Weiterbestehen werben. Ohne ihre Regeln würde das globale Wachstum
> schrumpfen.
(IMG) Bild: Die Regeln der WTO gelten auch hier: Hafengelände von Los Angeles
Wie sähe Welthandel aus, würde die Welthandelsorganisation (WTO)
abgeschafft? Ohne die Regeln der WTO würden Exporte weltweit bis 2050 um
fast 27 Prozent zurückgehen und die Weltwirtschaft um fast 7 Prozent
schrumpfen. Das hat die Organisation in ihrem [1][diesjährigen
Welthandelsbericht 2026] berechnet, der am Dienstag in Genf vorgestellt
wurde.
In Zeiten von geopolitischen Kriegen und Handelskrisen, Protektionismus der
USA, Chinas Exportüberschüssen und mehr bilateralen Freihandelsabkommen,
die auch [2][etwa die EU vehement vorantreibt], liefert die WTO damit
Argumente für ihr Weiterbestehen. „Wir alle haben etwas zu verlieren, wenn
die Stabilität des Systems untergraben wird“, erklärte WTO-Chefin Ngozi
Okonjo-Iweala am Dienstag in Genf.
Die Analyse modelliert in verschiedenen Szenarien, wie sich die
Zersplitterung der Weltwirtschaft etwa in Blocks und multiple
Freihandelsabkommen auf das globale Wachstum in den nächsten 25 Jahren
auswirken würde. Demnach würde mehr multilaterale Kooperation zu einem
Zuwachs von 2,9 Prozent führen. Geopolitische Fragmentierung oder die
Abschaffung der WTO‑Regeln würden die ärmsten Länder, die sogenannten LDCs,
besonders stark treffen. Die WTO prognostiziert einen Rückgang ihrer
Wirtschaftsleistung um 16,5 Prozent. Bei reichen Ländern wäre es ein
Einbruch von 4,5 Prozent.
Auch die WTO gibt zu, dass Länder höchst unterschiedlich von ihren
bestehenden Regeln profitieren. Die ärmsten Länder, die sogenannten LDCs,
machen weiterhin weniger als 1 Prozent des Welthandels aus. Das spiegelt
nicht nur die Produktionsmengen, sondern auch den Wert der Exporte wider.
Viele Entwicklungsländer sind weiterhin abhängig von billigen
Rohstoffexporten. Laut Bericht liegen die Handelskosten der ärmsten Länder
um 50 Prozent über denen reicher Staaten. Dabei spielen auch
Handelshemmnisse eine Rolle, unter anderem Vorgaben bestimmter Standards
und Zertifizierungskosten.
## WTO selbst macht keine Reformvorschläge
Die WTO ist schon seit 25 Jahren von tiefen Differenzen blockiert. Viele
Entwicklungsländer kritisieren seit jeher die Agrarsubventionen reicher
Länder. Vor allem die USA und die EU werfen hingegen China vor, den
Wettbewerb durch Industriesubventionen zu verzerren. Seit Jahren blockieren
die USA, dass neue Richter*innen für den Streitschlichtungsmechanismus
eingesetzt werden. Um handlungsfähig zu bleiben, setzt die WTO derzeit auf
sogenannte plurilaterale Abkommen zwischen vielen, aber eben nicht allen
Mitgliedern. Ein [3][Reformprozess der WTO] wurde zwar gestartet, bislang
gibt es aber wenig Bewegung.
Rund 72 Prozent des Welthandels unterliegen nach wie vor dem zentralen
Prinzip der WTO, der Meistbegünstigungsklausel (MFN). Sie verpflichtet
WTO-Mitglieder, Handelsvorteile allen Partnern gleichermaßen zu gewähren,
während bestimmte Ausnahmen für ärmere Länder zum Schutz entstehender
Ökonomien gelten. Anfang 2025 waren es noch 80 Prozent des Welthandels: Die
Auswirkungen der Zollerhöhungen durch die USA und der zunehmenden Bedeutung
von Handelsabkommen machen sich bemerkbar.
Die WTO macht im aktuellen Bericht selbst keine Reformvorschläge, sondern
analysiert, wo Anpassungen einzelner Regeln nötig wären. Er rückt die
zunehmenden geopolitischen Spannungen und eine veränderte multipolare
Wirtschaft in den Mittelpunkt, neue Bedingungen durch mehr Handel mit
Dienstleistungen, Digitalisierung und künstliche Intelligenz und auch die
Regeln, die Regierungen bereits aufstellen, um diese Entwicklungen zu
kontrollieren.
15 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.wto.org/english/res_e/booksp_e/wtr26_e.pdf
(DIR) [2] /EU-Handelsabkommen-mit-Mercosur/!6175504
(DIR) [3] /WTO-Konferenz-in-Yaounde/!6166830
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
## TAGS
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