# taz.de -- Logistiker bleibt in deutscher Hand: Bundesregierung verbietet Verkauf von Spedition an China
> Die Volksrepublik soll keinen Zugriff auf Transporte für Bundeswehr und
> Nato gen Osteuropa bekommen. Deshalb blockt Deutschland Übernahmepläne
> ab.
(IMG) Bild: Die Bundesregierung untersagt den Verkauf von Anteilen des Logistikunternehmens Zippel an die chinesische Staatsreederei Cosco
Es handelt sich um eine mit 350 Beschäftigten relativ kleine Spedition. Und
dennoch wollte die weltweit viertgrößte Reederei, Chinas Staatsunternehmen
Cosco, 80 Prozent an der Hamburger [1][Zippel Group] übernehmen. Daraus
wird nichts.
Der Grund: Wegen „erheblicher Sicherheitsbedenken“ lehnte das
Bundeskabinett am Mittwoch das Kaufansinnen ab. Nicht nur
Wirtschaftsministerium, auch Außen-, Verteidigungs-, Innen- und
Finanzministerium waren dagegen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und
die EU-Kommission hatten bereits vor dem Deal gewarnt. Das Bundeskartellamt
hatte das Geschäft hingegen aus wettbewerbsrechtlicher Sicht noch im
Februar genehmigt.
Der Bund will offenbar verhindern, dass China Zugriff auf für die
Bundeswehr und die Nato im Konfliktfall wichtige Transporte gen Osteuropa
bekommt. „Der Erwerb hätte Abhängigkeiten vertieft und die Resilienz von
Lieferketten Deutschlands und der EU gefährdet“, erklärte ein Sprecher des
Wirtschaftsministeriums.
Es bestehe die Gefahr strategischer Abhängigkeiten, die „im Zuge
politischer Verwerfungen als Druckmittel genutzt werden könnten“, heißt in
einem internen Regierungsschreiben, aus dem das Handelsblatt zitiert. Die
Gefahr: „Von [2][China] beeinflusste Elemente der europäischen
Transportinfrastruktur stünden im Konflikt- oder Krisenfall nicht oder
zumindest nicht uneingeschränkt zur Verfügung.“
Zippel ist darauf spezialisiert, Container vor allem von den Häfen in
Hamburg und Bremerhaven aus per Lkw und Bahn nach Ostdeutschland zu
transportieren. In diesem geografischen Schwerpunkt liegt offenbar der
Grund, warum sich Deutschland der Quasi-Übernahme widersetzt. An den
Containerterminals in Berlin, Schkopau und Elsterwerda liege der Anteil
Zippels am Umschlag zwischen 35 und 90 Prozent. Zippel sei trotz geringer
Marktanteile ein etablierter Akteur mit jahrzehntelang gewachsener
Marktkenntnis, heißt es in dem Regierungspapier: „Diese Informationen sind
für Cosco beziehungsweise für [3][China] sehr interessant.“
## Infrastruktur wird zur Frage der nationalen Sicherheit
Der Fall zeige, wie stark das aggressive Auftreten Chinas „die Perspektive
auf ausländische Investitionen verändert“ hätten, schreibt Patrick
Gehringer, Experte für Sicherheitspolitik bei der Unternehmensberatung FTI
Consulting, auf Linkedin. „Nicht allein Wettbewerb und Kapitalzufluss
entscheiden. Lieferketten, Daten und Warenströme, strategische
Abhängigkeiten und die Verfügbarkeit kritischer Infrastruktur im Krisenfall
werden zunehmend selbst zu Fragen nationaler Sicherheit“.
Deutschland heiße ausländische Investitionen willkommen – gleichzeitig
könne es jedoch Investitionen geben, „die die Sicherheit des Landes
gefährden“, erläuterte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums. „Die
Bundesregierung kann daher auf Grundlage des Außenwirtschaftsgesetzes und
der Außenwirtschaftsverordnung den Erwerb eines deutschen Zielunternehmens
durch einen ausländischen Investor im Einzelfall [4][prüfen].“ Im
vergangenen Jahr gab es 339 Prüfungen, bei 8 Fällen sei es „zu einer
Untersagung des Erwerbs gekommen“, erklärte der Sprecher. Meistens geht es
dabei um Übernahmegesuche im Bereich der [5][Rüstungs- und Wehrtechnik].
Berlin und Brüssel schauen argwöhnisch auf die Einkaufstour chinesischer
Staatsunternehmen in Europa. Der Fokus liegt dabei unter anderem auf
europäischen Häfen wie dem in Duisburg oder im griechischen Piräus – und
nun zunehmend auf Logistikfirmen.
Erst vor wenigen Tagen hatten SPD-geführte Bundesministerien auf eine
[6][härtere Gangart der Regierung gegen China] gedrängt. „Chinas
Wirtschafts- und Handelspolitik stützt sich auf ein Geflecht aus
staatlichen Subventionen, administrativ gesteuerten Überkapazitäten und
wirtschaftlichem Zwang“, heißt es in einem Papier. Chinesische Unternehmen
hätten deshalb Wettbewerbsvorteile, die mit rein marktwirtschaftlichen
Mitteln nicht möglich zu erreichen wären. Diesen Verzerrungen müsse
Deutschland „robuster“ entgegentreten.
Cosco hätte mit einer Übernahme seine Position entlang der Lieferkette
ausgebaut: vom Seetransport bis hinein in die Hinterlandlogistik. Denn: In
Hamburg ist der Reederei-Gigant bereits am Containerterminal Tollerort des
Hafenbetreibers HHLA beteiligt.
## Streit in der Ampelregierung
Die Übernahmepläne hatten 2022 zu Streit in der Ampelregierung geführt.
Während der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) das Ansinnen Pekings
billigte, waren FDP und Grüne dagegen. Im Mai 2023 erlaubte Berlin die
Beteiligung, begrenzte die Anteile jedoch auf unter 25 Prozent.
Zippel ist relativ klein. Die Spedition hat nach eigenen Angaben im
vergangenen Jahr rund 75 Millionen Euro umgesetzt und gut 110.000
Standardcontainer bewegt. Zippel-Geschäftsführer Axel Plaß hatte im Juni in
einem Interview erklärt, bei der Prüfung durch die Behörden sei es
beispielsweise um die Frage gegangen, wie Zippel „bei der Software
aufgestellt“ sei und ob mit sensiblen Daten operiert werde. Abschließend
sagte Plaß: „Zippel mit rund 1,5 Prozent Marktanteil ist die öffentliche
Aufregung nicht wert.“
7 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://zippel24.com/
(DIR) [2] https://www.bild.de/news/ausland/china/thema-china-alle-infos-80032882.bild.html
(DIR) [3] https://www.handelsblatt.com/themen/china
(DIR) [4] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/EN/Publikationen/Aussenwirtschaft/investment-screening-in-germany-facts-figures.pdf?__blob=publicationFile&v=1
(DIR) [5] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Aussenwirtschaft/investitionspruefung.html
(DIR) [6] /Europas-Stellung-im-Welthandel/!6213101
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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