# taz.de -- EU und Philippinen: Freihandelsabkommen in den Startlöchern
       
       > Die EU und die Philippinen wollen Zölle auf zahlreiche Produkte senken
       > oder abschaffen. Zivilgesellschaft sorgt sich um Umwelt und
       > Menschenrechte.
       
 (IMG) Bild: Die EU hofft auf die Versorung mit Rohstoffen – das Bild aud dem Jahr 2023 zeigt einen verschmutzten See aus dem Nickelabbaugebiet in Mindanao
       
       afp/taz | Die EU und die Philippinen wollen ein Freihandelsabkommen
       schließen. Beide Seiten hätten sich darauf geeinigt, die Zölle auf
       zahlreiche Produkte zu senken oder abzuschaffen, sagte EU-Handelskommissar
       Maroš Šefčovič am Dienstag in Brüssel. Das Abkommen geht nun in die
       juristische Detailarbeit und soll „in den kommenden Monaten“ formal
       unterzeichnet werden.
       
       EU-Kommissar Šefčovič und die philippinische Handelsministerin Cristina
       Roque sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einem „wichtigen
       Meilenstein für beide Seiten“. Nach EU-Angaben umfasst das geplante
       Freihandelsabkommen mehr als 97 Prozent des aktuellen Handelsvolumens. Es
       soll neue Exportmärkte für Unternehmen erschließen und Lieferketten
       stabiler machen.
       
       Die EU exportiert nach Angaben aus Brüssel unter anderem Maschinen,
       Ausrüstung für den Verkehrssektor und Medikamente. Insgesamt handelten
       beide Seiten im vergangenen Jahr mit Gütern im Wert von rund 17,6
       Milliarden Euro und Dienstleistungen im Wert von rund 10,3 Milliarden Euro.
       Er sehe ein „riesiges Wachstumspotenzial“, sagte Šefčovič.
       
       Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sprach von einem
       „enormen Marktpotenzial“. Das finale Abkommen müsse für „vollständige
       Zollsenkungen in allen Industriebereichen“ sorgen, forderte
       DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Deutsche Unternehmen hoffen auch
       auf einen Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen. Nach Angaben aus Brüssel
       wird die EU mit dem geplanten Abkommen der erste Handelspartner der
       Philippinen, der einen solchen Zugang bekommt.
       
       ## Wirtschaft will Rohstoffe sichern
       
       Auch Landwirtschaftsvertreter begrüßten den Durchbruch in den
       Verhandlungen. Europäische Betriebe exportieren vor allem Schweinefleisch
       und Geflügel sowie Milchprodukte und alkoholische Getränke auf die
       Philippinen. Der europäische Bauernverband Copa-Cogeca zeigte sich deshalb
       „ermutigt“ von den versprochenen Exportgewinnen.
       
       Die europäische Wirtschaft will sich zudem Rohstoffe von den Philippinen
       sichern. Der Inselstaat verfügt unter anderem über große Nickel-, Kupfer-
       und Goldvorkommen. Weil die Rohstoffe für neue Technologien und die
       Energiewende benötigt werden, bemüht sich die EU nach Šefčovič’ Worten
       inzwischen in allen Handelsgesprächen um einen besseren Zugang.
       
       Die EU und die Philippinen hatten schon 2016 Verhandlungen über ein
       Freihandelsabkommen aufgenommen, sie aber im Jahr darauf auf Eis gelegt.
       Seit März 2024 laufen die Verhandlungen wieder. Beide Seiten betonten nun
       ihr „gemeinsames Interesse an einer offenen, inklusiven und regelbasierten
       internationalen Ordnung“.
       
       ## Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen
       
       Human Rights Watch, das Aktionsbündnis Menschenrechte-Philippinen (AMP) und
       über 20 europäische NGOs [1][fordern verbindliche Menschenrechtsgarantien
       im Abkommen]. Zudem soll sich die EU für Reformen in den Philippinen
       einsetzen, die Zivilgesellschaft, Gewerkschaftern und Vertretern indigener
       Völker schützen.
       
       „Gelingt es nicht, im Rahmen der Freihandelsverhandlungen Reformen
       durchzusetzen, wird es für Nichtregierungsorganisationen schwieriger, die
       Umsetzung des Abkommens sicher zu überwachen, und sie könnten dadurch einem
       erhöhten Risiko von Drohungen, Gewalt und anderen schwerwiegenden
       Übergriffen ausgesetzt sein“, heißt es in dem Schreiben an
       EU-Verhandlungsführende.
       
       AMP [2][verweist auf potenzielle Risiken für die Umwelt]. Schon jetzt sei
       die Lage in Caraga, wo sich 23 aktive Nickelminen befinden, beunruhigend.
       Als Folge des Abbaus kämpften Gemeinden demnach mit rückläufigen
       Fischbeständen, sedimentbelasteten Gewässern, schweren Überschwemmungen und
       zunehmenden Atemwegserkrankungen, seien aber nicht an den wirtschaftlichen
       Vorteilen beteiligt. Bergbauaktivitäten drängten zudem in Schutzgebiete und
       indigene Gebiete vor.
       
       Die EU bemüht sich [3][wegen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump]
       und der angespannten Beziehungen zu China um alternative Handelspartner.
       Der Welthandel habe sich „grundlegend verändert“, sagte Šefčovič in
       Brüssel. Die EU sei für viele „ein willkommener Partner“, fügte er hinzu.
       
       In den vergangenen Monaten unterzeichnete die EU bereits einen erweiterten
       [4][Handelsvertrag mit Mexiko] und schloss die Verhandlungen mit Indien ab.
       Ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist seit
       Mai vorläufig in Kraft.
       
       22 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.hrw.org/news/2026/06/17/letter-on-the-eu-philippines-free-trade-agreement
 (DIR) [2] https://amp.ngo/philippinen-und-eu-wollen-freihandelsabkommen-bis-2027-abschliessen/
 (DIR) [3] /Angeblich-wegen-Zwangsarbeit/!6184055
 (DIR) [4] /Freihandelsabkommen-EU-und-Mexiko/!6181567
       
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