# taz.de -- WTO-Ministertreffen in Jaunde: Dringender Reformierungsbedarf
> Wenn die Welthandelsorganisation an Einfluss verliert, bröckelt eine
> Ordnung. Diese war sowieso nie für alle gerecht.
(IMG) Bild: Ngozi Okonjo-Iweala, die Generaldirektorin der Welthandelsorganisation, eröffnet die MinisterInnenkonferenz in Kamerun
Internationale Institutionen sind nicht neutral. Sie dienen mächtigen
Staaten dazu, ihre Interessen abzusichern – auch, indem sie dort mit
weniger einflussreichen Akteuren verhandeln und einen Konsens herstellen.
Diese Zustimmung stabilisiert eine Hegemonie, die nicht nur auf
militärischer und wirtschaftlicher Macht beruht. Der italienische Kommunist
Antonio Gramsci sprach von „Konsens, gepanzert mit Zwang“. Auf dieser
Grundlage entstand die internationale Ordnung, die die USA nach dem Zweiten
Weltkrieg prägten – einschließlich der [1][WTO], hervorgegangen aus dem
GATT.
Der Politikwissenschaftler Robert W. Cox beschrieb bereits 1981, dass das
von der US-Regierung propagierte „Freihandels“-Paradigma auf einem
„Vertrauen in wirtschaftliches Wachstum und stetig steigende Produktivität“
beruhte. Diese Zeiten sind vorbei. Die WTO verlor ihre „hegemoniale
Funktion“ für die USA, als das eigene Wirtschaftswachstum spätestens seit
der [2][Finanzkrise] schwächelte und sich gleichzeitig immer mehr Länder
des Globalen Südens weiterer Liberalisierung widersetzen.
Zudem fordert [3][Chinas Aufstieg] die WTO heraus: Wie umgehen mit einem
Staatskapitalismus, der nicht in das marktliberale Regelwerk passt? Dass
Washington dennoch an der WTO festhält, zeigt, wie wichtig internationale
Handelsregeln selbst für den geschwächten Hegemon bleiben. Kurz vor der
Ministerkonferenz in Kamerun legten die USA zwei Reformpapiere vor.
Doch auch in Jaunde konnten sie ihre Interessen nicht durchsetzen, ebenso
wenig wie andere Akteure, darunter afrikanische Staaten, die mehr
industriepolitischen Spielraum forderten. Denn entgegen ihrem
Wohlstandsversprechen zementierte die WTO die Abhängigkeit vieler Länder
des Globalen Südens von Rohstoffexporten. Das ist nicht überraschend: Die
WTO ist Teil jener in diesen Tagen viel betrauerten „regelbasierten
Ordnung“, die tief von kolonialen Strukturen geprägt ist. Das zu benennen,
heißt indes nicht, ihren Zerfall zu begrüßen. Denn was an ihre Stelle
tritt, ist offen.
29 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Merle Groneweg
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