# taz.de -- OECD-Wirtschaftsausblick: Die Weltwirtschaft ist robuster als gedacht
> Die Ökonomien haben die Energiekrise infolge des Irankriegs unerwartet
> gut weggesteckt. Das sei aber keine Entwarnung, sagt der
> Industriestaaten-Klub.
(IMG) Bild: Solarpark und Windturbinen in Weifang, China: Die drastische Reduzierung von Energieimporten trug zur Entlastung des Markts bei
Pandemie, Zölle, Energiekrise – die globale Wirtschaft ist in jüngster Zeit
vielen Stresstests ausgesetzt. Die hohen Energiepreise infolge des
Israel-US-Kriegs im Iran hatten allerdings nicht so starke negative Effekte
auf das Wachstum wie prognostiziert, berechnet der Industriestaatenverbund
OECD [1][im aktuellen Weltwirtschaftsausblick], der am Mittwoch in Paris
vorgestellt wurde.
Die OECD erwartet demnach ein weltweites Wachstum für 2026 von 2,9 Prozent
und für 2027 von 3,0 Prozent. Damit korrigiert sie die Prognosen für dieses
Jahr gegenüber Juni leicht nach oben.
Als Gründe dafür, dass die Energiekrise global zumindest gedämpft wurde,
nennt die OECD zusätzliche Lieferungen aus Ländern außerhalb der
Golfstaaten und staatliche Unterstützungsmaßnahmen sowie erhebliche
Ölvorräte vieler Staaten. Besonders dass China seine Energieimporte
drastisch reduzierte, trug demnach zur Entlastung des Markts bei.
Das bestätigt auch Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) bei einer Veranstaltung des Berliner OECD-Büros
zum Wirtschaftsausblick. „Allerdings war die Marktlage zu Beginn des Jahres
eine andere, da es einen Rohölüberschuss gab“, fügt sie hinzu. Auch das
habe zu einer Dämpfung beigetragen. Und: Die Frage ist, wie lange die
geringere Nachfrage Chinas anhält.
## OECD warnt vor Ernährungskrise
„Dieser Schock liegt noch nicht hinter uns, er wirkt sich weiterhin auf die
Wirtschaft aus“, warnte auch OECD-Generalsekretär Mathias Cormann bei der
Vorstellung des Berichts. „Die Puffer sind geringer geworden, die
weltweiten Ölvorräte sind derzeit deutlich niedriger“, sagte Cormann. Die
Gasvorräte in Europa sind derzeit auf dem tiefsten Stand seit mehr als 15
Jahren. Gleichzeitig sei die Krise im Nahen Osten nicht gelöst.
Die OECD warnt außerdem vor einer Verstärkung von Ernährungskrisen.
Lebensmittelpreise seien global um 8 Prozent gestiegen. Grund dafür sind
unter anderem Ernteausfälle wegen Dürre und extremer Wetterereignisse,
verstärkt durch den Klimawandel. Experten rechnen mit einem besonders
[2][starken El-Niño-Phänomen Ende des Jahres]. Aber auch Russlands Blockade
von ukrainischen Getreideexporten spannt die Lage an.
Die OECD warnt zudem vor [3][zunehmender Staatsverschuldung] der G20-Länder
und damit höheren Schuldendienstkosten sowie Kreditkosten für Unternehmen.
Mehr als die Hälfte der G20-Staaten verzeichnet Inflationsraten, die über
den Inflationszielen der Zentralbanken liegen.
Die Künstliche-Intelligenz-Technologie sei ein „zweischneidiges Schwert“,
sagte Cormann. Eine schnellere Einführung könnte Produktivität und Wachstum
ankurbeln, andererseits erfordert KI‑Infrastruktur enorme
Kapitalinvestitionen – sollten die Gewinne sinken, könnten die
Investitionen drastisch zurückgehen.
## Deutschland hat höheres Wachstum als erwartet
Laut OECD trug der KI-Markt erheblich zu der positiven Wachstumsprognose
für 2026 bei. In den zwölf Monaten bis Juli stieg demnach die Produktion
von Computern und Elektronik in der EU um 10 Prozent und in den USA um 12
Prozent, was mehr als dem Zehnfachen des Wachstums der übrigen Industrie
entspreche. Zwei Drittel des weltweiten Warenhandels entfallen mittlerweile
auf KI-bezogene Produkte, so Cormann.
Auch für Deutschland hob die OECD ihre Prognose um 0,4 Prozentpunkte im
Vergleich zum Juni an und erwartet ein Wachstum von 1,1 Prozent für 2026.
Insbesondere die [4][Zunahme von Exporten trug dazu bei].
Achim Truger, der im Sachverständigenrat Wirtschaft sitzt, sagte in Berlin,
der sogenannte Tankrabatt habe einen kurzfristigen inflationssenkenden
Effekt gehabt. Er falle aber nicht unter die von der OECD empfohlenen
zielgerichteten Unterstützungsmaßnahmen für die bedürftigsten Menschen und
Unternehmen. Im Gegenteil: „Er entlastet reiche Raser.“ Zumindest sollte er
mit weiteren Regulierungen flankiert werden, etwa einem Tempolimit und
progressiver Besteuerung.
23 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2026/09/oecd-economic-outlook-interim-report-september-2026_8312492f/f751d02b-en.pdf
(DIR) [2] /El-Nino-im-Klimawandel/!6208343
(DIR) [3] /Staatsfinanzen-weltweit/!6214925
(DIR) [4] /Prognosen-zur-Konjunktur/!6209985
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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