# taz.de -- Rangliste zu Ernährung und Umweltschutz: Tofu beste Proteinquelle in neuem Ranking
       
       > Ein Eiweiß-Index vergleicht 20 Lebensmittel etwa nach Klimabelastung,
       > Gesundheitsaspekten und Preis. Pflanzliche Produkte schneiden am besten
       > ab.
       
 (IMG) Bild: Tofu ist gut für dich und reich an Protein
       
       [1][Tofu] ist laut einem neuen Ranking zu Gesundheits- und
       Umweltauswirkungen die beste Eiweißquelle. Das aus Sojabohnen hergestellte
       Lebensmittel landet mit 36 von maximal 40 Punkten auf Platz eins der
       Rangliste, die Chris Macdonald, ein Verhaltensforscher der Universität
       Cambridge, in der Fachzeitschrift [2][Frontiers in Sustainable Food
       Systems] vorgestellt hat.
       
       Am schlechtesten schneidet Cheddar-Käse ab (13 Punkte). Auch die weiteren
       drei Spitzenplätze belegen ausschließlich pflanzliche Lebensmittel, während
       die vier Schlusslichter allesamt tierischen Ursprungs sind.
       
       Macdonald nennt sein Bewertungssystem „BPI Score“ nach dem von ihm
       gegründeten Better Protein Institute, das den Umstieg auf aus seiner Sicht
       bessere Eiweißquellen fördern will. Der Wissenschaftler hat 20
       proteinreiche Lebensmittel in zwei Hauptkategorien bewertet: „People“ und
       „Planet“. Beim Umweltteil berücksichtigt Macdonald Treibhausgasemissionen,
       Wasserverschmutzung sowie Land- und Wasserverbrauch.
       
       Die Unterschiede sind teilweise gewaltig: Für Tofu setzt Macdonald die
       Treibhausgasemissionen mit 0,61 Kilogramm CO₂-Äquivalenten je 100 Gramm
       Protein an. Bei Rindfleisch sind es 64,19 Kilogramm. Auch beim
       Flächenbedarf liegt Tofu mit 2,16 Quadratmetern je 100 Gramm Protein weit
       vor Rindfleisch mit 211,38 Quadratmetern. Beim Wasserverbrauch ist das Bild
       weniger eindeutig: Nüsse benötigen besonders viel, während Bohnen,
       Sonnenblumenkerne und Tofu vergleichsweise [3][wenig sogenanntes blaues
       Wasser] verbrauchen. Als „blau“ gilt Wasser, wenn es aktiv aus Grund- oder
       Oberflächenwasser entnommen wird, also zur künstlichen Bewässerung dient.
       
       ## Gesundheit mitbewertet
       
       In den „People“-Teil fließen auch gesundheitliche Aspekte ein. Macdonald
       betrachtet vor allem Salz, gesättigte Fettsäuren und Cholesterin. Bohnen
       etwa enthalten nach den verwendeten Daten nur rund 11 Milligramm Natrium je
       100 Gramm Protein, Mozzarella dagegen rund 2.550 Milligramm.
       
       Bei gesättigten Fettsäuren zeigt sich dagegen kein einfaches Muster.
       Kabeljau schneidet mit 0,47 Gramm je 100 Gramm Protein besonders gut ab,
       Cheddar mit 84,74 Gramm besonders schlecht. Auch pflanzliche Lebensmittel
       liegen nicht automatisch vorn: Paranüsse enthalten mit 78,32 Gramm
       ebenfalls sehr viel gesättigtes Fett.
       
       Zusätzlich bewertet Macdonald, ob ein Lebensmittel alle neun oft als
       essenziell eingestuften Aminosäuren enthält. Die meisten pflanzlichen
       Proteinquellen sind nach dieser Definition allein keine „vollständigen“
       Proteine. Der Autor ergänzt aber, dass eine abwechslungsreiche Ernährung
       aus verschiedenen pflanzlichen Quellen ebenfalls alle essenziellen
       Aminosäuren liefern könne.
       
       Für die Zugänglichkeit berücksichtigt der Index außerdem den Preis beim
       britischen Ableger der Supermarktkette Aldi. Linsen sind die günstigste
       Proteinquelle, Quinoa die teuerste. Alle 20 untersuchten Produkte waren in
       britischen Supermärkten erhältlich.
       
       Am Ende liegen Tofu, Chiasamen, Bohnen und Quinoa im obersten Fünftel des
       Gesamtrankings – ausschließlich pflanzliche Lebensmittel. Im untersten
       Fünftel finden sich dagegen Mozzarella, Lamm, Rind und Cheddar.
       
       ## Noch nicht vollständig
       
       Allerdings erhebt der BPI-Score keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
       Macdonald hat das Bewertungssystem in einem sogenannten Perspective-Artikel
       vorgestellt, nicht in einer empirischen Studie. Der Wissenschaftler
       bezeichnet den Score in seiner aktuellen Form ausdrücklich als erste
       Version.
       
       Denn wichtige Faktoren fehlen noch. Dazu gehören etwa die ethischen Folgen
       der Tierhaltung, [4][Antibiotikaresistenzen], [5][Zoonosen] und die
       gesundheitlichen Risiken von verarbeitetem Fleisch. Auch die Auswirkungen
       auf die Biodiversität werden nicht direkt bewertet. Macdonald vermutet,
       dass die Berücksichtigung solcher Faktoren den Abstand zwischen
       pflanzlichen und tierischen Proteinquellen eher noch vergrößern würde.
       
       14 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nachfrageboom-bei-veganem-Lebensmittel/!6184066
 (DIR) [2] https://www.frontiersin.org/journals/sustainable-food-systems/articles/10.3389/fsufs.2026.1677796/full
 (DIR) [3] https://www.uni-giessen.de/de/org/admin/stab/bfn/ressourcensparen/wasser/virtuelles-wasser
 (DIR) [4] /Abwasser-von-Schlachthoefen/!6128415
 (DIR) [5] /Virologin-ueber-Zoonosen/!6011203
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
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