# taz.de -- Agrarsubventionen: Mieter belastet, Bauern gepampert
       
       > Der Bund will beim Wohngeld sparen, aber Agrarsubventionen verteilt er
       > immer lockerer. Agrarminister Rainers Begründung ist hanebüchen.
       
 (IMG) Bild: Hochsubventionierte Branche: Ein Landwirt fährt mit seinem Mähdrescher
       
       Eigentlich will die Bundesregierung ja sparen. Zum Beispiel beim
       [1][Wohngeld] für Menschen, die ihre Miete kaum bezahlen können. Doch
       Subventionen für Eigentümer teils großer Agrarunternehmen – romantisierend
       oft Bauern genannt – will Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) nun
       [2][noch großzügiger] vergeben als bisher. Dabei kassieren viele schon
       jetzt den Großteil ihres Einkommens als Staatshilfe. Diese Verteilung von
       Steuergeldern ist nicht nur ungerecht, sondern auch ineffizient.
       
       Empfänger von Sozialleistungen müssen für vergleichsweise lächerliche
       Beträge umfangreiche Anträge ausfüllen. Landwirte hingegen sollen jetzt
       „ohne Antragstellung“ zusätzlich insgesamt 60 Millionen Euro wegen
       gestiegener Dünger- und Dieselpreise bekommen, wie Rainer versprach. Die
       Agrarunternehmen erhalten auch zinsverbilligte Kredite – „ohne Nachweis von
       Notlage und Verwendung“. Zudem will Rainer weitere Steuerprivilegien
       einführen, von denen andere Selbständige nur träumen können.
       
       All das begründet er damit, dass viele Betriebe in ihrer Substanz gefährdet
       seien. Wie viele? Diese Frage der taz konnte Rainer nicht beantworten. Er
       behauptete lediglich, jeder dritte Betrieb habe „Liquiditätsprobleme“ – das
       ist ein sehr schwammiger Begriff. Übrigens: Im Vergleich zum Gros der
       Bevölkerung verfügen Landwirte in Deutschland im Schnitt über recht große
       Vermögen.
       
       Auch wenn Rainer bei der Ankündigung der neuen Geschenke für die
       Landwirtschaft die negativen Teile der diesjährigen Erntebilanz in den
       Vordergrund stellte: Die wichtige Getreideernte fällt dieses Jahr gar nicht
       so schlecht aus. Der Ertrag aller Getreidearten ohne Körnermais liege im
       Schnitt bei 69,1 Dezitonnen pro Hektar und entspreche „dem Mittel der Jahre
       2020 bis 2025 (plus 0,4 Prozent)“, heißt es im am Mittwoch veröffentlichten
       [3][Erntebericht] des Bundesagrarministeriums.
       
       Natürlich stimmt es, dass auch die Landwirte unter gestiegenen
       Energiepreisen leiden. Wahr ist auch, dass der Klimawandel zunehmend echte
       Zuwächse bei den Erträgen verhindert, obwohl die Pflanzensorten dank
       Züchtung immer besser werden. Aber Rainer gibt die falsche Antwort. Statt
       immer neue Pauschalsubventionen durchzusetzen, sollte er stärker gezielt
       zum Beispiel Landwirte fördern, die mehr Fruchtarten anbauen, um die Folgen
       von Ernteausfällen bei einzelnen Kulturen zu reduzieren.
       
       5 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /SPD-Bauministerin-Verena-Hubertz-will-das-Wohngeld-kuerzen/!6176428
 (DIR) [2] /Trotz-Hitze-Sommer-Ernte-besser-als-vom-Bauernverband-suggeriert/!6209489
 (DIR) [3] https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/erntebericht-2026.html
       
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 (DIR) Jost Maurin
       
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