# taz.de -- AfD-Erfolge in Niedersachsen: Salzgitter wird braun
       
       > Die AfD hat bei der Kommunalwahl in Niedersachsen stark zugelegt. Die
       > Wahl zeigt aber auch noch was anderes: die Grenzen ihres Aufstiegs.
       
 (IMG) Bild: Dicke Luft über der früheren „Stadt der Hermann-Göring-Werke“: Die meisten haben in Salzgitter rechtsextrem gewählt
       
       Als „eindeutigen Gewinner des Abends“ sah [1][Angar Schledde,
       Landesvorsitzender der niedersächsischen AfD], am Sonntagabend seine
       Partei. Und ganz Unrecht hat er nicht: Bei den Kommunalwahlen mussten CDU,
       SPD und Grüne am Sonntag Verluste hinnehmen. Die AfD dagegen – im kleineren
       Umfang auch die Linke – hat deutlich zugelegt und ihr Ergebnis im Vergleich
       zu den vorangegangenen Kommunalwahlen mehr als verdreifacht.
       
       Und mehr noch: Erstmals hat es die rechtsextreme AfD Niedersachsen in die
       Stichwahl um den Oberbürgermeister-Posten in einer Großstadt geschafft. In
       Salzgitter muss der CDU-Amtsinhaber Frank Klingebiel in zwei Wochen gegen
       die AfD-Kandidatin Patricia Mair antreten.
       
       Landesweit kam die AfD am Sonntag auf 15,9 Prozent der Stimmen. Bei den
       Kommunalwahlen 2021 waren es noch 4,6 Prozent gewesen. Erstmals ist die
       Partei damit hinter CDU und SPD drittstärkste Kraft in Niedersachsen: Die
       Grünen, die vor fünf Jahren noch auf genau jene 15,9 Prozent kamen, liegen
       diesmal nur bei 14,1 Prozent.
       
       Die 104.000-Einwohner:innen-Stadt Salzgitter ist auch die einzige größere
       Stadt in Niedersachsen, in der die AfD die meisten Stimmen bei der Wahl zum
       Stadtrat erhielt. 27,4 Prozent erreicht die AfD hier, SPD und CDU liegen
       knapp dahinter. Dass die AfD-Kandidatin Mair in zwei Wochen allerdings
       Bürgermeisterin von Salzgitter wird, ist unwahrscheinlich: Der seit 2006
       amtierende Klingebiel verpasste mit 45,6 Prozent eher knapp die absolute
       Mehrheit im ersten Wahlgang.
       
       Völlig überraschend kommt das gute Abschneiden der AfD in Salzgitter nicht.
       Schon bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hatte die AfD hier die
       meisten Stimmen geholt. Hinzu kommt: Wirtschaftlich darbt die Stadt schon
       lange, die Arbeitslosenquote liegt deutlich über dem landesweiten
       Durchschnitt. Und Anlass zur Hoffnung, dass sich die Stadt wirtschaftlich
       erholt, gibt es kaum: Die beiden größten Unternehmen der Stadt, der
       Stahlkonzern Salzgitter AG und Volkswagen, befinden sich in einer
       langanhaltenden Krise. Für die zusammen 20.000 Beschäftigten herrscht
       demnach andauernde Unsicherheit.
       
       ## VW-Krise hilft der AfD nicht
       
       Einen weiteren Sieg konnte die AfD noch in der 15.000-Einwohner:innen-Stadt
       Munster in der Lüneburger Heide verbuchen: Auch hier bekam die AfD die
       meisten Stimmen bei der Wahl zum Stadtrat. Munster ist mit mehr als 6.000
       stationierten Soldat:innen einer der größten Standorte der Bundeswehr.
       
       Trotz dieser vereinzelten Erfolge zeigt das Wahlergebnis der AfD in
       Niedersachsen, dass ein unaufhaltsamer Anstieg der rechtsextremen Partei
       von Wahl zu Wahl nicht stattfindet: So holte die Partei noch bei der
       Bundestagswahl im vergangenen Jahr in Niedersachsen einen größeren
       Stimmenanteil als bei der jetzigen Kommunalwahl. Von Wahlergebnissen
       jenseits der 30 Prozent, wie sie in ostdeutschen Bundesländern üblich sind,
       ist die AfD in Niedersachsen weit entfernt. Und das selbstgesteckte Ziel
       von 20 Prozent hat die Partei am Sonntag auch nicht erreicht.
       
       Hinzu schnitt die Partei an manchen Orten geradezu katastrophal ab: Mit 1,8
       Prozent landete die AfD bei der [2][Stadtratswahl in Göttingen] etwa nur
       auf dem neunten Platz. Und die Krise von Volkswagen nützte der AfD offenbar
       auch nicht: Von Salzgitter abgesehen holte die Partei in den VW-Standorten
       Emden, Osnabrück, Hannover, Braunschweig und Wolfsburg, wo die Angst um
       Arbeitsplatzverluste umgeht, mit durchschnittlich 13 Prozent weniger als im
       landesweiten Durchschnitt.
       
       In vier Fällen hofft die AfD [3][noch auf eine Wiederholungswahl:] Zu den
       Landratswahlen im Landkreis Lüneburg und im Kreis Friesland, bei der
       Wilhelmshavener Oberbürgermeisterwahl sowie bei der Bürgermeisterwahl in
       Herzberg im Harz hatten die örtlichen Wahlausschüsse die AfD-Kandidaten
       wegen Zweifeln an der Verfassungstreue ausgeschlossen. Die AfD will
       Beschwerden beim Wahlprüfungsausschuss einlegen und gegebenenfalls vor den
       Verwaltungsgerichten klagen.
       
       14 Sep 2026
       
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