# taz.de -- Verdacht der Untreue: Niedersachsens AfD-Chef Ansgar Schledde nicht mehr immun
       
       > Der niedersächsische Landtag hat die Immunität von Ansgar Schledde
       > aufgehoben. Jetzt könnte die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage gegen
       > ihn erheben.
       
 (IMG) Bild: Landtag beschließt einstimmig: Ansgar Schleddes Immunität ist aufgehoben
       
       Was sich lange abgezeichnet hat, ist nun vollzogen: Der niedersächsische
       Landtag hat in seiner Sitzung am Mittwoch einstimmig die Immunität von
       AfD-Landeschef Ansgar Schledde aufgehoben. Nun könnte die
       Staatsanwaltschaft Hannover Anklage gegen ihn erheben. Im aktuellen
       Ermittlungsverfahren [1][wird ihm vor allem vorgeworfen], eine durch
       Barspenden und Überweisungen gefüllte schwarze Kasse geführt zu haben, die
       in den Rechenschaftsberichten der Partei nicht ordnungsgemäß deklariert
       wurde. Es geht also um Verstöße gegen das Parteiengesetz.
       
       „Angriff ist die beste Verteidigung“ war offenbar Schleddes Strategie am
       Mittwoch. Jedenfalls ließ er schon vor Beginn der Landtagssitzung über
       seinen Landesverband ein Statement zur Immunitätsaufhebung veröffentlichen.
       Darin heißt es, es werde „nunmehr Anklage gegen mich, als
       Landesvorsitzender, erhoben“ und das sei „wenige Tage vor den
       [2][Kommunalwahlen in Niedersachsen] ein mehr als durchschaubares Manöver“.
       
       Er sei aber überzeugt, dass das zuständige Gericht „politisch neutral seine
       Überzeugung über die gegen mich erhobenen Vorwürfe bilden und am Ende meine
       Bewertung der Sachlage bestätigen“ werde. „Ich weise die Vorwürfe insgesamt
       entschieden zurück“, sagte Schledde, der am Wahlsonntag 49 Jahre alt wird.
       
       ## Ohne Kontroversen und Gegenwehr
       
       Seit 2022 ist der gelernte Maurer Schledde Abgeordneter des
       niedersächsischen Landtags, im April 2024 wurde er [3][auf dem Parteitag in
       Unterlüß] zum Vorsitzenden gewählt. Ohne Kontroversen und
       Gegenkandidat*innen bekam er 79,75 Prozent der Stimmen. Der
       Anfangsverdacht wegen der schwarzen Kasse stand da schon im Raum. Kurz vor
       dem Parteitag hatte es [4][Razzien bei der AfD in Hannover] und in Ansgar
       Schleddes Heimat-Kreisverband Ems-Vechte gegeben. Das störte die
       Delegierten offenbar nicht.
       
       Im Frühjahr wurden die Ermittlungen dann um den Verdacht der Untreue und
       einen weiteren möglichen Verstoß gegen das Parteiengesetz ausgeweitet.
       Betroffen sind mehrere Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie weitere
       AfD-Mitglieder. Die Partei hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen,
       Schledde auch. Und es gilt die Unschuldsvermutung.
       
       In seinem Statement am Mittwoch sprach Schledde davon, dass die anstehende
       Anklage in einer Reihe von „ständigen Angriffen der Landesregierung“ stehe.
       Er kritisierte außerdem die aus seiner Sicht „anlasslose“ [5][Hochstufung
       der AfD Niedersachsen zum Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung
       durch den Verfassungsschutz] und den [6][Ausschluss mehrerer
       AfD-Kandidaten] von den Kommunalwahlen am Sonntag.
       
       Volker Bajus, parlamentarischer Geschäftsführer der
       Grünen-Landtagsfraktion, bewertet das anders. „Das Verhalten von Ansgar
       Schledde zeigt sein gestörtes Verhältnis zum Rechtsstaat und zu den
       Spielregeln der Demokratie. Illegale Parteispenden sind keine Kleinigkeit“,
       teilte Bajus am Mittwoch mit. „In jeder demokratischen Partei hätten solche
       Machenschaften dazu geführt, dass Schledde seine Verantwortung entzogen und
       er seiner Ämter enthoben worden wäre. Nichts dergleichen bei der AfD, und
       das sagt viel über die politischen Maßstäbe innerhalb der AfD aus.“
       
       Gegen parteiinterne Widersacher durchgesetzt 
       
       Schledde gilt als erfolgreiche Strippenzieher in der niedersächsischen AfD.
       Gegen parteiinterne Widersacher hat er sich bisher immer durchgesetzt.
       Parteikolleg*innen nennen ihn, schrieb der NDR im April, den „König
       der Hinterzimmer“. Die bisherigen Ermittlungen konnten ihm jedenfalls
       ebenso wenig anhaben wie die zwei Brandbriefe der AfD-Europaabgeordneten
       Anja Arndt und weiterer Parteimitglieder im Februar.
       
       Von einem „korrupten System“ und einer „Parallelorganisation“ im
       niedersächsischen AfD-Landesverband war da die Rede gewesen und der
       Bundesvorstand wurde aufgefordert, etwas zu unternehmen. Ergebnis: Gegen
       Arndt wurde ein Parteiausschlussverfahren angestrengt und Schledde wurde
       auf dem Landesparteitag in Dötlingen im April im Amt bestätigt. Mit 95
       Prozent der Stimmen.
       
       Ob und wann die Staatsanwaltschaft Hannover tatsächlich Anklage gegen
       Schledde erhebt, ist noch unklar. Das war am Mittwoch bis Redaktionsschluss
       nicht zu klären.
       
       9 Sep 2026
       
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