# taz.de -- Kommunalwahl in Niedersachsen: CDU bleibt trotz Verlusten stärkste Kraft
> Verluste für CDU, SPD und Grüne, Gewinne für AfD und Linke: So lief die
> Wahlnacht in Niedersachsen.
(IMG) Bild: Auszählung der Stimmzettel in Niedersachsen: Mehr Kreuze für die AfD, weniger für die CDU
Wenn man auf die Ergebnisse der niedersächsischen Kommunalwahl blickt, dann
lautet die Quintessenz für die Meisten wohl: Nicht ganz so schlimm wie
befürchtet, aber auch kein Grund zur Erleichterung.
Landesweit bleibt die CDU mit 27,2 Prozent stärkste Kraft auf Kreisebene.
Das sind 4,5 Prozentpunkte weniger als bei der vorigen Kommunalwahl 2021 –
ein Dämpfer, aber kein Absturz.
Die SPD musste noch größere Verluste hinnehmen: Sie kam auf 5,4
Prozentpunkte weniger als bei der letzten Wahl. Landesweit landet sie damit
bei 24,6 Prozent. Gleich dahinter: [1][Die AfD als drittstärkste Kraft] mit
15,9 Prozent – das sind 11,3 Prozentpunkte mehr als 2021.
## Die Grünen rutschen auf Platz 4
[2][Bitter lief es für die Grünen], die ihr Ergebnis mit 14,1 Prozent
(minus 1,8 Prozent) zwar fast halten konnten, aber trotzdem auf den vierten
Platz abrutschen. Alle diese Zahlen beziehen sich auf das vorläufige
Ergebnis – das amtliche Endergebnis liegt am Montagmorgen noch nicht vor.
Neben der AfD kann auch die Linke deutliche Zuwächse verbuchen. Die Partei
kommt dieses Mal auf sechs Prozent, ein Plus von 3,2 Prozentpunkten. Die
Ergebnisse der Sachsen-Anhalt-Wahl scheinen mehr Wähler in Niedersachsen
mobilisiert zu haben: Die Wahlbeteiligung stieg um 7,6 Prozentpunkte, auf
64,6 Prozent. An manchen Wahllokalen war deshalb Geduld gefragt, ab dem
Mittag standen die Menschen vielerorts Schlange.
Rund 6,5 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen – mehr als dreimal so
viele wie in Sachsen-Anhalt. Bei der Kommunalwahl dürfen in Niedersachsen
allerdings auch 16-Jährige und EU-Bürger*innen mitwählen.
In vielen Städten wurden nicht nur die Kommunalparlamente (Kreistage, Räte
und Gemeinderäte) neu gewählt, sondern auch die Landräte, Bürgermeister
oder Oberbürgermeister. In vielen Fällen wird eine Stichwahl erforderlich
sein, die am 27. September stattfinden soll.
## AfD in Salzgitter in der Stichwahl
Vor allem bei den Personenwahlen weichen die Ergebnisse deutlich von
Landes- oder Bundestrends ab. Obwohl die AfD mit mehr Kandidaten antrat als
jemals zuvor, gelang es ihr nur in Salzgitter, mit Patricia Mair eine
Kandidatin in die Stichwahl zu bekommen. Die vom Strukturwandel gebeutelte
Stadt wächst sich zur neuen AfD-Hochburg aus, auch im Rat ist die AfD zur
stärksten Fraktion geworden.
Allerdings drohen in vier Fällen noch Wahlanfechtungen, weil die
AfD-Kandidaten Martin Sichert (Landkreis Friesland), Stephan Bothe
(Landkreis Lüneburg), Thorsten Moriße (Stadt Wilhelmshaven) und Justin
Vogel (Herzberg am Harz) aufgrund von [3][Zweifeln an ihrer
Verfassungstreue] nicht antreten durften. Die Vorab-Überprüfung durch die
Wahlausschüsse, die sich in Niedersachsen neuerdings auch auf Erkenntnisse
des Verfassungsschutzes stützen dürfen, ist umstritten.
Auf der anderen Seite des politischen Spektrums hatten die Grünen hier
stellenweise Grund zum Jubeln: vor allem in Hannover und Göttingen. In
Hannover war die Auseinandersetzung zwischen Oberbürgermeister Belit Onay
(Grüne) und seinem Stellvertreter Axel von der Ohe (SPD) mit Spannung
erwartet worden. Belit Onay setzte sich mit einem deutlichen Vorsprung und
insgesamt 45,6 Prozent durch, der Zweitplatzierte von der Ohe kam auf 21,5
Prozent. CDU-Kandidat Peter Karst kam auf 14,1 Prozent, vor der
AfD-Kandidatin Jessica Schülke mit 10,8 Prozent.
In Göttingen hatte die Grüne Onyeka Oshionwu Grund zur Freude: Sie zieht
mit 41,4 Prozent in die Stichwahl ein, vor ihrem Mitbewerber Ehsan
Kangarani von der CDU mit 27,9 Prozent. Was aber auch dem Umstand zu
verdanken ist, dass Amtsinhaberin Petra Broistedt von der SPD nicht erneut
antrat.
Insgesamt zeigt sich bei den Personenwahlen ein sehr viel durchmischteres
Bild als auf der übergeordneten Ebene. An vielen Orten treten parteilose
Bewerber an oder Einzelkandidaten, die von gleich mehreren Parteien
unterstützt werden. Für jede einzelne Partei lassen sich hier Erfolge und
Misserfolge ausmachen, die kein konsistentes Stimmungsbild ergeben, sondern
vor allem die Verhältnisse vor Ort widerspiegeln.
## Katzenjammer bei der SPD, Triumphieren bei CDU und AfD
In den Reaktionen der Parteien auf das Gesamtergebnis zeigen sich aber
deutliche Unterschiede: Vor allem in der SPD scheint Katzenjammer zu
herrschen. Ministerpräsident Olaf Lies sprach von einem „schwierigen
Ergebnis“ für seine Partei, Generalsekretärin Dörte Liebetruth sagte, man
müsse dringend in den Arbeiterhochburgen wieder Land gewinnen, und bemühte
sich im Übrigen die Verluste gleichermaßen den beiden großen Parteien, also
auch der CDU zuzuschreiben.
Das sieht deren Landesvorsitzender Sebastian Lechner natürlich anders.
Triumphierend verweist er darauf, dass man den Vorsprung zur SPD deutlich
ausgebaut habe und ausgerechnet in der VW-Stadt Wolfsburg nun schon zum
zweiten Mal den Oberbürgermeister stellt. Amtsinhaber Dennis Weilmann (CDU)
kam schon im ersten Wahlgang auf 50,1 Prozent und muss nicht einmal in die
Stichwahl.
Für die eigenen Verluste machte Lechner schon früh am Abend die Bundesebene
verantwortlich. Die Bundespolitik sei an jedem Wahlkampfstand Thema
gewesen. Von einem „Glaubwürdigkeitsproblem“ spricht er und davon, dass man
„zu wenig geliefert habe“. Nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und
Berlin müsse man daher in der CDU im Bund über einen deutlichen Kurswechsel
reden. Bei der Landtagswahl 2027 in Niedersachsen rechnet er sich
allerdings Chancen aus, Rot-Grün abzulösen.
Entsprechend selbstbewusst formuliert Lechner schon einmal seine
dringendsten Reformwünsche Richtung Berlin: Eine deutliche Entlastung der
Bürger sei nötig, meint er. Das gelte sowohl bei den Sprit- und
Energiepreisen als auch bei den Beiträgen zur Sozialversicherung.
Die AfD rechnet sich bei der Landtagswahl im kommenden Jahr noch viel
größere Chancen aus: „Da entfallen weniger Stimmen auf unabhängige
Wählergemeinschaften und die FDP und das wird für uns ein Vorteil sein“,
sagt Stephan Bothe (AfD). Grüne und Linke hoffen dagegen gleichermaßen,
dass das Erschrecken über die AfD-Ergebnisse die eigene Anhängerschaft auf
Trab bringt – auch nach der Sachsen-Anhalt-Wahl verzeichneten beide
Parteien in Niedersachsen einen erneuten Mitgliederzuwachs.
14 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Verdacht-der-Untreue/!6211731
(DIR) [2] /Kommunalwahl-in-Niedersachsen/!6212969
(DIR) [3] /Niedersachsens-Verfassungstreue-Check/!6211394
## AUTOREN
(DIR) Nadine Conti
## TAGS
(DIR) Grüne Niedersachsen
(DIR) SPD Niedersachsen
(DIR) Landtagswahl in Niedersachsen
(DIR) AfD Niedersachsen
(DIR) CDU Niedersachsen
(DIR) Niedersachsen
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) AfD Niedersachsen
(DIR) Niedersachsen
(DIR) Grüne Niedersachsen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) AfD-Erfolge in Niedersachsen: Salzgitter wird braun
Die AfD hat bei der Kommunalwahl in Niedersachsen stark zugelegt. Die Wahl
zeigt aber auch noch was anderes: die Grenzen ihres Aufstiegs.
(DIR) Kommunalwahl in Niedersachsen: CDU triumphiert trotz Verlust
CDU und AfD freuen sich über den Ausgang der Kommunalwahlen in
Niedersachsen, der SPD verschlägt es die Sprache. Dabei geht der
Stimmungstest für fast niemanden aus wie erhofft.
(DIR) Kommunalwahl in Niedersachsen: Grüne bleiben stabil
Bei der Kommunalwahl in Niedersachsen haben die Grünen respektabel
abgeschnitten. Und das nicht nur in den Ballungsräumen, auch in der Fläche.