# taz.de -- Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Der Linkenfresser aus dem Bundestag
       
       > Sepp Müller ist Co-Chef der Unionsfraktion im Bundestag. Jetzt will er
       > neuer CDU-Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt werden.
       
 (IMG) Bild: Sepp Müller oder Sepp Maier? Ersterer will lieber an die CDU-Spitze als ins Fußballstadion
       
       Am Sonntagabend läuft ein hochgewachsener Mann durch den großen Saal im
       Hotel Maritim in Magdeburg. Er schüttelt Hände, klopft Schultern, spricht
       hier und dort. Journalist:innen werden freundlich begrüßt, dann aber
       abgewiesen: „Ich sag jetzt nichts.“ Die CDU Sachsen-Anhalt hat gerade mit
       17 Prozent ein desaströs schlechtes Ergebnis eingefahren, die AfD ist nah
       dran an der Staatskanzlei. Auf der Wahlparty der CDU ist die Stimmung
       verzweifelt.
       
       Sepp Müller, jener hochgewachsene Mann, könnte jetzt schweigen, so wie an
       diesem Abend viele aus der [1][CDU Sachsen-Anhalt]. Irgendwann steht er
       doch vor einer TV-Kamera und sagt: „Ein,Weiter so' kann es nicht geben.“
       Spätestens jetzt ist klar: Hier bringt sich jemand als Nachfolger von Sven
       Schulze in Stellung, dem Ministerpräsidenten und gescheiterten
       CDU-Spitzenkandidaten. Er war ohnehin nie Müllers bester Parteifreund.
       
       Und so kommt es auch. Kaum beschließt die CDU-Spitze am Montag, den
       gesamten Landesvorstand neu zu wählen, wirft Müller seinen Hut für den
       Landesvorsitz in den Ring.
       
       Müller, 37 Jahre und gelernter Bankkaufmann, ist Mitglied im Vorstand des
       Sozialflügels der Landes-CDU und stellvertretender Vorsitzender der
       Unionsfraktion im Bundestag. Diesen Posten hat er sich in einer
       Kampfabstimmung erobert, die sogenannten Teppichhändler der Fraktion hatten
       sich eigentlich auf einen anderen Kandidaten geeinigt.
       
       ## Grobes Foul, wenige Tage vor der Landtagswahl
       
       Müller, das kann man wohl so sagen, ist bekennender Linkenfresser. Als
       Gregor Gysi die konstituierende Sitzung des Bundestags 2025 als
       Alterspräsident eröffnete, blätterte er demonstrativ in dem Buch „Die Täter
       sind unter uns“ von Hubertus Knabe – natürlich so, dass es für die Kameras
       gut einzufangen war. Müller, der kurz vor der Wende geboren wurde, hat die
       DDR und das SED-Regime nicht mehr bewusst erlebt. In den Linken sieht er
       dennoch auch heute vor allem die SED-Nachfolgepartei.
       
       Er lehne die Zusammenarbeit mit der „[2][extremen Linken]“ und „der
       extremen Rechten“ strikt ab, betont Müller auch am Montagabend. Dass er
       damit die AfD verharmlost und der CDU jede Machtoption nimmt, ficht ihn
       nicht an: „Wer zu allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht.“ Die
       CDU müsse Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, da sei Prinzipientreue gefragt.
       
       In den Tagen vor der Wahl hatte Müller mit zwei Dingen für Furore und Unmut
       in Teilen seiner Partei gesorgt: „Sollten die Umfrageergebnisse
       [3][Wahlergebnisse] werden, dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen
       Regierungsbildungsauftrag“, hatte er gesagt – und hat gleichzeitig
       klargemacht, dass es auch eine noch so vorsichtige Zusammenarbeit mit der
       Linkspartei auf keinen Fall geben dürfe. Folgt man dem, hätte die CDU schon
       vor der Wahl keinerlei Machtoption mehr gehabt.
       
       Damit hat er zwar so manchem im Landesverband aus dem Herzen gesprochen,
       ist dem eigenen Spitzenkandidaten aber massiv in den Rücken gefallen. Ein
       grobes Foul, wenige Tage vor der Landtagswahl. In Teilen des Landesverbands
       ist man deshalb auf Müller gar nicht gut zu sprechen. Auch der Kanzler hat
       ihn am Montag scharf kritisiert, ohne allerdings seinen Namen zu nennen.
       
       Müller ist mit seinem CSU-Fraktionskollegen Wolfgang Stefinger verheiratet,
       die beiden sind das erste offen schwule Ehepaar im Bundestag. Seit 2017 ist
       er hier Abgeordneter, zweimal holte er das Direktmandat im Wahlkreis
       Dessau-Wittenberg, er hat hier das beste Erststimmenergebnis der CDU im
       Osten erzielt. 2025 aber verlor er das Direktmandat [4][an die AfD]. Von
       seiner Partei war er damals nur mit nur 81 Prozent nominiert worden, trotz
       seiner früheren Erfolge. Müller war schon damals umstritten. Sein Verhalten
       vor der Wahl hat das nicht besser gemacht. Im Landesverband wird mit einer
       Gegenkandidatur gerechnet.
       
       8 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Sabine am Orde
       
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