# taz.de -- Trotz Kanzler-Kritik: Müller will neuer CDU-Chef in Sachsen-Anhalt werden
       
       > Sepp Müller geht nach Merz-Kritik in die Offensive: Er will die CDU
       > Sachsen-Anhalt neu aufstellen – und kandidiert für den Landesvorsitz.
       
 (IMG) Bild: Hat seinen Hut in den Ring geworfen: Sepp Müller (CDU)
       
       dpa | Der Bundeskanzler hat ihn angezählt – doch Sepp Müller geht in die
       Offensive: Unions-Fraktionsvize Müller will nach der [1][Wahlschlappe
       seiner Partei bei der Landtagswahl] CDU-Landeschef in Sachsen-Anhalt werden
       und dabei eine klare Linie der Abgrenzung gegen rechts und links verfolgen.
       „Ich kandidiere als Landesvorsitzender“, sagte Müller nach einer Sitzung
       des CDU-Landesvorstands in Magdeburg. Der 37-Jährige ist stellvertretender
       Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
       
       Man werde die Demokratie in der Mitte verteidigen, sagte Müller. „Es kann
       keine Zusammenarbeit mit der extremen Linken geben, und es kann keine
       Zusammenarbeit mit der extremen Rechten geben“, betonte er. „Wer zu allen
       Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht.“ Die CDU müsse Glaubwürdigkeit
       zurückgewinnen, betonte er. „Deswegen bin ich Sven Schulze und dem
       Landesvorstand dankbar, dass er sich auf den Weg gemacht hat, einen
       Neuanfang für unsere Landespartei zu ermöglichen“, sagte er.
       
       ## Neuwahl Ende November oder Anfang Dezember
       
       Zuvor hatte Ministerpräsident und Noch-CDU-Landeschef Sven Schulze
       angekündigt, dass es [2][im Herbst eine Neuwahl des Landesvorstands geben
       wird]. Diese solle Ende November oder Anfang Dezember erfolgen, so Schulze.
       Auf Nachfragen von Journalisten, ob er erneut für den Vorsitz kandidieren
       wolle, sagte Schulze: „Es ist im Moment nicht mein Plan.“
       
       Der 47-Jährige hatte die Christdemokraten als Spitzenkandidat in die
       Landtagswahl geführt. Seine Partei stürzte bei der Wahl von 37,1 Prozent im
       Jahr 2021 auf 17,2 Prozent ab. Die CDU-Landtagsfraktion schrumpfte von 40
       auf 15 Abgeordnete.
       
       ## In den Rücken gefallen – Merz kritisiert Müller
       
       Nur wenige Stunden vor seiner Ankündigung, für den Landesvorsitz zu
       kandidieren, war Müller von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) öffentlich
       gerügt worden. Ohne Müller namentlich zu nennen, sagte Merz bei einer
       Pressekonferenz in Berlin, er habe in den Parteigremien darauf hingewiesen,
       „dass es niemand von uns verstanden hat, dass wenige Tage vor dem
       Wahltermin ein stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion dem
       eigenen Spitzenkandidaten so in den Rücken fällt, wie das drei Tage vor der
       Wahl bis zum gestrigen Tag anhaltend geschehen ist.“
       
       Müller hatte wenige Tage vor der Wahl in einem Podcast gesagt, sollten die
       Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann habe AfD-Spitzenkandidat
       Ulrich Siegmund einen Regierungsbildungsauftrag. Das sahen zwar einige
       ähnlich bei den Christdemokraten, empfanden viele in der Hochphase des
       Wahlkampfs jedoch als Störfeuer.
       
       ## Müller weist Merz-Kritik zurück
       
       Auf die Nachfrage von Journalisten, was er zur Kritik von Merz sage,
       betonte Müller: „Ich teile die Äußerung unseres Bundesvorsitzenden nicht,
       und vor allem teilt es die breite Mehrheit unserer Landespartei nicht.“
       Zugleich betonte Müller, dass er als stellvertretender
       Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag seinen Beitrag bei den
       anstehenden Reformen leisten wolle, „und hier hat Friedrich Merz meine
       volle Unterstützung“.
       
       Schulze bestätigte auf Nachfrage, dass Müllers Äußerung vor der Wahl auch
       in der Sitzung des Landesvorstands thematisiert worden sei. Man könne
       unterschiedlicher Meinung sein, aber man müsse die Themen intern lösen,
       sagte Schulze. Näher wollte er nicht darauf eingehen.
       
       ## Schulze übernahm im Januar von Haseloff
       
       Schulze ist seit 2021 Landesvorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt und war
       zuletzt im November 2025 auf einem Landesparteitag wiedergewählt worden.
       Nachdem sich der damalige Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) im Januar
       2026 zurückgezogen hatte, übernahm der bisherige Wirtschaftsminister
       Schulze als Regierungschef.
       
       Bereits am Wahlabend hatten die Landtagsabgeordnete Eva Feußner und die
       Junge Union Konsequenzen in der Landespartei gefordert. Der
       CDU-Landtagswahlkampf war stark auf die Person Schulze zugeschnitten –
       obwohl die CDU seit 24 Jahren in Sachsen-Anhalt die Landesregierung in
       unterschiedlichen Konstellationen angeführt hat.
       
       ## Was plant die AfD?
       
       [3][AfD-Wahlgewinner Ulrich Siegmund] will bei den anderen Fraktionen und
       einzelnen Abgeordneten eine Mehrheit suchen. Sein „erklärtes Ziel“ sei es,
       „dass wir schnellstmöglich eine stabile Mehrheit, auf die wir uns verlassen
       können, im Landtag von Sachsen-Anhalt auf den Weg bringen“, sagte Siegmund
       in Berlin. Dies solle „unter der Maßgabe“ geschehen, dass Kernpositionen
       etwa bei Migration und innerer Sicherheit „zu 100 Prozent umgesetzt“
       würden.
       
       Müller warf Siegmund vor, bereits sein erstes Wahlversprechen zu brechen.
       „Er hat gesagt, er will eine absolute Mehrheit haben und geht jetzt mit dem
       Bündnis Sahra Wagenknecht zusammen. Das muss auch jedem Wähler bewusst
       sein. Er macht halt nicht das, was er vor der Wahl gesagt hat“, sagte
       Müller.
       
       8 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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