# taz.de -- Grüne nach Wahl in Sachsen-Anhalt: Grün bleibt die Hoffnung
       
       > Die Grünen feiern in Sachsen-Anhalt einen Rekord. Nun hoffen sie, dass
       > die AfD-Angst auch in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin Stimmen bringt.
       
 (IMG) Bild: Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Susan Sziborra-Seidlitz (M), Grünen-Spitzenkandidatin
       
       Am Wahlabend war mehr Konfetti. Mit 8,9 Prozent feierten die Grünen in
       Magdeburg ihr bestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Am Montagmittag ist die
       Freude in der Berliner Parteizentrale verflogen. Zu groß ist die Sorge
       [1][vor einer AfD-geführten Regierung].
       
       „Das ist für mich, obwohl wir so ein grandioses Ergebnis als Bündnis 90/Die
       Grünen eingefahren haben, kein Tag zur Freude“, sagt Spitzenkandidatin
       Susan Sziborra-Seidlitz. Sie ist zur Sitzung des Bundesvorstands nach
       Berlin gereist und steht nun bei der Pressekonferenz vor den Kameras.
       „Bitter“ sei es, möglicherweise die Hoffnungen all der Menschen zu
       enttäuschen, die ihre Partei gewählt haben, um eine rechtsextreme Regierung
       zu verhindern. [2][Taktisch die Grünen zu wählen], um eine AfD-Mehrheit zu
       verhindern: Dieses Kalkül ist ja tatsächlich nicht ganz aufgegangen.
       
       Aber noch, so Sziborra-Seidlitz weiter, gebe sie die Hoffnung nicht ganz
       auf. Man werde im Landesvorstand und mit den anderen demokratischen
       Parteien beraten, „ob es noch irgendeine Form gibt, die rechtsextreme
       Alleinregierung zu verhindern. “ Ideen gebe es durchaus. Welche? „Zwingen
       Sie mich bitte nicht dazu, das heute auszuführen. Wir werden uns dazu in
       den nächsten Tagen äußern.“
       
       Statt ins Detail zu gehen, überlässt Sziborra-Seidlitz das Wort dann lieber
       zwei Parteikolleg*innen, die in zwei Wochen andernorts zur Wahl stehen:
       Claudia Müller, Spitzenkandidatin in Mecklenburg-Vorpommern, und [3][Werner
       Graf], der gern Regierender Bürgermeister in Berlin werden würde. Auch sie
       bemühen sich am Montag um Demut. Zugleich hoffen sie, dass das überraschend
       gute Grünen-Ergebnis in Sachsen-Anhalt auch ihnen Rückenwind gibt – und
       dass das Entsetzen demokratischer Wählerinnen und Wähler über das AfD-Hoch
       am 20. September bei ihnen einzahlt.
       
       ## Erzählungen mit Haken
       
       „Wir spüren auch in Mecklenburg-Vorpommern die Angst, die viele Menschen
       umtreibt“, sagt Müller, deren Landesverband in Umfragen bei 5 Prozent
       steht. Aber auch: „Natürlich spüren wir einen Rückenwind durch das wirklich
       gute grüne Bündnisgrünen-Ergebnis in Sachsen-Anhalt.“ Die Rahmenbedingungen
       für eine taktische Leihstimmenkampagne sind in ihrem Bundesland jedoch
       schlechter als dort: In Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD in Umfragen von
       einer absoluten Mehrheit relativ weit weg. Das Argument, die Grünen müssten
       in den Landtag, damit die Rechtsextremen nicht alleine regieren können,
       greift hier nicht.
       
       Vielmehr hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) noch die Chance,
       die AfD als stärkste Kraft zu verhindern – und mit dieser Hoffnung den
       Grünen Wähler abzusaugen. Das weiß auch Müller, die das taktische Argument
       abwandelt: Ob die amtierende rot-rote-Regierung wieder eine Mehrheit
       bekommt, ist unsicher. Dass die CDU mit der Linken koaliert, ist
       unwahrscheinlich. Eine stabile Mehrheit könne es daher nur in einer
       Dreierkoalition mit den Grünen geben. Sie könnten der „Stabilitätsanker“
       sein.
       
       Auch diese Erzählung hat einen Haken. Basierend auf der letzten
       Infratest-Umfrage müssten SPD und Linke den Grünen nur noch einen
       Prozentpunkt abnehmen, um wieder zu zweit regieren zu können. Andererseits
       hat sich aber erst am Sonntag wieder gezeigt: Auf Umfragen sollte man sich
       nicht absolut verlassen.
       
       Wieder anders sind die Rahmenbedingungen für Werner Graf und die Grünen in
       Berlin. Die AfD ist hier nicht nur ohne Chancen auf eine
       Regierungsbeteiligung. Auch stabile demokratische Koalitionen scheinen hier
       problemlos möglich. Die Frage ist nur: In welcher Konstellation – und mit
       wem an der Spitze?
       
       „Was wir gestern erlebt haben, beschäftigt mich wirklich noch sehr“, sagt
       Graf über das Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Viele Menschen, zum Beispiel in
       Kunst und Kultur, hätten Angst und säßen auf gepackten Koffern. Dann macht
       er eine Ankündigung: „Ich sage das ganz klar: Als Regierender Bürgermeister
       von Berlin werde ich das auch als meine Aufgabe verstehen, dass wir diesen
       Menschen Schutz geben.“ Er wolle dann ein Patenschaftsprogramm mit
       bedrohten Einrichtungen in Sachsen-Anhalt auflegen.
       
       Eine gewagte Ankündigung? In den Umfragen liegen die Grünen derzeit hinter
       CDU und Linken. Graf könnte allerdings davon profitieren, dass er sich
       zwischen beiden positioniert – und damit sowohl links als auch im
       bürgerlichen Lager Stimmen gewinnen.
       
       7 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
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