# taz.de -- Pressefreiheit in Sachsen-Anhalt: Es erinnert an Donald Trump
       
       > Die AfD will die Pressefreiheit enorm einschränken, das haben sie lange
       > angekündigt. Doch den Ernst der Lage muss die Presse erst noch begreifen.
       
 (IMG) Bild: Ulrich Siegmund kündigte im Wahlkampf an, an der Pressefreiheit sägen zu wollen
       
       Bei Gott, es war schon so schwer genug aus Sachsen-Anhalt zu berichten. Ich
       weiß, wovon ich spreche. So wurde mir im Vorfeld der Wahl mitgeteilt,
       [1][die Polizei in Sachsen-Anhalt habe hinsichtlich meiner Person
       „sicherheitsrelevante Bedenken“], eine Akkreditierung für die Medienhalle
       des Landtags wurde somit verweigert. Das klingt alles nach politischer
       Einflussnahme, und wir werden das auf jeden Fall juristisch prüfen lassen.
       
       Und nun? [2][Knapp 44 Prozent derjenigen Wähler:innen], die am Sonntag
       ihre Stimme abgegeben haben, haben sich für die AfD entschieden. Und damit
       für Antisemitismus, für Rassismus, für Queerfeindlichkeit, für die
       Stigmatisierung von Menschen, vor allem Kinder mit Behinderung, für eine
       gewalttätige Truppe, die die Demokratie abschaffen will, gegen die
       Menschenwürde und vor allem auch gegen die Pressefreiheit. Die
       journalistische Arbeit in Magdeburg und anderswo in diesem Bundesland ist
       seit diesem Wahlsonntag noch schwerer geworden.
       
       Ein Vorgeschmack wie es werden könnte, habe ich in Magdeburg selbst
       beobachtet: Unweit vom Elbe-Ufer schaut ein AfD-wählendes Pärchen auf ein
       Kamerateam des ZDF, wie es verzweifelt versuchte ein paar Stimmen auf der
       Straße einzufangen. Lehnt sie sich zu ihm und sagt: „Dumme Lügenpresse, die
       werden schon sehen, wo sie bleiben, wenn unsere AfD endlich an der Macht
       ist.“ Diese Szene ist passiert, da war es erst 15 Uhr am Wahlsonntag, da
       wussten die beiden geschichtsvergessenen AfDler nicht, dass ihre Partei
       fast die absolute Mehrheit erreichen wird.
       
       ## Die Verachtung ist spürbar
       
       Die AfD hat im Wahlkampf schon angekündigt, dass sie an der Pressefreiheit
       sägen will. In den vergangenen Wochen machte sie zum Beispiel lautstark
       Stimmung gegen den Mitteldeutschen Rundfunk. [3][Abschaffen wolle er den
       MDR], beteuerte Ulrich Siegmund auf vielen Wahlkampfveranstaltungen, aus
       dem Rundfunkstaatsvertrag aussteigen und einen „Grundfunk“ daraus basteln.
       
       Den Öffentlich-Rechtlichen von heute auf morgen abschaffen geht nicht, doch
       die AfD könnte mit ihren Plänen ihnen immens schaden. Und schon jetzt
       konnte man auf der AfD-Wahlparty am Sonntag beobachten, wie die Partei mit
       Pressevertreter:innen umging: Wie gewohnt zwängte die AfD jene
       Journalist:innen, die sie aus juristischen Gründen akkreditieren musste,
       obwohl sie sie eigentlich verachtet, in einen kleinen Bereich des Saals.
       Die Kolleg:innen konnten sich nicht frei bewegen, nicht frei ihre Arbeit
       machen. Und das zeigt, welchen Stellenwert die Pressefreiheit in der
       totalitären Vision der AfD hat: gar keinen.
       
       Das erinnert alles stark [4][an die Methoden von Donald Trump,] der es
       zweimal verstanden hat. Er nutzt die Medien, um maximale Aufmerksamkeit für
       seine Wahlsiege zu generieren, um dann dieselben Medien im Anschluss zu
       bekämpfen, sie zu beschimpfen, die Pressefreiheit mit Füßen zu treten. In
       unseren Nachbarländern Polen und Ungarn haben wir gesehen, wie weit
       Rechtsextremisten bereit sind zu gehen, um die freie Presse einzuschränken,
       staatliche Propaganda zu verbreiten, die Gesellschaft zu spalten. In
       Sachsen-Anhalt könnte es genauso kommen. Dem (Lokal-)Journalismus dort
       stehen schwierige Zeiten bevor.
       
       Und was machen einige Medienvertreter:innen? Der Kinderkanal von ARD und
       ZDF lädt den AfD-Spitzenkandidaten und damit obersten Rechtsextremisten von
       Sachsen-Anhalt kurz vor dem Wahlsonntag in eine Kindersendung ein. In den
       Wahlsendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Radio wird er als
       normaler Gewinner des Abends präsentiert, Reporter:innen beschreiben,
       dass zwar die AfD gesichert rechtsextrem sei, ihre Wähler:innen aber gar
       keine Verantwortung am Geschehen tragen. Eins ist am vergangenen Sonntag
       also deutlich geworden: Um die Pressefreiheit in Sachsen-Anhalt und darüber
       hinaus zu schützen, muss zunächst die Presse selbst den Ernst der Lage
       begreifen.
       
       7 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Pressefreiheit-in-Deutschland/!6210440
 (DIR) [2] /AfD-Sachsen-Anhalt-nach-Wahlergebnis/!6209766
 (DIR) [3] /MDR-vor-den-Landtagswahlen/!6204657
 (DIR) [4] /US-Journalisten-Verband-reicht-Klage-ein/!6207915
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mohamed Amjahid
       
       ## TAGS
       
 (DIR) MDR
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Journalismus
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
 (DIR) Sven Schulze
 (DIR) Specht der Woche
 (DIR) Wahlen in Ostdeutschland
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Reaktionen auf Sachsen-Anhalt: Begeisterungsstürme, Schockstarre und tiefe Besorgnis
       
       Die internationalen Reaktionen auf den AfD-Sieg könnten unterschiedlicher
       kaum ausfallen. Linke und Demokrat:innen sind besorgt, die Rechte
       reagiert gespalten.
       
 (DIR) CDU nach Wahl in Sachsen-Anhalt: „Der Regierungsauftrag liegt jetzt bei der AfD“
       
       Bundeskanzler Merz räumt ein, dass sein Regierungskurs schlecht für die
       Wahl war, will aber daran festhalten. Spitzenkandidat Schulze zieht erste
       Konsequenzen.
       
 (DIR) Protest für unabhängige Sender: Demonstriert für freie Radios!
       
       Die freien Radios sind wichtig für die Gesellschaft. Doch sie verschwinden,
       auch weil ihnen das Geld fehlt. Zeit, dass sich das ändert!
       
 (DIR) Wahl in Sachsen-Anhalt: Sieg Unheil
       
       Rechtsextreme gewinnen die Wahl in Sachsen-Anhalt. Die CDU ist weit
       abgeschlagen, das BSW nimmt die Fünfprozenthürde. Eine Regierungsbildung
       dürfte schwierig werden.
       
 (DIR) Pressefreiheit in Deutschland: Wer in Magdeburg als Gefahr gilt
       
       Der Landtag in Sachsen-Anhalt verweigert dem Journalisten Mohamed Amjahid
       die Akkreditierung. Die Polizei hat „sicherheitsrelevante Bedenken“.