# taz.de -- Reaktionen auf Sachsen-Anhalt: Begeisterungsstürme, Schockstarre und tiefe Besorgnis
> Die internationalen Reaktionen auf den AfD-Sieg könnten unterschiedlicher
> kaum ausfallen. Linke und Demokrat:innen sind besorgt, die Rechte
> reagiert gespalten.
(IMG) Bild: Nicht alle Rechten finden die AfD gut, AfD-Familienfest in Magdeburg am 4. September
## Italien
Drei Parteien, drei Reaktionen, wie sie unterschiedlicher kaum sein
könnten: Italiens Rechtsregierung unter der [1][Postfaschistin Giorgia
Meloni ist in der Haltung zum AfD-Erfolg tief gespalten]. Matteo Salvini,
Chef der rechtspopulistisch-migrationsfeindlichen Lega und
Vize-Ministerpräsident, jubelt: „Ein spektakulärer Erfolg, der das
Verlangen nach Wandel deutlich macht. Schrecken? Gefahr? Nein, das nennt
sich Demokratie.“
Ganz anders sieht Antonio Tajani, auch er Vize-Ministerpräsident, die
Dinge. Der Vorsitzende von Forza Italia befindet, der AfD-Triumph sei „eine
sehr schlechte Nachricht für Europa, die hoffentlich eine lokale Ausnahme
bleibt“; jetzt gelte es zu vermeiden, „dass die populistische und
fanatische Abdrift Europa überschwemmt“.
Mehr als verhalten ist dagegen die Reaktion der Meloni-Partei Fratelli
d’Italia. Aus ihr meldet sich nur Emanuele Loperfido zu Wort, Hinterbänkler
im Abgeordnetenhaus. Schmallippig kommentiert er, „wir bewerten die
Entscheidungen der Bürger nicht, jeder Wahlausgang ist zu respektieren“.
Und dann wäre da noch Roberto Vannacci aus der Fraktion Europa der
Souveränden Nationen im Europaparlament, zu der auch die AfD gehört. „Merz
hat ein Magengeschwür“, diagnostiziert er, „wir machen der Kaste Angst und
wir sind auf dem richtigen Weg.“
## Frankreich
Bei den kommenden Präsidentschaftswahlen im Frühling 2027 will die
[2][extreme Rechte mit Marine Le Pen] und Jordan Bardella vom Rassemblement
National – in diesem Fall landesweit! – ebenfalls nach der Macht greifen.
Die Wahlen im fernen deutschen Bundesland haben also eine besondere und
direkte Bedeutung. Der rechtsradikale Präsidentschaftskandidat Eric
Zemmour, ein Konkurrent des RN, feiert den Sieg der AfD als „Stunde der
Wahrheit“, die er sich auch in Paris wünscht.
Bezeichnenderweise reagierten aber weder Le Pen noch andere Sprecher des RN
am Sonntagabend auf den Wahlsieg der AfD, die aufgrund vergangener
Meinungsdifferenzen von der französischen Rechtspopulistin nicht als
„Schwesterpartei“ empfunden und geschätzt wird. Bei einem Abstecher nach
Italien hatte Bardella am Samstag im Voraus erklärt, die von ihm
präsidierte Partei sei wegen „einer Reihe von Meinungsverschiedenheiten auf
Distanz zur AfD gegangen“, und eine Allianz sei „nicht vorgesehen“.
Auch wenn sich Le Pen und Bardella vermutlich über die zusätzliche Dynamik
des AfD-Triumphs für die europäische radikale Rechte freuen, wünschen sie
keinerlei Unterstützung – und denken, diese ohnehin angesichts der Umfragen
in Frankreich nicht nötig zu haben.
## Österreich
Was in Deutschland gerade als Schock erlebt wird, ist im Nachbarland längst
politische Realität. Dort war die rechtspopulistische FPÖ bereits im Jahr
2024 Siegerin der Nationalratswahl – 28,8 Prozent haben sie damals gewählt.
Zudem ist die extrem rechte Partei an fünf Landesregierungen beteiligt. In
der Steiermark stellt sie sogar den Ministerpräsidenten.
Die FPÖ ließ mit ihrer Reaktion nicht lange auf sich warten. Um 21 Uhr
gratuliert die Schwesterpartei dem „lieben“ Ulrich auf X zum Wahlsieg. „Die
Zeit der Patrioten und des Systemwechsels ist gekommen – in Deutschland und
auch bei uns in Österreich.“ Schon vor den ersten Prognosen kamen
Glückwünsche zum „grandiosen Wahlkampf“.
Während manche Medien noch damit beschäftigt sind, den Wahlsieg der AfD
politisch einzuordnen, hat die FPÖ-nahe Boulevardzeitung Heute bereits eine
Antwort parat. Mit einer Bilderstrecke feiert sie das Ergebnis und
bezeichnet es kurzerhand als „Sensation“.
Der AfD-Erfolg besorgt viele Österreicher:innen, überrascht sind jedoch die
wenigsten. Besonders um marginalisierte Gruppen ist die Sorge groß. Umso
wichtiger sei es, sich mit ihnen zu solidarisieren.
## Polen
„Der Sieg der AFD ist eine ernste Warnung an die deutsche Demokratie“,
titelt Polens linksliberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza. „In Polen können
sich nur Idioten und Verräter über den Sieg der AfD in Deutschland freuen“,
nahm Polens Premier Donald Tusk auf der Social-Media-Plattform X kein Blatt
vor den Mund. „Davon haben sich einige in den Parteien Konföderation und
Recht und Gerechtigkeit (PiS) angesammelt.“
„Heute Sachsen-Anhalt, morgen ganz Deutschland … Bravo, @AfD!“, zitiert
hingegen das rechtsnationale Magazin Do Rzeczy den Schriftsteller Jacek
Piekara, einen populären Fantasy-Schriftsteller, der der PiS nahe steht und
sich öfter aus der rechten Ecke politisch äußert: „Ein Sieg der AfD ist für
Polen die beste Lösung. CDU/CSU und SPD sind Verbündete Moskaus und
Brüssels. Die AfD ist zwar ebenfalls ein Verbündeter Moskaus, aber dafür
ein Feind Brüssels. Sie ist also für uns das kleinere Übel. Angesichts der
extrem antipolnischen Politik von Merkel, Scholz und Merz kann ich mir
ohnehin nicht vorstellen, dass die AfD schlimmer sein könnte als sie!“, so
der polnische Schriftsteller.
## Israel
„Die extreme Rechte regiert bald wieder in Deutschland – was kann schon
schiefgehen?“, witzelt ein Israeli mit schwarzem Humor in der
Kommentarspalte eines israelischen Fernsehsenders zu einem Beitrag über den
Wahlsieg der AfD. „Und die israelische Rechte unterstützt sie!“, ergänzt
ein anderer.
Die israelische Rechte und die Netanjahu-Regierung haben ein ambivalentes
Verhältnis zur deutschen Rechten, namentlich zur AfD. Denn auch wenn einige
in der AfD klar antisemitische Positionen vertreten und offiziell keine
AfD-Vertreter:innen empfangen werden – in großen Teilen decken sich die
Positionen etwa der rechtsextremen Minister Itamar Ben Gvir oder Bezalel
Smotrich mit denen der AfD, in der Migrationspolitik und in der
Islamfeindlichkeit beispielsweise. 2020 mutierte [3][Yair Netanjahu,
rechter Influencer und Sohn von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, sogar
zum Posterboy der AfD]. Yair Netanjahu hatte damals einen Tweet abgesetzt,
in dem er gegen die „globalistische EU“ gehetzt hatte.
Von Regierungsseite kamen zu dem Wahlsieg der AfD keine Reaktionen, weder
Bestürzung noch Unterstützung. Yishai Fleisher aber, einflussreicher
Siedler und enger Vertrauter von Ben Gvir, feierte den AfD-Sieg auf X als
Teil einer „globalen konservativen Welle“. „Herzlichen Glückwunsch,
Deutschland und Europa – vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für euch!“
## USA
[4][US-Präsident Donald Trump] wartete am Sonntag nicht einmal die
endgültige Stimmenauszählung in Sachsen-Anhalt ab, um seiner Freude über
das Ergebnis Ausdruck zu verleihen. Auf seiner Platform TRUTH teilte er
kommentarlos die letzten Hochrechnungen, doch alleine sein Bedürfnis, das
Wahlergebnis mitzuteilen, verriet seinen Anhängern, was er darüber dachte.
Elon Musk war in seiner bekannten Sympathie für die AfD wesentlich direkter
– er rief Alice Weidel gleich am Sonntag an, um ihr zu gratulieren.
Im zentristisch-liberalen Mainstream rief das Wahlergebnis derweil tiefe
Besorgnis hervor. Die New York Times, welche die Sachsen-Anhalt Wahl zum
Top-Thema erhob, befürchtete vor allem eine Signalwirkung für kommende
Wahlen in Frankreich und Spanien und befürchtete einen Rechtsruck in ganz
Europa. Mit der Befürchtung einher geht die Sorge um die Stabilität des
transatlantischen Bündnisses, insbesondere angesichts der offenen
Russland-Freundlichkeit der AfD und anderer rechter Parteien in Europa.
Zugleich äußerten die Kommentatoren Bedenken angesichts der
Führungsschwäche der deutschen Bundesregierung, die durch das Wahlergebnis
zutage getreten sei.
## Russland
So betont uninteressiert wie nach dem ernüchternden Wahlsieg der AfD in
Sachsen-Anhalt am Sonntag gibt sich die Moskauer Führung selten.
Kremlsprecher Dmitrij Peskow antwortete auf Nachfrage des internationalen
russischsprachigen Fernsehsenders RTVI gar, der Kreml habe die Wahlen in
Sachsen-Anhalt schlichtweg nicht verfolgt. Dementsprechend könne er zu dem
Thema auch keinen Kommentar abgeben.
Die russischen Staatsmedien beschränkten sich auf Kurzmeldungen. Diese
Zurückhaltung angesichts des Wahlerfolgs der AfD, die, wie ihr
Co-Vorsitzender Tino Chrupalla am Montag betonte, wieder gute Beziehungen
zu Russland pflegen wolle, lässt sich aber auch anders interpretieren als
als reines Desinteresse: Sie zitieren schlichtweg Kanzler Friedrich Merz
mit dem Eingeständnis seiner Niederlage – für sie ein Triumph über einen
missliebigen Kanzler, mehr scheint es nicht zu brauchen. Am Montag wurde
zudem bekannt, dass das russische Außenministerium die Schließung des
deutschen Generalkonsulats in Sankt Petersburg ab dem 18. September
angeordnet hat.
7 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Eine-Party-fuer-Meloni/!6210293
(DIR) [2] /Le-Pen-nach-Urteil-in-Frankreich/!6194350
(DIR) [3] https://x.com/Joachim_Kuhs/status/1257960035264663552?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1257960035264663552%7Ctwgr%5Ec35268435fe0561b14e2751f52165be1bd2b82c3%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.jpost.com%2Fomg%2Fyair-netanyahu-is-now-a-far-right-german-politicians-poster-boy-627182
(DIR) [4] /Angriff-der-USA-auf-die-Meinungsfreiheit/!6207977
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