# taz.de -- Szenario einer AfD-Regierung: Wer will noch Richter:in in Sachsen-Anhalt werden?
> Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt regiert, wollen viele angehende
> Jurist:innen dort nicht arbeiten, zeigt eine Umfrage. Dabei braucht
> die Justiz dringend Nachwuchs.
(IMG) Bild: In ihrem Wahlprogramm spricht die AfD von „Kuscheljustiz“ und will Richter:innen ermutigen, „gegen den linken Ungeist“ vorzugehen
Ein Job am Gericht, in der Verwaltung, bei einem Ministerium – das klingt
attraktiv. Viele junge Menschen ziehen das für ihre berufliche Zukunft in
Betracht, wenn sie das Jurastudium beginnen. Laut einer [1][aktuellen
Umfrage der Lernplattform Jurafuchs] können sich vier von fünf
Jura-Studierenden und Rechtsreferendar:innen grundsätzlich
vorstellen, im Staatsdienst zu arbeiten.
Der juristische Nachwuchs zeigt also großes Interesse am Staatsdienst. Doch
das Bild ändert sich, wenn es um eine Anstellung in Sachsen-Anhalt geht und
die Befragten das Szenario einer möglichen AfD-Regierung vor Augen haben.
Die Umfrage zeigt: Die Bereitschaft, sich etwa auf eine Stelle als
Richter:in oder bei der Staatsanwaltschaft zu bewerben, sinkt für diesen
Fall deutlich.
Von 1.737 Teilnehmer:innen der Umfrage waren 1.295 allgemein am
Staatsdienst interessiert und haben die Folgefragen zu einer Bewerbung in
Sachsen-Anhalt im Allgemeinen sowie bei einer möglichen AfD-Alleinregierung
beantwortet. 57,7 Prozent von ihnen können sich eine Bewerbung in
Sachsen-Anhalt vorstellen. Sollte die AfD alleine die Landesregierung
stellen, sinkt die Bereitschaft auf 17,7 Prozent.
## Auch in Sachsen-Anhalt selbst sinkt die Bereitschaft
Selbst bei Studierenden und Rechtsreferendar:innen in Sachsen-Anhalt
und Umgebung bricht das Interesse ein. Ohne AfD-Regierung könnten sich
immerhin 61,6 Prozent einen Job im Staatsdienst vorstellen. Mit
AfD-Regierung sind es lediglich 15,2 Prozent. Das sei „besonders
bemerkenswert“, kommentiert Dr. Carl-Wendelin Neubert, Mitgründer von
Jurafuchs, die Umfrage.
Eigentlich gelten Jobs im Staatsdienst als attraktiv. Das zeigt auch die
Umfrage. „Das sind ja auch Jobs, die erfüllend sind. Sie arbeiten sozusagen
für den guten Zweck, im Rechtsstaat tätig zu sein, Recht und Gesetz
anzuwenden oder auch zu sprechen“, sagt er der taz.
„Was uns überrascht hat ist der extreme Abfall, ein richtiger Absturz, der
Bereitschaft für den Fall, dass die AfD in Sachsen-Anhalt nach der Wahl die
Alleinregierung stellt“, sagt Neubert. Warum das so ist, lasse sich nur
vermuten. Man habe bei der Umfrage nicht nach den Gründen gefragt.
Die ablehnende Haltung der Nachwuchsjurist:innen könnte neben privaten
Gründen auch mit der Haltung der AfD zur Justiz zusammenhängen. In ihrem
[2][Wahlprogramm zur Landtagswahl] spricht die AfD etwa von „Kuscheljustiz“
und will Richter:innen ermutigen, „gegen den linken Ungeist“ vorzugehen.
Und generell: Das Justizwesen stünde unter „parteipolitischem Einfluss“.
## Es gibt schon einen Personalmangel
Die Umfrage liefert einen Hinweis darauf, dass eine AfD-Regierung die
zukünftige Personalgewinnung erschweren könnte. Dabei muss das Land schon
jetzt schauen, wie es den juristischen Nachwuchs an sich binden kann. Der
Bund der Richter und Staatsanwälte in Sachsen-Anhalt erklärte Anfang des
Jahres in einer [3][Mitteilung], dass die Personalnot einen „kritischen
Punkt“ erreicht habe. Landesweit würden die Staatsanwaltschaften nur über
rund 91 Prozent des erforderlichen Personals verfügen.
Der Bund der Richter und Staatsanwälte sieht schon jetzt die
„Funktionsfähigkeit der Strafverfolgung ernsthaft gefährdet“. Doch die
Auswirkungen für die Bürger:innen gehen weit darüber hinaus. Auch
zivilrechtliche Verfahren oder Verwaltungsakte bleiben liegen.„Stellen Sie
sich vor, Sie brauchen eine behördliche Genehmigung, zum Beispiel eine
gewerberechtliche Erlaubnis, ganz alltägliche Dinge. Dann dauert das
einfach länger“, sagt Neubert.
Sachsen-Anhalt hatte bereits im August 2022 Maßnahmen für eine
Einstellungsoffensive bekanntgegeben. [4][Pro Jahr stellt das Land bis zu
40 neue Proberichter:innen ein]. Um Bewerbungen attraktiver zu machen,
wurde zudem das Rotationsprinzip abgeschafft. Proberichter:innen
mussten dadurch nicht mehr zwischen Staatsanwaltschaften und Gerichten
sowie verschiedenen Orten wechseln.
4 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.jurafuchs.de/presse/umfrage-afd-regierung-w%C3%BCrde-nachwuchsjuristen-vom-staatsdienst-in-sachsen-anhalt-abschrecken
(DIR) [2] https://afd-regierungsprogramm.de/
(DIR) [3] https://www.richterbund-sachsen-anhalt.de/fileadmin/Sachsen-Anhalt/Dokumente/PM_2026-02_Personalnot.pdf?utm_source=chatgpt.com
(DIR) [4] https://justiz.sachsen-anhalt.de/gericht/stellenausschreibungen/richter-auf-probe
## AUTOREN
(DIR) Annika Danielmeier
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